Am 31. August (Digital-Release: 07. September) erschien Mark Dekodas Debütalbum „Between Reality And Darkness” via Scythe Recordings. Bereits jetzt befindet sich das Album auf Platz 1 der Amazon-Bestseller-Liste – vor illustren Namen wie Fritz Kalkbrenner, Moby oder Scooter. Wie der bodenständige und kernsympathische Münchener mit dem Hype umgeht, erfahrt ihr im großen Interview.

 

Grüß dich, Mark. Wir fangen mal mit etwas ganz Banalem an: Wie geht es dir und wie überstehst du die Corona-Zeit?

Danke der Nachfrage, mir geht es momentan sehr gut! Auch wenn schwierige Zeiten vorherrschen, finde ich nach wie vor die Kraft, meiner Leidenschaft nachzugehen: der Musik. Dass unsere Szene momentan brachliegt, zerrt natürlich an den Nerven, allerdings befinde ich mich aktuell in einer enormen musikalischen Entwicklungsphase. Das heitert mich ungemein auf.

Die Idee zu deinem ersten Album hattest du zwar schon vor rund einem Jahr, so richtig umgesetzt hast du das Ganze aber erst während der Corona-Zeit. Denkst du, dass Corona das Release beschleunigt hat?

Auf jeden Fall! Jeder Musiker, der regelmäßig auf Tour ist, kennt die Problematik: Ruhige Wochentage gibt es selten. Durch Corona habe ich viel mehr Zeit im Studio und kann generell viele Dinge einfacher koordinieren. Das spart Zeit und Kraft.

 Hauptthema unseres Gesprächs ist dein eben angesprochenes Debütalbum „Between Reality And Darkness”, das am 31. August auf deinem eigenen Label Scythe Recordings erschienen ist. Wie würdest du das Album mit deinen eigenen Worten beschreiben? Was hast du geschaffen?

 Salopp formuliert: Ich habe all meine Gedanken und Gefühle in einen Topf geworfen und einmal kräftig umgerührt. Die Idee war es, ein Album zu kreieren, das mein Verständnis von elektronischer Musik genauestens reflektiert. Jeder, der meine Musik kennt, weiß, dass ich einen gewissen Wiedererkennungswert im Laufe der Jahre entwickeln konnte. Tatsächlich bin ich auch ein wenig perfektionistisch veranlagt, sodass ich einige Lieder in der Endphase aussortieren musste.

„Between Reality And Darkness“: Was steckt hinter dem Titel des Albums? Eine Anspielung auf die aktuelle Zeit?

 Die Bedeutung und Interpretation des Titels kann man im achtseitigen CD-Booklet nachlesen. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, aber mit der Corona-Zeit hat es nichts zu tun.

 Du bist schon eine Weile im Geschäft. Früher warst du für deinen Minimal-Sound bekannt, nun erfolgte der Wandel in Richtung Techno. Wie kam es dazu?

 Techno hat mich schon immer fasziniert und ich habe bereits vor Jahren damit angefangen, zu experimentieren. Mein erstes Techno-Release „Lost In The Dark“ landete sogar in den Top 10 der Beatport-Charts. Auch mein Techno-Podcast „Teilchenbeschleuniger“ kam super bei den Leuten an. Deshalb entschied mich, ein Techno-Album zu produzieren.

 Der Hype um „Between Reality And Darkness” ist ziemlich groß. Auf der Amazon-Bestseller-Liste ist das Album vor Scooter und Fritz Kalkbrenner auf Platz 1 gelandet. Hast du mit einer derart hohen Nachfrage gerechnet? Welche Emotionen löst dieser „Ansturm“ bei dir aus?

 Ich wusste zunächst gar nicht, dass es offizielle Amazon-CD-Charts gibt. Erst durch mein Management habe ich von dieser großartigen Neuigkeit erfahren. Vor Namen wie Fritz Kalkbrenner, Moby, Fjaak oder Scooter in den Charts zu stehen, ist schon ein großartiges Gefühl.

 Unter den zwölf Songs befinden sich Kollaborationen mit Droplex, Drumcomplex, Vanessa Sukowski, Sound & Temper, Gizmo & Mac und Kati Winter. Wie kam es zu dieser Auswahl?

Zu all diesen Künstlern und Künstlerinnen habe ich einen besonderen Draht. Mit Droplex und Gizmo & Mac verbinden mich langjährige Freundschaften. Arnd (Drumcomplex) lernte ich während der Entstehung des Albums kennen – ein super Typ, der mich sofort überzeugte. Mit Vanessa hatte ich mal einen gemeinsamen Gig. Sie ist eine echte Powerfrau und wir harmonieren auf perfekte Art und Weise. Sound & Temper sind Kollegen aus meiner Agentur und ich bin ein großer Bewunderer ihrer Kunst. Kati Winter kenne ich durch eine gemeinsame Arbeit mit Droplex. Ich danke jedem von Herzen, es war eine wunderbare Zusammenarbeit.

 Das Album wird auch in einer limitierten Fanbox erscheinen. Freuen darf man sich dort über …?

… eine sehr edle, matt beschichtete Verpackung, eine exklusive Bauchtasche mit Logo, ein individuelles Bandana, eine Autogrammkarte, ein Sticker-Set und selbstverständlich das neue Album. Grüße gehen an der Stelle raus an Marcel von RAVE-Clothing, der uns die Umsetzung einer Fanbox ermöglicht hat.

 Du warst bereits in zahlreichen Ländern und auf etlichen Festivals unterwegs. Gibt es einen Auftritt, der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Jedes Land und jedes Festival hat seinen eigenen, ganz besonderen Charme – da möchte ich ungerne differenzieren. Ob vor 12 000 Menschen in Bogota oder bei einem kleinen Hinterhof-Festival in Brisbane: Jede Erfahrung, die ich bisher sammeln konnte, war großartig.

 In diesem Sommer warst du für 21 Festivals gebucht – stattgefunden hat davon kein einziges. Was macht das mit einem?

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir das anfangs nicht wehgetan hätte, aber mir geht es tatsächlich ziemlich gut. Aufgeschoben bedeutet ja außerdem nicht gleich aufgehoben. Wir müssen abwarten, was 2021 bringt. Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle auch bei meinem Bassgeflüster-Team. Die Jungs geben mir zusätzliche Kraft in dieser merkwürdigen Zeit.

 Vor Kurzem konntest du dein Album in einem Züricher Club vor 300 Gästen vorstellen. Eine Art Genugtuung für dich?

 Für mich war es weniger eine Genugtuung, sondern vielmehr ein Lichtblick innerhalb unserer Branche und zusätzlich eine schöne Abwechslung. Ich stehe in regelmäßigem Kontakt zu Club-Besitzer*innen, Veranstalter*innen, Mitarbeiter*innen und DJs und respektiere es sehr, wie sie alle mit der Situation umgehen. Der Auftritt war für mich etwas Wunderbares und auch das Feedback war durchweg positiv. Ich sage nur: „Track-ID?“

 Das Event fand ohne Masken und ohne Mindestabstandsregeln statt. Wie ist deine Einstellung dazu?

 Ich halte mich an Gesetze und Regelungen, und die sollte man in einem demokratisch strukturierten Land auch respektieren. Wenn die Schweizer Regierung diese Regelungen für ihr Land als richtig empfindet und im Gegenzug eine gewisse Sicherheit garantieren kann, dann passe ich mich dem an.

 Du stammst gebürtig aus München. Wie ist es im Allgemeinen um die dortige Techno-Szene bestellt?

 Ich bin schon lange ein Teil der Münchener Szene. Angefangen hat alles mit dem mittlerweile geschlossenen Ultraschall 2 und dem „alten“ Harry Klein. Ein Zuhause als DJ fand ich aber in Clubs wie Grinsekatze, 8 Below, Bullitt oder Ampere. Zu dieser Zeit war die Szene von engagierten, kreativen Menschen geprägt, die alle einen unglaublichen Job leisteten. Heute sehe ich die Szene mit gemischten Gefühlen. Viele Clubs mussten schließen, was unserer Subkultur schwer zugesetzt hat. Man wird sehen, wohin das noch führen wird.

 Wie geht es nach deinem Debütalbum weiter? Was sind deine Pläne mit Scythe Recordings?

Jetzt beginnt erst einmal die wichtigste Phase: das Feedback der Fans! Ich bin schon sehr gespannt. Nächstes Jahr wird es dann hoffentlich auch wieder mit den Veranstaltungen weitergehen – und wer weiß, vielleicht ebnet sich dadurch noch ein Weg für die geplante Album-Tour. Mit Scythe Recordings verfolge ich weiterhin das Ziel, ausschließlich meine eigene Musik zu veröffentlichen. Ein zweites Label, das sich auf Newcomer*innen spezialisiert, ist aber schon in Planung. Denn jeder von uns hat mal klein angefangen …

 Zum Abschluss: Was sind deine Top 5 in Sachen Lieblingstracks?

Deadmau5 – Strobe (Club Edit)
DJ Hyperactive – Wide Open (Len Faki DJ Edit)
Alex Stein – Impact Theory (Original Mix)
Cirez D – Glow (Original Mix)
Droplex & Strong R. – Addicted (Original Mix)

 

 

Gewinnspiel: Wir verlosen 5 × 1 limitierte Mark-Dekoda-Fanbox! Um mitzumachen, schickt uns eine E-Mail mit dem Betreff „Mark Dekoda“ an win@fazemag.de. Einsendeschluss ist der 20.09.2020. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Aus dem FAZEmag 103/09.2020
Text: Milan Trame