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Auf eine hauseigene DJ-Software dürften Pioneer-Fans seit vielen Jahren gewartet haben. Dass eine solche bislang nicht umgesetzt wurde, war wohl weniger eine Frage des Nicht-Könnens als strategischen Nicht-Wollen. Denn natürlich möchte man sich als Hardware-Marktführer nicht unbedingt das Wasser mit einer günstigen Applikation abgraben. Zudem hielt der Hersteller immer ganz bewusst die Fahne des zwar digitalisierten, aber doch traditionellen DJ-Handwerks hoch. Auf der anderen Seite konnten sich die Japaner nicht auf ewig den Zeichen der virtuellen Zeit verwehren. Ständig neue Controller zu entwickeln, die für einen Fremdanbieter wie beispielsweise Serato zugeschnitten waren, war aus User-Sicht sicher eine fantastische Sache. Für ein Unternehmen, dass es gewohnt ist, die DJ-Welt mit komplett eigenständigen Innovationen zu prägen, aber wohl auf Dauer unbefriedigend. So schuf man jetzt mit der rekordbox DJ-Software eine eigene Brücke zwischen Software- und Hardware-Produkt. Grundsätzlich entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass sich die einstigen Glaubensvertreter der reinen Software-Lehre hier (so zum Beispiel Native Instruments) und reinen Hardware-Schule dort (wie eben Pioneer) nach gut 15 Jahren konzeptionell genau in der Mitte treffen: mit hybriden Hardware-Software-Konzepten.

Bildschirmfoto 2015-12-28 um 00.24.18Dabei passiert im Hause Pioneer natürlich nichts aus Zufall oder auf kurzfristige Sicht. Bei der rekordbox-Version 3.0 konnte jeder Szenekundige schon abschätzen, wohin die Reise geht. Denn die rekordbox machte den Eindruck, als sei sie ein erstes Fragment, wie man es aus bereits bestehenden DJ-Applikationen kennt. Seit Oktober ist die rekordbox DJ-Software nun als Plus Pack zum Upgrade-Preis für 139 Euro verfügbar. Da die Software einen wichtigen Meilenstein in der Produkthistorie darstellt, haben wir Martin Schiffer – Business Developer bei Pioneer DJ Europe und seit vielen Jahren DJ – zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von rekordbox DJ befragt.

Wann und aus welchem Grund wurde rekordbox überhaupt entwickelt?

Der Start unserer Musik-Management Software rekordbox war 2009 mit der – wie wir es damals nannten – „Dawn Of A New Species“, also der Einführung des CDJ-2000. Dieser Multiplayer konnte als erstes Produkt der Profirange mit einem USB-Stick gefüttert werden. Und um in die Tracks dafür unabhängig organisieren und vorbereiten zu können, wurde rekordbox entwickelt.

Was ist der Vorteil der Management-Software? Einigen Nicht-Nutzern ist der Sinn der Software ja bis heute nicht klar. Denn man kann mit der neuen Species natürlich auch USB-Tracks nutzen, die nicht mit der rekordbox analysiert wurden.

Das kann man machen, aber nur sehr eingeschränkt. Beispielsweise wird der CDJ-2000nxs erst mit rekordbox richtig zum Leben erweckt. Features wie die große Wellenform, der BPM-Wert, die Quantisierungsfunktionen für passgenaue Loops oder die gesetzten Hot-Cues können nur dann sofort im Player angezeigt und uneingeschränkt genutzt werden. Der Player kennt die Tracks sozusagen sofort beim Abspielen. Zudem kann ich die Tracks beispielsweise nach Artist, Playlist, Geschwindigkeit usw. kategorisiert anzeigen lassen. Ohne vorherige Analyse sehe ich nur die reine Ordnerstruktur. Außerdem kann ich dank der History-Funktion nach dem Gig nachvollziehen, welche Tracks gespielt wurden und kann auch die live gesetzten Cue-Punkte und Loops in meine Datenbank auf dem Rechner übertragen.

Was sich viele weiterhin fragen: Warum kann man die Tracks nicht beim Abspielen analysieren?

Die Analyse muss innerhalb der Datenbank geschehen. Zum anderen entspräche es nicht unserem zugrunde gelegten Prinzip des „Prepare And Perform“: Vor dem Gig wird das Material auf dem Rechner vorbereitet, und im Live-Einsatz dann kreativ eingesetzt, ohne dass ein Rechner notwendig ist.

Welche Fortschritte hat die Software folgend gemacht?

Ein großer Schritt war der von rekordbox 2 auf rekordbox 3. Dabei wurde die Oberfläche schicker, einheitlicher und ergonomischer gestaltet. Zudem konnten Tracks gegeneinander vorgehört werden. Ab diesem Punkt konnte man eventuell schon erahnen, dass sich die rekordbox in Richtung Mixing-Software entwickeln würde. Weiterhin wurde die Kategorisierung unter anderem um My Tag erweitert mit dem man Tracks beispielsweise nach Genre oder Situation miteinander verknüpft werden können. Ganz wichtige Fortschritte waren zudem die Verbesserung der Laufstabilität, und die Möglichkeit des Multitaskings. Also dass man z.B. mehrere Tracks gleichzeitig analysieren lässt oder während des Exports auf den Stick das Programm weiterhin bedienbar ist.

Der Weg zur jetzigen DJ-Software war aber schon bei der ersten rekordbox geplant?

Also 2009 haben wir daran noch nicht gedacht. Aber mit der wachsenden Bedeutung des Controller-Segments ist es nun ein logischer Entwicklungsschritt. Dabei war wichtig, eine DJ-Software zu entwickeln, die perfekt mit unserer Hardware zusammenspielt. Die Software wurde komplett in-house entwickelt. Das wird auch weiterhin so bleiben, um beispielsweise auf veränderte Bedürfnisse oder neue Hardware-Komponenten sofort reagieren und Updates anbieten zu können.

In welcher Version befindet sich die rekordbox aktuell?

In der Version 4.0.2. Wichtig zu erwähnen ist, dass die Version 4 als Musik-Management Software (Export-Modus) weiterhin kostenlos ist und bleiben wird. Lediglich das optionale rekordbox DJ Plus Pack kostet 139 Euro. Wenn ich die bereits auf rekordbox DJ zugeschnittenen Controller DDJ-RZ oder DDJ-RX kaufe, gibt es eine Lizenz kostenlos dazu. Rekordbox wird mit dieser Lizenz um den Performance-Modus erweitert, der aus dem Programm eine umfassende DJ-Software macht. Wer rekordbox DJ ausprobieren möchte, kann das gerne mit der 30 Tage Testversion (bei vollem Funktionsumfang) tun.

Mit welchen Funktionen wartet rekordbox DJ dann auf?

Zum einen mit allen Features, die man von einer DJ-Software kennt. In der Player-Sektion, wo sonst die Wellenform-Anzeige erscheint, werden nun bis zu vier Decks in wahlweise horizontaler oder vertikaler Anordnung angezeigt und weitere Komponenten wie FX, Sampler oder Aufnahme werden sichtbar. Aber darüber hinaus eben auch einigen Pioneer-Besonderheiten. Ein großer Pluspunkt ist, dass ich auf meine bestehende rekordbox Datenbank mit allen Playlisten und Cue-Points zugreifen kann. Das heißt, ich habe eine Lösung sowohl für das Auflegen mit dem Controller als auch für das performen an CDJs oder XDJs und muss nicht zweigleisig fahren. Weiterhin finden sich viele Funktionen unserer Top-Modelle in der Software wieder. Beispielsweise die zahlreichen Beat-Effekte und Color-Effekte, die Beat Jump-Funktion sowie der Release-FX aus dem RMX-1000, mit dem der DJ aus komplexen Effektsituationen elegant aussteigen kann. Ebenfalls vorhanden sind der Slip-Mode sowie zahlreiche Loop- und Slicing-Funktionen, die über die Performance-Pads steuerbar sind. Von diesen Pads gibt es acht pro Deck und sie haben diverse Funktionen. Beispielsweise das Speichern und Abfeuern von Cue-Punkten, Samples und jetzt auch Effekten . Dafür gibt es z.B. den umfangreichen Pad-FX-Modus, der frei konfigurierbar ist und den individuellen Vorlieben angepasst werden kann.

Ist mit der Eigenentwicklung eure Serato-Zusammenarbeit beendet?

Nein, es gibt weiterhin eine gute Verbindung. Wir haben ja gerade erst wieder Serato-exklusive Produkte wie den DDJ-SB2 Controller oder den Battlemixer DJM-S9 herausgebracht.

Was wird die Zukunft bringen?

Rekordbox DJ ist das erste Plus Pack. Hier dürfen die Leser zusätzliche Erweiterungen erwarten. Außerdem arbeiten wir daran, weitere Modelle des Sortiments mit der Software kompatibel zu machen. Z.B. unseren neuen USB-Player XDJ-700.

 

Pioneer rekordbox DJ Plus Pack
DJ-Performance Software als Upgrade für rekordbox 4.0

  • branchenweit niedrigste Latenz
  • Multiscreen-Option und erweitertes Browsing
  • Bis zu 4 Decks in vertikaler oder horizontaler Anordnung
  • 8 Performance Pads pro Deck (per Shift 16 Slots) für Cues, Loops, Samples, Pad FX
  • Sound Colour FX
  • 15 Beat FX
  • Release FX
  • Slip Mode
  • Quantisierter Beat Jump
  • Unterstützte Hardware: DDJ-RZ, DDJ-RX, DDJ-SB, DDJ-SR, DDJ-SX, DDJ-SX2, DDJ-SZ, CDJ-2000/CDJ-2000NXS CDJ-900/CDJ-900NXS, CDJ-850, CDJ-350, XDJ-1000, DDJ-WeGO3
  • Preis: 139 Euro (30-tägige Testversion kostenlos)
    bei Erwerb eines DDJ-RZ oder DDJ-RX kostenfreie Lizenz inklusive
  • Info: rekordbox.com, www.pioneer.eu

 

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