Kriminelle setzen verstärkt Jugendliche für Drogenhandel ein

Drug checking

Früher war der Karriereweg für Kriminelle vergleichsweise kompliziert. Man musste die richtigen Leute kennen, sich über Jahre hocharbeiten und durfte bei Treffen vermutlich nicht zu viele Fragen stellen. Heute scheint manches deutlich einfacher geworden zu sein. Laut einem aktuellen Bericht der EU-Drogenagentur werden Jugendliche zunehmend über soziale Medien für Drogengeschäfte und Gewalttaten angeworben.

Wer nun glaubt, die Mafia würde Stellenanzeigen auf LinkedIn veröffentlichen, liegt zwar daneben. Die Entwicklung zeigt jedoch, wie professionell kriminelle Netzwerke mittlerweile vorgehen. Besonders Jugendliche aus sozial benachteiligten Verhältnissen geraten ins Visier der Banden. Sie werden für Einschüchterungen, Körperverletzungen und teilweise sogar für Auftragsmorde rekrutiert. Planung, Waffen, Geld und Logistik liefern dabei die Hintermänner.

Die Experten sprechen inzwischen sogar von einem regelrechten „Gewalt-als-Dienstleistung“-Modell. Vereinfacht gesagt: Manche Kriminelle lagern Gewalt mittlerweile aus wie andere Unternehmen ihre Buchhaltung.

Doch das ist nur ein Teil der schlechten Nachrichten. Der europäische Drogenmarkt wird laut Bericht immer unübersichtlicher. Allein im vergangenen Jahr wurden 50 neue psychoaktive Substanzen erstmals registriert. Insgesamt überwacht die EU-Drogenagentur mittlerweile mehr als 1.000 verschiedene Stoffe. Wer dachte, die Auswahl im Streamingdienst sei unübersichtlich, sollte besser keinen Blick in die Datenbank der Drogenfahnder werfen.

Besonders besorgt zeigen sich die Experten über synthetische Opioide. Diese Stoffe können bereits in kleinsten Mengen lebensgefährlich sein und gelten weiterhin als Hauptursache für drogenbedingte Todesfälle in Europa. Für das Jahr 2024 geht die Behörde von mindestens 7.600 Drogentoten aus.

Gleichzeitig bleibt der Markt für klassische Drogen erstaunlich stabil. Cannabis ist mit rund 25 Millionen Konsumenten pro Jahr weiterhin die meistgenutzte illegale Droge Europas. Auch Kokain erfreut sich leider großer Beliebtheit: Rund 4,3 Millionen Menschen sollen die Substanz im vergangenen Jahr konsumiert haben. Zudem beobachten die Behörden eine Ausbreitung des besonders problematischen Crack-Konsums.

Auch die Schmuggler zeigen sich kreativ. Weil große Häfen wie Rotterdam oder Antwerpen stärker überwacht werden, weichen kriminelle Organisationen zunehmend auf kleinere Häfen aus. Hinzu kommen Methoden wie Drohnen, Schnellboote, Umladungen auf hoher See oder sogar Halbtauchboote. Man könnte fast meinen, die Verantwortlichen hätten sämtliche Staffeln von „Narcos“ als Anleitung missverstanden.

Als zusätzliche Sorge nennt die EU-Drogenagentur E-Zigaretten, die neben Nikotin auch Cannabisstoffe enthalten. Die Experten warnen, dass solche Produkte künftig sogar als Träger für noch gefährlichere Substanzen genutzt werden könnten.

Der Bericht zeichnet insgesamt ein düsteres Bild: Der europäische Drogenmarkt wird digitaler, flexibler und aggressiver. Während Unternehmen um junge Talente werben, versuchen kriminelle Netzwerke offenbar dasselbe. Nur mit deutlich schlechteren Karriereperspektiven und wesentlich unangenehmeren Folgen. Wenn die Mafia plötzlich Social-Media-Recruiting betreibt, ist das kein Zeichen für Innovation, sondern dafür, dass Europa ein ernsthaftes Problem hat.

Quelle: bluewin.ch

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