
Was als gewöhnliches Leben einer Lehrerin begann, endete in einem der verstörendsten Kriminalfälle Italiens. Nicole Formichetti unterrichtete bis wenige Wochen vor der Tat Italienisch und Literatur an einer Oberschule bei Turin. Heute sitzt die 47-Jährige im Gefängnis. Gegen sie wird wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung an einem grausamen Mordfall ermittelt. Formichetti galt nach außen als unauffällige und bei ihren Schülern beliebte Lehrerin. Bis Juli 2026 unterrichtete sie an der Oberschule „Tommaso D’Oria“ in Ciriè, einer Stadt in der Nähe von Turin. Im September legte sie ein ärztliches Attest vor und erschien nicht mehr zum neuen Schuljahr. Nur wenige Wochen später sollte sich ihr Leben komplett verändern. Am 20. September trafen sich Formichetti, der 26-jährige Christian Matheus De Oliveira Morando, die 22-jährige Keith Butig und der 39-jährige Fabio Colapietro in der Wohnung der Lehrerin. Was zunächst wie eine Drogenparty begann, entwickelte sich zu einer tödlichen Eskalation.
Drogenparty endet mit Mord
Nach bisherigen Ermittlungen wurden während des Abends unter anderem Crack, Ecstasy, halluzinogene Pilze, Methadon und eine synthetische Substanz konsumiert. Im Verlauf der Nacht kam es zwischen Morando und Colapietro zu einem Streit. Morando beschuldigte den 39-Jährigen, ihm Geld und ein goldenes Armband gestohlen zu haben. Schließlich soll er Colapietro erwürgt haben. Doch damit endete das Grauen nicht. Statt die Polizei zu verständigen, blieben die Beteiligten mit der Leiche in der Wohnung. Nach den bisherigen Erkenntnissen wurden weiter Drogen konsumiert und gleichzeitig versucht, die Leiche verschwinden zu lassen.
Die Leiche wurde zerstückelt
Für die Beseitigung des Körpers sollen die Beteiligten unter anderem Müllsäcke, Abdeckplanen, Messer und Schnellzement besorgt haben. Teile der Leiche wurden in Säcke und Eimer gepackt und mit Zement übergossen. Weitere Körperteile sollen in einem Koffer zu einem Fluss transportiert und dort entsorgt worden sein. Besonders schwer wiegen dabei die Vorwürfe gegen Nicole Formichetti. Nach Aussage des geständigen Tatverdächtigen soll sie bei der Organisation der Leichenbeseitigung eine zentrale Rolle übernommen haben. Die Ermittler müssen nun klären, welchen konkreten Anteil sie tatsächlich an den Vorgängen hatte.
Für besonders viel Aufsehen sorgte eine Aussage des 26-jährigen Morando während seiner Vernehmung. Er soll die Lehrerin gegenüber den Ermittlern als „Satan“ bezeichnet haben. Der Spitzname beschreibt dabei vor allem die Darstellung des mutmaßlichen Täters – er ist kein gerichtliches Urteil über Formichetti. Auch andere Details aus den Ermittlungen wirken wie aus einem bizarren Kriminalfilm. Laut den bisherigen Berichten soll Formichetti nach der Tat sogar sexuelle Annäherungsversuche gegenüber dem mutmaßlichen Mörder gemacht haben. Dieser habe sie zurückgewiesen.
Erst Depressionen, dann der Absturz
Noch kurz zuvor führte Nicole Formichetti offenbar ein völlig anderes Leben. Sie arbeitete als Lehrerin, war bei ihren Schülern beliebt und wurde von Kollegen geschätzt. Nach Angaben von Südtirol News hatte sie im September ein ärztliches Attest wegen schwerer Depressionen vorgelegt. Über die Hintergründe ihres persönlichen Absturzes und den Beginn ihres Drogenkonsums ist bislang nur wenig bekannt. In ihren sozialen Netzwerken finden sich einerseits Beiträge über Tiere und ihren Hund Felix. Gleichzeitig sollen dort auch ältere Nachrichten von Bekannten zu finden sein, die sich bereits früher Sorgen um sie gemacht hatten.
Polizei wird durch Anruf alarmiert
Aufgeflogen ist der Fall schließlich, nachdem Morando von einer Panikattacke überwältigt seine Mutter angerufen haben soll. Die Frau alarmierte daraufhin die Polizei. Als die Beamten die Wohnung betraten, stießen sie auf die Spuren des Verbrechens und nahmen die Beteiligten fest. Nicole Formichetti befindet sich inzwischen in einem Gefängnis in Turin. Bei der Anhörung zur Bestätigung ihrer Haft machte sie von ihrem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Die Ermittlungen laufen weiter. Insbesondere muss geklärt werden, welche Rolle die ehemalige Lehrerin bei der Tötung und der anschließenden Beseitigung der Leiche tatsächlich spielte. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt für sie die Unschuldsvermutung. Vom Klassenzimmer zum Spitznamen „Satan“ ist es jedenfalls ein Absturz, den sich wohl niemand hätte ausdenken können.
Quelle: suedtirolnews.it
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