
Manche Menschen träumen davon, einmal im Fernsehen oder in einer Dokumentation aufzutauchen. Für einen mutmaßlichen Drogendealer aus Gießen ging dieser Wunsch offenbar in Erfüllung – allerdings mit Folgen, die vermutlich nicht Teil des Drehbuchs waren. Denn was einst für Aufmerksamkeit im Internet sorgte, könnte nun eine wichtige Rolle vor Gericht spielen.
Der Mann, der unter dem Namen „Banks“ bekannt wurde, ließ sich vor einiger Zeit von einem Kamerateam begleiten. In der VICE Dokumentation sprach er offen über den Drogenhandel, zeigte sich selbstbewusst vor der Kamera und vermittelte den Eindruck, als sei sein Geschäftsmodell nicht viel aufregender als der Betrieb eines Handwerksunternehmens. Der Unterschied: Handwerksmeister müssen sich in der Regel keine Gedanken machen, ob ihre Imagefilme später einmal in Ermittlungsakten landen.
Wenn Eigenwerbung nach hinten losgeht
Marketing kann eine wunderbare Sache sein. Unternehmen investieren Millionen, um möglichst bekannt zu werden. Im kriminellen Milieu gilt allerdings meist das genaue Gegenteil. Je weniger Aufmerksamkeit, desto besser. Genau deshalb wirkt die Geschichte so ungewöhnlich. Während andere alles daran setzen, anonym zu bleiben, entschied sich „Banks“ offenbar für maximale Sichtbarkeit. Dass nicht nur neugierige Zuschauer einschalteten, sondern möglicherweise auch Ermittler sehr aufmerksam zusahen, dürfte im Nachhinein die wohl unerquicklichste Einschaltquote seines Lebens gewesen sein.
Die Aufnahmen sollen inzwischen Teil der Ermittlungen sein. Ob und welche Bedeutung sie im Verfahren tatsächlich haben, muss allerdings das Gericht entscheiden. Es gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.
Prozessstart muss warten
Eigentlich sollte der Prozess vor dem Landgericht Gießen bereits beginnen. Doch daraus wurde zunächst nichts. Die Verteidigung stellte mehrere Befangenheitsanträge gegen die zuständige Strafkammer, weshalb der Verhandlungsauftakt verschoben werden musste. Für alle Beteiligten bedeutet das zunächst einmal Geduld. Statt eines schnellen Starts heißt es nun warten, bis über die Anträge entschieden wurde.
Das Internet vergisst eben doch nicht
Die Geschichte zeigt einmal mehr, dass das Internet ein ziemlich gutes Gedächtnis hat. Während viele Menschen Jahre später peinliche Partyfotos oder misslungene Tanzvideos aus den sozialen Netzwerken verschwinden lassen möchten, hatte diese Kameraaufnahme möglicherweise eine deutlich größere Tragweite. Natürlich ist eine Dokumentation allein noch kein Schuldspruch. Doch wer sich freiwillig dabei filmen lässt, wie er über mutmaßlich illegale Geschäfte spricht und mit riesigen Tüten voller Gras hantiert, liefert zumindest reichlich Gesprächsstoff.
Am Ende bleibt vor allem eine Erkenntnis: Nicht jede Form von Öffentlichkeit ist gute Öffentlichkeit. Manchmal wäre es die deutlich bessere Idee gewesen, auf das große Kamerateam zu verzichten. Denn zwischen einer erfolgreichen Dokumentation und einem Gerichtstermin liegen mitunter weniger Schnitte, als man denkt.
Hier ist übrigens die besagte Doku:
Quelle: hessenschau.de
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