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Ketamin soll gegen Alkoholismus helfen


Es wird eine neue Studie gestartet von UK-Wissenschaftlern. Diese Studie soll zeigen, dass Ketamine dazu verwendet werden können, um eine Alkohol-Sucht zu bekämpfen. Folgende Hypothese heißt es zu belegen: Alkohol-Süchtige erleiden oft einen Rückfall durch Alkohol-bezogenen Erinnerungen. Ketamin könnte dazu verwendet werden, um diese Erinnerungen abzuschwächen oder sogar ganz auszulöschen. Keta soll helfen die schädlichen Verhaltensmuster zu unterbrechen und stoppen.

Einfach nur Sucht-Verlagerung oder heilende Medizin?
Der leitende Forscher Ravi Das sagt, dass das Hauptproblem mit der Alkoholsucht die Rückfallquote sei. Solange die Betroffenen sich im Krankenhaus oder in einer Klinik für Sucht-Problematiken aufhalten, bekommen sie auf kurze Sicht die Alkohol-Krankheit gut in den Griff. Sobald sie jedoch wieder zu hause und in der gewohnten Umgebung sind, fallen sie zurück in alte Verhaltensmuster und greifen zur Flasche. Dort kommen sie meist nicht ohne (professionelle) Unterstützung mit den Auslösern, die sie zum Trinken anregen, klar. Genau da soll Ketamin ins Spiel kommen.
Die Neurowissenschaft weiß, dass das Gehirn bzw. das Gedächtnis leicht zu beeinflussen ist, wenn es erstmal etwas von den alt eingesessenen Gewohnheiten gelöst ist. In diesem Moment ist die Speichercodierung vom Gehirn vorübergehend destabilisiert und das ermöglicht es, dass die Codierung jetzt geändert werden kann. Also, wenn ein Alkohol-Patient sich klinisch behandeln lässt und in einer anderen Umgebung ist als die gewohnte ist und dort gut ohne Alkohol zurecht kommt, könnte Ketamin der Indikator dazu sein, der sein Gehirn in soweit manipuliert, dass das Gedächtnis nicht sobald es alte Umweltfaktoren erkennt auch altes Verhalten einleitet, sondern an dieser Stelle anders reagieren kann.

Der Plan der Forscher ist es, vorsätzlich Alkohol-bezogene Erinnerungen bei den Patienten hervorzurufen, diese Erinnerung muss dann „gestört“ werden (also genau dann darf etwas nicht so laufen, sie sonst immer), und dann wird den Patienten eine Ketamininfusion oder ein Placebo verabreicht. Über 50 Teilnehmer hat diese Studie schon, die Wissenschaftler wollen 90 Freiwillige. Die Teilnehmer sind schwere Trinker, jedoch passt keiner von ihnen auf die klinische Beschreibung eines Alkoholikers. Die Forscher überwachen die Trinkgewohnheiten der Teilnehmer für ein Jahr, nachdem sie an dem Test mitgemacht haben und messen dann ob und in wie weit sie dadurch modifiziert wurden.

Allgemein sind Psychologen recht kritisch bzw. unzufrieden mit der Vorstellung, dass ein beruhigendes Medikament zur Behandlung von Alkohol-Sucht verwendet werden soll. Der leitende Forscher Ravi Das sagt dazu: „Es gibt nur die allgemeine soziale Einstellung, dass alles, was illegal ist, schrecklich ist. Es wird offensichtlich sein, dass diese Art ein engstirnigen „Pushback“ ist. Aber wenn es sicher und effektiv genug ist, sollte es empfohlen werden.“

Generell ist Ketamin als Party-Droge bekannt und wird routinemäßig in der Anästhesie eingesetzt. Auch in der Schmerztherapie wird Ketamin eingesetzt, damit die Patienten zum Beispiel die einfachsten Bewegungsabläufe ohne Schmerzen ausführen können. Ebenso hat es in den letzten Jahren viele Forschungen und Studien gegeben, dass Ketamin heilsam bei Depressionen hilft. Auch dies könnte ein zusätzlicher Nutzen-Punkt bei der Bekämpfung gegen Alkohol-Sucht sein.

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