
Manipulierte Getränke sind längst kein Randthema mehr im Nachtleben. Auch in deutschen Clubs gehört sogenanntes Spiking – das unbemerkte Beimischen von Substanzen wie K.-o.-Tropfen oder zusätzlichem Alkohol – zur Realität. Betreiber, medizinisches Personal und Awareness-Expertinnen- und Experten versuchen daher, präventiv gegenzusteuern.
Im Magdeburger Technoclub Geheimclub setzt Betreiber Enrico Ebert auf klare Regeln im laufenden Betrieb. Unbeaufsichtigte Getränke würden konsequent entfernt, Gäste aktiv angesprochen werden, erklärt er im Gespräch mit ntv. Zusätzlich stellt der Club Silikondeckel für Gläser und Flaschen zur Verfügung. Dennoch sei klar: Absolute Sicherheit gebe es nicht. Entscheidend sei, dass das Personal für entsprechende Situationen sensibilisiert ist. Prävention allein reiche nicht aus, vielmehr müsse das Team wissen, wie im Ernstfall richtig reagiert wird.
Genau hier setzt Awareness-Arbeit an. Die Awareness-Trainerin Serafina Blaas aus Halle schult Veranstaltungs- und Clubpersonal im Umgang mit potenziell Betroffenen. Dabei gehe es nicht nur um Früherkennung, sondern auch um Unterstützung nach einem Vorfall. Awareness-Strukturen sollen Betroffenen einen geschützten Raum bieten, Orientierung geben und – wenn nötig – an medizinische oder beratende Stellen vermitteln. Spiking werde dabei oft zu eng gefasst, betont Blaas: Auch das ungefragte Beimischen von Alkohol falle darunter und stelle bereits eine klare Grenzüberschreitung dar.
Offizielle Zahlen unterschätzen das Ausmaß. Das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt registrierte in den vergangenen fünf Jahren 72 Anzeigen im Zusammenhang mit K.-o.-Tropfen, geht jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. Medizinisch ist der Nachweis schwierig: Viele Substanzen lassen sich nur wenige Stunden im Blut oder Urin feststellen. Hinzu kommt, dass sich Betroffene häufig gegen eine rechtsmedizinische Untersuchung entscheiden, was spätere Anzeigen erschwert.
Auch Teststreifen für Getränke bieten laut Fachverbänden nur eingeschränkte Sicherheit. Sie reagieren lediglich auf bestimmte Stoffe und können durch Zutaten wie Alkohol, Zucker oder Farbstoffe verfälscht werden – ein trügerisches Sicherheitsgefühl inklusive.
Für Enrico Ebert liegt ein zentraler Schlüssel jenseits technischer Maßnahmen im sozialen Miteinander. Beobachtet werde, dass Gäste zunehmend aufeinander achten. Dieses Gemeinschaftsgefühl zu stärken, sei aus seiner Sicht wirkungsvoller, als Verantwortung allein an Personal oder Einzelpersonen zu delegieren.
Quelle: ntv
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