Bier und Kokain: Fahrdienstleiter legt Bahnverkehr lahm

Zug

Bei der Deutschen Bahn gibt es bekanntlich viele Gründe, warum ein Zug verspätet sein kann. Signalstörung, technische Probleme, Personen im Gleis oder schlicht das Wetter – die Klassiker. In Gengenbach im Schwarzwald kam am Sonntag allerdings eine ziemlich ungewöhnliche Variante hinzu: Der Fahrdienstleiter war nicht mehr ansprechbar. Und damit war nicht nur er außer Betrieb, sondern gleich der komplette Bahnverkehr auf dem betroffenen Abschnitt.

Kurz nach 9 Uhr bemerkte die zuständige Notfallleitstelle, dass der Fahrdienstleiter im Stellwerk Gengenbach nicht erreichbar war. Da niemand wusste, was passiert war, gingen die Einsatzkräfte zunächst von einem medizinischen Notfall aus. Bundespolizei und Rettungsdienst rückten an. Weil die Türen des Stellwerks verschlossen waren, wurde schließlich auch die Feuerwehr hinzugezogen.

Die Einsatzkräfte konnten durch ein Fenster sehen, dass der 29-Jährige offenbar bewusstlos in einem Bett lag. Denn während der Mann schlief, stand der Zugverkehr auf der Schwarzwaldbahn bereits still. Auch Warnsignale des Zugfunks soll er zunächst verschlafen haben. Erst nach wiederholtem und lautem Klopfen reagierte der Mann schließlich und öffnete die Tür.

Bier war offenbar auch im Stellwerk

Die Rettungskräfte versorgten den Fahrdienstleiter zunächst medizinisch. Doch schnell entstand der Verdacht, dass nicht nur Müdigkeit für den ungewöhnlichen Tiefschlaf verantwortlich gewesen sein könnte. Im Stellwerk fanden die Beamten mehrere leere Bierflaschen. Lecker Bierchen bei der Arbeit macht Laune. Ein anschließender Atemalkoholtest ergab 0,94 Promille. Damit war zumindest eine mögliche Erklärung für die eingeschränkte Dienstbereitschaft gefunden.

Allerdings sollte es noch etwas interessanter werden.

Und dann war da noch die weiße Substanz. Bei der Kontrolle fanden die Polizisten im Geldbeutel des 29-Jährigen außerdem zwei Tütchen mit einer weißen Substanz. Der Mann gab gegenüber den Beamten an, dass es sich dabei um Kokain handele. Ob die Substanz tatsächlich Kokain war, muss im Rahmen der weiteren Ermittlungen geklärt werden. Damit hatte sich der gemütliche Aufenthalt im Stellwerk endgültig von einer etwas zu langen Pause zu einem Fall für die Polizei entwickelt.

Für die Fahrgäste hieß es: Warten

Während im Stellwerk also eher Tiefschlaf angesagt war, warteten die Züge. Der Bahnverkehr auf dem betroffenen Abschnitt der Schwarzwaldbahn stand für ungefähr eineinhalb Stunden still. Erst als ein Ersatz-Fahrdienstleiter eintraf, konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Gegen 10.30 Uhr rollten die Züge wieder. Für die Reisenden bedeutete das vermutlich die klassische Bahnfrage:

„Warum stehen wir eigentlich?“

Die Antwort dürfte diesmal selbst eingefleischte Bahnfahrer überrascht haben.

Nicht Signalstörung.
Nicht Stellwerksstörung.
Nicht Personenschaden.

Sondern: Der Mann, der den Verkehr regeln sollte, war selbst nicht mehr im Betriebsmodus.

Ein Stellwerk ist eben kein Hotel

Ein Bett im Stellwerk klingt zunächst einmal praktisch. Wenn man dort arbeitet, muss man schließlich nicht weit zur Arbeit fahren. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen „kurz die Augen zumachen“ und einem Zustand, bei dem Polizei und Rettungsdienst vor der verschlossenen Tür stehen und sich fragen müssen, ob der Kollege überhaupt noch ansprechbar ist. Besonders ungünstig ist das Ganze natürlich, wenn man gleichzeitig für den sicheren Ablauf des Zugverkehrs verantwortlich ist.

Der 29-Jährige muss sich nun jedenfalls mit den Folgen seines ungewöhnlichen Dienstes auseinandersetzen. Die Polizei in Offenburg ermittelt wegen Gefährdung des Bahnverkehrs und illegalen Besitzes von Betäubungsmitteln.

Die Schwarzwaldbahn fährt wieder

Am Ende ging die Sache für die Fahrgäste glimpflich aus. Nach rund eineinhalb Stunden konnte der Zugverkehr wieder aufgenommen werden. Und vielleicht gibt es für den Vorfall sogar eine kleine Lehre: Wenn man als Fahrdienstleiter merkt, dass der Arbeitstag langsam anstrengend wird, sollte man vielleicht nicht unbedingt zu Bier und möglicherweise Kokain greifen. Dabei könnte letzteres in diesem Fall vielleicht sogar hilfreich sein.

Quelle: welt.de

Das könnte dich auch interessieren:
Verkehrskontrolle: Schülerin mit einem Kilo Kokain im Auto erwischt
Am Alexanderplatz: Mann verkaufte Kokain und Ecstasy aus der Kühltasche
Labrador frisst Cannabis und braucht die Bergwacht
Kiloweise Kokain in Lutschern entdeckt