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Denkt man an die Schweiz, denkt man an wunderschöne Seen, eine malerische Landschaften, reine Luft und natürlich beste Schokolade. Für die elektronische Musikzzene ist die Schweiz in den letzten Jahren allerdings ebenfalls zu einer wichtigen Instanz geworden. Einiges dazu beigetragen hat Marco Biagini aka Kellerkind. In Solothurn aufgewachsen, bespielte er vor mittlerweile fast zwei Jahrzehnten sämtliche Clubs. In 2009 – in seinen Gefilden zu diesem Zeitpunkt bereits ein renommierter Act – erhält er eine E-Mail aus Berlin. Oliver Koletzki war deren Absender. Betreff: Remixanfrage für seinen Track „Since You Are Gone“ sowie die Einladung, bei der Label-Nacht wenige Wochen später im Watergate zu spielen. In den letzten vier Jahren ist für Biagini einiges passiert. Nach „Basement Story“ im vergangenen Jahr auf Sirion veröffentlichte er mit „Music Is A Miracle“ am 15. November bereits seinen zweiten Longplayer. In diesem Fall auf Stil vor Talent. Zu all diesen Festlichkeiten gesellt sich der Umstand, dass der letzte offizielle FAZEmag Download-Mix in 2013 aus seinem Studio stammt.


Er ist Resident im Hive Club, seine internationalen Gigs vermehren sich genau so rasant wie seine Fans bei Facebook, Soundcloud und weiteren relevanten Portalen. Kellerkind ist  schon lange nicht mehr das Kind, das in seinem elterlichen Haus aus Spaß agierte. „Aus Spaß wurden Leidenschaft und Berufung“, sagt der Schweizer, während er die letzten Jahre Revue passieren lässt. „Bevor der Kontakt mit Stil vor Talent entstand, hatte ich schon einige Jahre als DJ im Lebenslauf stehen. Doch mit dieser einen E-Mail hat sich plötzlich einiges verändert. Darauf hat sich die gesamte Arbeit Schritt für Schritt aufgebaut. Nur Wochen später habe ich mit Niko Schwind eine gemeinsame EP veröffentlicht. Anschließend folgten eigene Tracks, von denen ‚Backflash‘ auf Beatport auf #1 in den Deephouse Charts ging. Das waren für mich – rückblickend gesehen – echte Meilensteine meiner Karriere, die es so ohne Stil vor Talent nicht gegeben hätte. Auch musikalisch habe ich mich in meinen Augen stets weiterentwickelt – akustisch und qualitativ.“ Auf die Frage, ob er in diesen vier Jahren – von heute aus gesehen – gern etwas anders gemacht hätte, reagiert Marco reflektiert. „Man lernt nie aus. Es gab jetzt keine großen Entscheidungen, die ich bereue oder mit denen ich hadere. Das würde mich für mich auch keinen Sinn ergeben, denn das Leben ist ein laufender Prozess, genau so gilt das auch für die Musik. Wer sagt mir, dass ich in weiteren vier Jahren nicht vollkommen anders denke als jetzt? Das Equipment wird von Jahr zu Jahr besser, das Studio demnach auch, und die Möglichkeiten wachsen in unserem digitalen Zeitalter förmlich täglich.“

Für „Music Is A Miracle“ saß der Schweizer über ein Jahr im Studio. So begannen die Arbeiten faktisch direkt nach Release seines Debütalbums. „Grundsätzlich nehme ich die Motivation für ein Album daraus, dass ich mich so auch mal abseits des Dancefloors entfalten kann. Während der Fokus am Wochenende straight auf das gerichtet ist, was vor dem DJ-Pult passiert, geht es bei einem Album versierter und facettenreicher zu. Dennoch sind die Eindrücke aus einem Club immens. Diese werden dann auf eine sehr experimentierfreudige Art verwertet. Das reizt mich am Format Album hauptsächlich. Als ich im August letzten Jahres mit den Arbeiten anfing, war ich voller Tatendrang und dementsprechend fleißig. Bis Ende Januar hatte ich fünf bis sechs Tracks fertig. Anschließend setzte aber die klassische Blockade ein, von der wohl jeder Künstler immer wieder betroffen ist. Anfang April kamen die Ideen dann wieder, wie z.B. auch die zu „I Know“, was jetzt die erste Singleauskopplung ist. Ich habe während der gesamten Phase Hochs wie Tiefs erlebt. Deshalb würde ich behaupten, dass das Album ein sehr persönliches Werk ist – mit einer Menge Charakter – und mitnichten ein auf Hochglanz poliertes Ding ohne Ecken und Kanten.“

Und so öffnete sich Kellerkind auch für Kollaborationen. Mit Jake The Rapper und der Sängerin Laura Wiesmann arbeitete er mit zwei absoluten Wunschkünstlern zusammen, wie er erzählt:  „Für mich sind Kollaborationen dieser Art ein großes Novum, bei ‚Basement Story‘ habe ich ausschließlich mit Samples gearbeitet. Jake habe ich ganz einfach über Facebook angeschrieben und ihm einen Track geschickt Er fand ihn cool, und so haben wir recht schnell gemeinsame Sache gemacht. Bei Laura war es ähnlich. Sie kannte ich noch aus Bern, hatte sie dort live erlebt und war sehr angetan. Sie hat mich ein paar Mal im Studio besucht, und es war interessant zu sehen, wie man zusammen fusioniert, um ein gemeinsames Werk zu schaffen.“ Dieses produzierte er in erster Linie mit Logic 9, einem E-Piano von Korg, einem Moog Voyager sowie zahlreichen Synthies. „Zwischendurch habe ich ein paar Mal mit Ableton gearbeitet. Der vollständige Wechsel ist trotz mehrfacher Absichten allerdings noch nicht gelungen (lacht). Während viele Künstler gerne auf Reisen produzieren, ist es mir wichtig, im Studio zu sitzen. Die Soundqualität ist eine andere, und die Möglichkeiten sind ebenfalls auf einem viel höheren Niveau für mein Empfinden. Eigentlich hatte ich schon damals Logic. Aber selbst das versierteste Tool bringt dich nicht weiter, wenn deine Soundkarte und deine Monitor-Boxen schon mit einfachster Musikwiedergabe zu kämpfen haben (lacht).“

Am 22. November feierte Marco mit der gesamten Stil vor Talent-Crew eine berauschende Albumrelease-Party, die am nächsten Tag in Bern fortgesetzt wurde. Und auch wenn noch einige Termine bis Silvester anstehen, neigt sich ein ereignisreiches Jahr dem Ende zu. Mit einem Album im Gepäck geht es unaufhaltsam auf stillere Tage wie Weihnachten zu. „Ich werde an den Festtagen bei meinen Eltern sein und mit meiner Freundin ruhige Stunden genießen. Spielen werde ich in meinem Heimatort, darauf freue ich mich schon besonders, da ich die letzten Jahre immer unterwegs war. Ich bin in diesem Jahr mit meiner Freundin zusammengezogen. Das war sicherlich das, was mich in 2013 am meisten bewegt hat. Aus zwei Haushalten einen zu machen, ist eine ziemliche Herausforderung, habe ich gemerkt. Dementsprechend bin ich auch mit dem Studio umgezogen. Damit bin ich eigentlich noch immer nicht fertig, da ich gerade auf der Suche nach der absoluten Perfektion bzw. Lösung für mich bin. Was die Musik angeht, war das SonneMondSterne Festival ein absolutes Highlight. Ich habe morgens gespielt und hätte nicht gedacht, dass noch so viele Leute so eine Energie aufbringen würden. Gepaart mit dem Sonnenaufgang war das sicherlich einer der schönsten Momente des Jahres. Auch gab es da eine unvergessliche Rooftop-Party, die ich mit Olli die gesamte Nacht gespielt habe. Am liebsten spiele ich wirklich kleine, kompakte Clubs wie das Hive in Zürich. Es herrscht dort immer eine gewaltige Energie. Mein absoluter Favourite Track, den ich in fast jedem meiner Sets gespielt habe, kam von Hot Natured. Er heißt „Reverse Skydiving“, und der Remix stammt von Shadow Child. Sein Stil hat mich in 2013 geprägt und sicherlich auch für den Titel-Track ‚Music Is A Miracle‘ inspiriert.“ 2014 möchte sich Kellerkind mehr auf Remixe fokussieren. „Die kamen in den letzten Monaten definitiv zu kurz – so reizt mich das Thema aktuell sehr. Dafür steht allerdings der Punkt ‚Studio fertig bekommen‘ ganz oben auf der To-Do-Liste. Und da die Zeit heute so rasend schnell vergeht, sehe ich mich auch schon bald am dritten Album sitzen. Auf die vielen Bookings, bei denen ich sehr viel reisen und neue Kulturen kennenlernen darf, freue ich mich ebenfalls sehr.“ 

FAZEmag DJ-Set #22: Kellerkind – ab sofort und exklusiv bei iTunes:

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www.stilvortalent.de

 

www.kellerkindmusik.ch