
Hamburg, ein ganz normaler Morgen. Ein Linienbus, voller Menschen auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule – und plötzlich bricht ein 13-Jähriger zusammen. Später stellt sich heraus: Der Junge hatte Ketamin konsumiert, eine Partydroge, die eigentlich aus der Medizin stammt. Rettungskräfte bringen ihn ins Krankenhaus, wo er sich glücklicherweise wieder erholt. Doch der Schock sitzt tief – ein Kind, ein Bus, eine Droge, die längst ihren Weg von der Notfallmedizin auf die Tanzflächen gefunden hat.
Die Polizei reagiert schnell. Ermittler des Drogendezernats durchsuchen die Wohnung eines 30-Jährigen aus Wandsbek, bei dem der Junge die Substanz zuvor gekauft haben soll. Der Einsatz fördert eine beachtliche Auswahl an illegalen Drogen zutage: rund 80 Gramm Amphetamine, 26 Gramm Ketamin, Ecstasy-Tabletten und etwas Kokain. Der Mann wird festgenommen und sitzt nun in Untersuchungshaft.
Ketamin – vielen in der Szene als „Special K“ bekannt – sorgt seit Jahren für Diskussionen. Ursprünglich als Narkosemittel entwickelt, gilt es in der Medizin als wichtiger Baustein in der Notfallversorgung. Auf Raves und in Clubs taucht es dagegen als bewusstseinserweiternde Partydroge auf. Wer es nimmt, erlebt oft dissoziative Zustände, Halluzinationen oder ein Gefühl völliger Entkopplung vom Körper. Was für manche nach einem psychedelischen Kick klingt, birgt für andere massive Risiken: Übelkeit, Orientierungsverlust, Blackouts und im schlimmsten Fall gefährliche Unfälle.
Vorsicht ist geboten
Der Vorfall in Hamburg erschüttert, weil er gleich mehrere Alarmglocken läutet. Ein Kind im Teenageralter hat Zugang zu einer hochriskanten Substanz. Der Konsum findet nicht im Club statt, sondern im öffentlichen Nahverkehr – mit allen Gefahren für ihn selbst und sein Umfeld. Und der Dealer, bei dem er die Droge gekauft haben soll, entpuppt sich nicht als kleiner Konsument, sondern als ernstzunehmender Händler mit einem ganzen Arsenal verschiedener Substanzen.
Für die Club- und Partyszene zeigt der Fall einmal mehr, wie dünn die Linie zwischen Feierkultur und Gefahr sein kann. Ketamin mag in den letzten Jahren immer stärker in die Szene eingesickert sein, doch es bleibt eine Substanz, die Respekt verlangt. Wenn ein 13-Jähriger in einem Bus kollabiert, ist das nicht nur ein Einzelfall, sondern ein Spiegelbild dafür, wie wichtig Aufklärung, Schutzräume und klare Grenzen sind. Am Ende geht es nicht um Verbote oder Stigmatisierung, sondern um Verantwortung – gegenüber sich selbst, seinen Freunden und einer Szene, die von Freiheit lebt, aber nicht von Tragödien.
Quelle: welt.de
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