Der aus Darmstadt stammende und in Berlin lebende Martin Bley alias Matchy könnte dieser Tage durchaus als Synonym für modernen, deepen und zugleich dynamischen Techno und House gelten. Zahlreiche Veröffentlichungen auf Labels wie Suara, Stil vor Talent, Hive Audio, Heinz, 3000 Grad und vor allem Katermukke festigten seine Reputation eines erstklassigen Produzenten mit gleichermaßen gut laufenden Verkaufs- bzw. Streaming-Zahlen auf einschlägigen Portalen wie Beatport und Spotify. Aber auch in Clubs und auf Festivals ist Matchy ein gern gesehener Gast – er brachte seinen Sound schon bei Off Sónar, Love Family Park, SonneMondSterne und vielen anderen Festivitäten zum Besten. Das nächste Release auf Katermukke steht bereits in den Startlöchern; kein anderer Akteur verzeichnet so viele Katalognummern auf dem Label. Ein Interview.


Martin, ich hoffe dir geht es gut. Wie läuft’s?

Sehr gut, 2019 war gut zu mir bislang. Tolle Gigs, tolle Menschen, viele schöne Momente und damit vor allem auch viel Inspiration für Tracks. Ich war ziemlich viel in Deutschland unterwegs, von Hamburg bis München, aber zum Beispiel auch in Österreich, Luxemburg oder auf Tour in Kolumbien. Ich bin schon gerne unterwegs und freue mich immer wieder, an neuen Orten nicht nur aufzulegen, sondern auch die Stadt und deren Leute kennenzulernen. Privat hat das Jahr bis jetzt auch viel Neues für mich mitgebracht. Zum Beispiel bin ich, nachdem ich erst Anfang letzten Jahres nach Berlin gezogen bin, in eine neue Wohnung gezogen. Dank etwas mehr Platz und sehr toleranten Nachbarn – sie haben sich zumindest noch nie wegen der Lautstärke beschwert und ich produziere ziemlich laut – habe ich mein Studio jetzt wieder zu Hause und kann jederzeit an Tracks weiterarbeiten oder mal schnell eine Idee festhalten. Ich denke, ich kann sagen, ich bin jetzt wirklich angekommen und fühle mich in Berlin zu Hause und superwohl. Das merkt man sicher auch an meinen Sets und neuen Produktionen.

In Sachen Sets war unter anderem das im Baum Club in Bogotá sehr erfolgreich, nicht nur im Club selbst, sondern auch anschließend auf SoundCloud. Erzähl uns mehr über die Südamerika-Tour!

International zu spielen ist immer etwas Besonderes. Und nicht nur die Tour durch Kolumbien, auch das Land an sich war superschön, erlebnisreich und prägend zugleich. Ich war schon ein bisschen überrascht, muss ich sagen. Und das meine ich ganz im positiven Sinne! Von der Gastfreundschaft, der Feierlaune in Südamerika, dem Feedback auf meine Musik und meine Produktionen. Das spontane 1,5-Stunden-Matchy-only-Tracks-Set im Baum war ein Schlüsselmoment und unter anderem ausschlaggebend dafür, endlich mal ein Live-Set zu planen. Die letzten Monate waren sehr produktiv, was neue Tracks angeht, und mein Equipment dafür steht auch schon im Studio. Ich hoffe, dass ich schon ab Herbst live an den Start gehen kann.

Das klingt nach einem guten Plan. Aktuell steht ein weiteres Release auf Katermukke an – niemand hat bisher so viele Veröffentlichungen auf dem Label. Erzähl uns von deiner Connection zu dem Label.

Es dürfte jetzt so ziemlich genau sechs Jahre her sein, dass der erste Kontakt mit Velten aka Dirty Doering zustande kam. Ich war schon damals großer Fan aller Releases von Katermukke. Aber mit bis dato nur einer veröffentlichten EP war es eher eine Schnapsidee, dem Label die Demos zu schicken. Vor allem wenn man auch alles an die reguläre Demo-Mail-Adresse schickt, ohne wirklich einen persönlichen Kontakt zu haben. Umso erstaunter war ich, als die Antwort kam und Interesse an beiden Tracks für Katermukke bestand. Da ging mir ordentlich die Pumpe. Ende Oktober 2013 kam dann die „Too Late For Lovin“-EP raus und es folgte schon ein paar Monate später eine Kollaborations-EP mit Freiboitar mit Remixen für Uone und Housemeister. Ein Track war auch auf dem 100. Katermukke-Release – das hat mich sehr gefreut, da alle Katermukke-Acts einen Track für die Compilation beigesteuert haben. Das Release der letzten EP ist jetzt schon eine ganze Weile her, das war 2017, daher war es wirklich wieder an der Zeit. Mit „Irreversible“ und „Conjunction“ sind es diesmal zwei individuelle Tracks geworden, die auf jeden Fall im Ohr bleiben, jeder auf seine eigene Art. Und so freue ich mich, mal wieder bei Katermukke vertreten zu sein und diese tolle Tradition zu pflegen.

Wir sind mitten in der Sommer- und entsprechend auch Festival-Saison. Du bist bei zahlreichen Festivals dabei, so unter anderem bei Katzensprung, SonneMondSterne oder Bucht der Träumer.

Festivals sind für mich und sicher auch für alle Festivalteilnehmer immer was ganz Besonderes. Ich denke, für viele ist ein Festival auch mehr als nur Feiern mit Freunden – es ist ein bisschen wie ein Kurzurlaub. Es bringt Freude, Zufriedenheit und Liebe zusammen und ich freue mich wahnsinnig, mit meiner Musik einen Teil zu dieser Ausgelassenheit in einer kleinen, freieren, fabelhaft dekorierten Welt fernab des Alltags beizutragen. Für diese Saison habe ich auch schon einiges im Repertoire; es reicht von unveröffentlichten eigenen und sogar ungespielten Tracks über einige neue Nummern, die ich aktuell feiere, bis hin zu Klassikern und ein paar Überraschungen. Und es ist auch immer besonders schön, mit seiner Crew auf einem Festival Zeit zu verbringen. Daher freue ich mich auch sehr auf die Kater-Crew und das SonneMondSterne-Festival, aber natürlich auch auf die Zeit mit meinem neuen Kollektiv „Rebellion der Träumer“ sowie das Bucht der Träumer Festival im August.

Was macht für dich denn einen optimalen Festival-Tag aus, bei dem sich dieses Feeling bestmöglich entfalten kann?

Ich finde das Gruppengefühl sehr wichtig und auf der anderen Seite aber auch, sich selbst mal was Gutes zu tun und sich in der Musik fallen zu lassen. Daher zeichnet sich ein optimaler Festival-Tag für mich durch ein schönes Gleichgewicht aus – ausgelassenes Feiern mit guten Freunden, Augen-zu-Momente auf der Tanzfläche, Sekt und Wein gehören genauso dazu wie einfach zusammen rumliegen, den Augenblick genießen und über Gott und die Welt reden.

Zurück zu deiner Musik. Dein Sound wird von Release zu Release immer unverkennbarer – was macht deine Produktionen deiner Meinung nach aus?

Da ich ja jetzt schon eine Weile Musik produziere – 2004 oder 2005 angefangen mit Rap-Beats über Minimal und Deep House und jetzt zu Melodic House und Techno –, konnte ich einiges ausprobieren und habe nach und nach meinen eigenen Sound entwickelt. Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, welche Musik ins Ohr geht und auf der Tanzfläche funktioniert. Ich bin kein Fan davon, zehnmal den an sich gleichen Track „etwas anders“ zu produzieren, nur damit alles von mir ähnlich klingt bzw. etwas entsteht, was dann für meinen Sound steht. Ich liebe es einfach, eine Vielfalt an – ja, man könnte sagen – unterschiedlichen Tracks zu produzieren. Nur so können verschiedene Emotionen und Gefühle ausgedrückt und dann wiederum von den Hörern wahrgenommen werden. Mit Musik kann man so vieles ausdrücken; mal ist sie fröhlich, energetisch, mal eher düster, melancholisch. Es wäre wirklich schade, wenn das nicht so wäre. Ich denke, meinen Sound zeichnet genau diese Vielfalt aus, wobei die Arrangements, der Aufbau und bestimmte Breaks ebenso wie treibende, schnelle Drums und Basslines unverkennbar die Matchy-DNA tragen.

Wie hat sich deine Arbeit im Studio im Verlauf der letzten Monate und Jahre verändert?

In technischer Hinsicht eigentlich nicht sonderlich, eher von der Herangehensweise. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich nicht viel Hardware einsetze, außer mal den Nord Lead oder beispielsweise den Moog Sub37. Ich produziere meine Tracks, was die melodischen Elemente angeht, fast ausschließlich mit dem Diva-Synthesizer, Ultra Analog, Synthmaster und Tal Bassline 101. Ich genieße die Mobilität durch das digitale Produzieren. Man kann sehr einfach auch mal unterwegs, zum Beispiel im Zug, mit einem kleinen Midi-Keyboard an einem Track arbeiten oder sich mit anderen Künstlern für eine Kollaboration das Projekt hin- und herschicken. Mittlerweile konzentriere ich mich voll und ganz auf die Produktion und Komposition. Wenn ich einen Track fertig habe, mische ich diesen nicht mehr selbst, sondern mixe und mastere ihn mit meinem Kumpel Felix in gemeinsamen Sessions. Es ist wirklich super, noch mal mit vier Ohren über den Track zu hören und jemanden zu haben, der das Beste aus dem Klangbild herausholt. Mit den richtigen Plugins und ein paar gekonnten Handgriffen wird, trotz digitaler Produktion, ein schöner, warmer und analoger Klang erzeugt.

Was steht für das restliche Jahr auf deiner Agenda?

Erst mal freue ich mich jetzt auf die zahlreichen Festivals. Parallel werde ich noch viel im Studio arbeiten. Drei neue EPs sind fast fertig und dann steht anschließend alles im Zeichen des Live-Sets. Das dürfte allerdings etwas dauern und wird wohl auch Hand in Hand mit den Produktionen für mein erstes Album gehen.

Dann freuen wir uns schon jetzt auf Live-Set und Album. Eine letzte Frage: Was spielt bei dir aktuell, abseits von Musik und Party, eine große Rolle bzw. womit verbringst du deine Zeit?

Von klein auf war Musik ein großer Teil meines Lebens, da ich als Kind schon Klavier gespielt, aber auch immer sehr gerne Musik gehört habe. Daher beschäftige ich mich auch jetzt noch viel und gerne mit Musik, auch abseits von Club und Studio, und mein Umfeld und meine Freunde teilen dieses Interesse. Sonst genieße ich aber auch einfach den Sommer und die Zeit, die man draußen verbringen kann – egal, ob mit Eis, Wein oder kühlem Bierchen im Park oder in einer Bar.

Aus dem FAZEmag 090/08.2019
Text: TripleP
Foto: Daniel Stuhlpfarrer