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Österreich ist sicher kein sehr großes, dafür aber ein durchaus bemerkenswertes Land, das mehr zu bieten hat als Berge, Burgen, Schlösser und Seen. Diesem Land entstammen immerhin so wichtige Schriftsteller wie Thomas Bernhard und Ingeborg Bachmann und Musiker wie Mozart, Beethoven, Haydn, Schubert, Hinterseer und Füreder. Es ist nicht schlimm, Hansi Hinterseer nicht zu kennen, Marcus Fürderer zu verpassen hingegen schon. Besser bekannt ist er unter seinem Projektnamen Parov Stelar, unter dem er seit mehr als einer Dekade elektronische Beats mit Elementen aus Jazz und Swing kombiniert. Diese Eigenständigkeit schlägt sich nach fünf Studioalben nun in einer Retrospektive nieder, die am 4. Oktober unter dem Titel „The Art Of Sampling“ erscheint und neben einer Auswahl von Tracks der vergangenen zehn Jahre auch neue Stücke enthält. 


Schon mit der ersten Single aus diesem Album sorgte Marcus für einige Aufmerksamkeit, sampelte er doch Soul & R ’n’ B-Altmeister Marvin Gaye und forderte gemeinsam mit ihm zu „Keep On Dancing“ auf. „Die ‚Art of Sampling‘ ist für mich die Kunst bzw. Eigenschaft, voraussehen zu können. Du hörst bei einem Stück, aus dem du etwas sampeln möchtest, schon vorab die entsprechenden Teile, pickst sie dir im Kopf heraus und montierst sie in Gedanken zu deinem Beat hinzu. Der Computer ist längst zu einem Musikinstrument geworden, und dieses zu beherrschen und spielen zu können, das ist für mich im Prinzip das Sampling“, erklärt mir Marcus, als ich ihn an einen Mittwochvormittag in Berlin treffe. „Wenn man lange an einer Sache arbeitet, möchte man irgendwann auch mal in eine andere Richtungen gehen, um später womöglich mit frischem Blut zu seinem Kernthema zurück zu kehren. Daher ist dieses Album als Werkschau nur logisch für mich, um selbst auch mal zu sehen, was in den letzten zehn Jahren überhaupt so passiert ist.“ Die Auswahl der entsprechenden Stücke ist Marcus, der ursprünglich übrigens aus dem Minimal kommt, dabei gar nicht schwer gefallen, sind sie alle doch echte Herzensangelegenheiten. „Wo spüre ich mich selbst, was war spannend?“ waren dabei seine Parameter. Gerade aktuell trifft Parov Stelars musikalischer Weg, den er so bereits seit Jahren beschreitet, den Nerv der Zeit, sprießen Electroswing-Partys doch nur so aus dem Boden. Ein Erklärungsversuch: „Es ist vielleicht wie in der Mode und mitunter schwer zu verstehen, warum etwas gerade modern ist. Ich glaube, das Electroswing-Ding hat ein paar Komponenten, die gerade auch für jüngere Leute wichtig sind. Es ist ein Ausbrechen aus unserer Zeit, ohne sie dabei komplett hinter sich zu lassen. Oft haben schon die jungen Leute die Nase voll von diesem ganzen schnellen Wahnsinn, der gerade passiert. Und diese Rückschau auf andere Zeiten hat fast eine romantische Komponente, ist ‚Zukunft auf rückwärts‘. Und abgesehen davon war die Swing-Sache damals quasi der erste Rave, das waren die ersten Technoveranstaltungen. Die Leute haben alles gemacht, was sie eigentlich nicht durften, eine Art Revolution. Und so passen diese zwei Revolutionen einfach ganz gut zusammen.“ Wie gut das wirklich zusammenpasst, wird auch immer wieder auf der Bühne deutlich, denn das Parov Stelar Trio ist insbesondere auch als phänomenale Live-Band bekannt. An der Umsetzung der neuen Stücke wird im Grunde immer gearbeitet, und so geht es im Dezember wieder mit großer Spielfreude und einem umfangreichen Repertoire auf Tour.

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www.parovstelar.com

Parov Stelar Trio live
06.12.13 – Würzburg, Posthalle
07.12.13 – Bremen, Pier 2
09.12.13 – Kempten, bigBOX
10.12.13 – Köln, Palladium
11.12.13 – Berlin, Arena
12.12.13 – Lingen, Emsland Arena
13.12.13 – Stuttgart, Schleyer-Halle