
Justizbeamte sollen in Nordrhein Westfalen genau das getan haben, was sie eigentlich verhindern sollten. Statt verbotene Gegenstände aus dem Gefängnis fernzuhalten, stehen mehrere Bedienstete im Verdacht, Häftlinge mit Drogen und Mobiltelefonen versorgt zu haben. Bezahlt wurde der Service offenbar nicht nur mit Dankbarkeit, sondern mit Bargeld.
Man könnte meinen, der Strafvollzug habe versehentlich eine neue Versandoption eingeführt. Nur leider gehörten Drogen und Handys nie zum offiziellen Angebot. Nach den bisherigen Ermittlungen sollen mehrere Beschäftigte verbotene Gegenstände von Angehörigen oder Bekannten entgegengenommen und anschließend in die Justizvollzugsanstalt gebracht haben. Dort sollen sie schließlich bei Gefangenen gelandet sein. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre ausgerechnet das Sicherheitspersonal selbst zur Schwachstelle geworden.
Für die Ermittler bedeutete das jede Menge Arbeit. Wohnungen wurden durchsucht, Beweismittel sichergestellt und die Vorgänge werden nun genau unter die Lupe genommen. Statt Zellen zu kontrollieren, rückten plötzlich auch Mitarbeiter in den Fokus. So kurios die Vorwürfe zunächst klingen, haben sie ernste Folgen. Gerade die vielen Justizbeamten, die ihren Beruf täglich gewissenhaft ausüben, geraten dadurch unverschuldet in ein schlechtes Licht. Einige wenige können das Vertrauen in einen ganzen Berufsstand erheblich beschädigen.
Die Reaktion ließ deshalb nicht lange auf sich warten. Nordrhein Westfalens Justizministerium kündigte strengere Taschenkontrollen für Beschäftigte an. Frei nach dem Motto: Vertrauen ist gut, ein Blick in die Tasche ist meistens besser. Der Vorfall zeigt einmal mehr, dass vermeintlich clevere Nebenverdienste häufig ein ziemlich teures Nachspiel haben. Wer verbotene Waren ins Gefängnis bringt, muss am Ende womöglich selbst häufiger mit Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht zu tun haben, als ihm lieb ist.
Bleibt zu hoffen, dass der einzige Lieferdienst hinter Gittern künftig wieder die Essensausgabe ist.
Quelle: stern.de
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