Wie die meisten Menschen wahrscheinlich auch, starte ich meinen Tag mit einem Gang ins Badezimmer. Das sieht dann in etwa so aus: Klodeckel hoch, Geschäft verrichtet und durch das Drücken eines mir scheinbar „magischen“ Knopfes, wird alles weggezaubert. Unmengen an Wasser sorgen dafür, dass der Boden wieder weiß ist. Und dann sind die Zähne dran, ich dreh den Hahn auf, halt die Zahnbürste drunter und mach den Hahn wieder zu. Hier und da wird geschrubbt. Der Mund voll mit Zahnpasta. Naja, dann halt ich einfach den Mund unter den Hahn, spül die Backen durch und spuck den Rest ins Becken. Zum Abschluss ein Grinser in den Spiegel – passt. Jetzt ist der Körper dran. Also ab unter die Dusche. Hier erwartet mich ein künstlicher Regen, der irgendwie unendlich zu sein scheint. Manchmal wird das Wasser kalt, weil ich zu lange drunter stehe. Da ärgere ich mich aber nur über meinen Boiler und denke nicht weiter darüber nach, was ich da eigentlich für Mengen an Wasser im Abfluss versenkt habe. Nach der Dusche bekomme ich Durst, ich drehe den Hahn auf und trinke das Glas im vollen Zug leer. Kann ja nochmal auffüllen. Wasser ist ja genug da. Dieser Ablauf dauert etwa 15 Minuten. Wieviel Wasser ich den Rest meines Tages verbrauche, darüber möchte ich nur ungerne nachdenken.

Sauberes Wasser gehört zu unserer täglichen Routine. Es ist die Grundlage allen Lebens. Für den Körper lebensnotwendig, ohne kann der Mensch nur wenige Tage überleben. Der Gedanke, dass Wasser eine knappe Ressource ist und viele Menschen nur von so einem Leben träumen können, verfliegt daher schon mal im Alltag. Doch für zwei Milliarden Menschen auf der Welt ist das keine Selbstverständlichkeit. Jemand, der genau weiß, wovon ich rede, ist Gafarou Bandaogo aka DJ Jaamann. Bis zu seinem siebten Lebensjahr lebte er in einem kleinen Dorf namens Zigla Pakala. Aufgewachsen in einem der ärmsten Länder unserer Welt: Burkina Faso. Auch bekannt, als das Land des aufrichtigen Menschen. So habe ich ihn auch kennengelernt. Dass er aus einem Ort kommt, wo es gerade einmal einen funktionstüchtigen Brunnen gibt, der ein ganzes Dorf nähren soll –  für mich unvorstellbar. So auch für seine Familie. Sie kehrten Afrika den Rücken zu, um in Italien ein neues Leben zu starten. Zehn Jahre später, kommt er als Europäer zum ersten Mal in seine Heimat zurück. Zu seinem Bedauern, musste er feststellen, dass sich die Situation in seinem Dorf nicht verbessert hat. Daher beschloss er, dass sich etwas ändern muss. Durch seinen Umzug nach Berlin, traf er auf verschiedenen Partys nach und nach auf eine Gruppe von guten Seelen. Kreative Menschen, die füreinander da sind und bereit sind zu helfen. Er erzählte ihnen von seiner Idee, mithilfe von Soli-Raves Geld zu sammeln, um einen Brunnen in seinem Heimatdorf graben zu lassen. Die Crew war sofort hellhörig und formierte sich schließlich zu „Rave for Good“, einem Kollektiv mit dem Ziel, gemeinnützige und solidarische Projekte durch Musik und Veranstaltungen zu unterstützen. Mit dem später gegründeten Verein „Rave for Good“, geht Jaamanns Traum in Erfüllung. Am 22. November veranstaltet er aus diesem Anlass, zusammen mit seinen Leuten, eine Charity-Party im Berliner Club Mensch Meier. Ich habe mich mit Gafarou Bandaogo und Marco Creti unterhalten, um mehr über ihr schönes Projekt zu erfahren.

Hallo Jungs, was könnt ihr mir über „Rave for Good“ erzählen? 

Am Anfang waren wir eine kleine Gruppe aus Künstlern und Ravern. Wir organisierten viele Partys nur so zum Spaß. Als Jaaman uns dann von seiner Idee erzählte, durch Soli-Raves Geld zu sammeln, um einen Brunnen in seinem Heimatdorf “Zigla Pakala” in Burkina Faso graben zu lassen –  einem der ärmsten Länder der Welt – waren wir sofort dabei, keine Frage. Also beschlossen wir, gemeinsam für einen guten Zweck zu veranstalten. 2018 gründeten wir den Verein „Rave for Good“. Anstatt den Profit zu behalten, nutzt die „Rave for Good“-Gemeinschaft den Gewinn, um Menschen in unglücklichen Situationen auf der ganzen Welt ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Auf jeder Party zielt Rave for Good darauf ab, eine schöne und friedliche Atmosphäre mit einem Schwerpunkt auf Gemeinschaft zu schaffen. Ganz nach dem Motto: Alles ist schöner, wenn es mit Liebe gemacht wird.

Wie sieht die aktuelle Wassersituation in Zigla Pakala aus?

Es gibt vier Brunnen, drei davon sind versiegt. Circa 4000 Menschen, die in und um Zigla Pakala leben, sind vom letzten verbliebenen Brunnen täglich abhängig. Dieser ist dem unserem sehr ähnlich (s. Foto) und wurde von einem uns unbekannten Kollektiv gespendet. 

Wie kam der Kontakt zum Stammesältesten? 

Jaamann, in seinem Heimatdorf Gafarou genannt, ist dort natürlich kein Unbekannter. Im Sommer 2018 flog er wieder zurück nach Burkina Faso. Dieses mal mit dem Plan, seinen Freunden und den Dorfältesten von unserer Idee zu erzählen und die Erlaubnis einzuholen.

Und wie haben die Dorfältesten reagiert?

Sie haben sich sehr gefreut und eingewilligt. Eine neue Hoffnung kam auf da sich sonst kaum jemand um das Dorf schert.

Wie ging es den Leuten vor Ort? 

Wie erwartet lag die Infrastruktur am Boden. Internet, Geld und ordentliche medizinische Versorgung gibt es bis heute nicht. Das alte Krankenhaus ist in einem miserablem Zustand und der Krankenwagen ist kaputt. Er ist seit zehn Jahren dem Rost ausgeliefert. (s. Fotos)

Wie kann man sich den Bau des Brunnens dort vorstellen? 

Wir beauftragen eine lokale Firma, die mit professioneller Ausrüstung das Loch graben wird und die Schwengelpumpe installiert.

Woher weiß man, dass das Wasser rein und trinkbar ist?  

Die Firma ist uns schon bekannt und wird natürlich vorschriftsgemäß einen öffentlichen Trinkwasserbrunnen errichten.

Entsteht durch den Bau eines Brunnens auch neue Strukturen im Dorf?

Das Hauptziel jetzt ist ganz klar, die Menschen mit mehr Wasser zu versorgen. Verbesserungen in der Infrastruktur sind in Planung und werden später anhand der gewonnenen Erfahrung angegangen.

Wie wird die Erwartungserhaltung der Leute erfüllt, die einen Brunnen bekommen? 

Natürlich erwartet die Bevölkerung nun den Bau des Brunnens, doch vielleicht geht das auch darüber hinaus. Vielleicht können wir diesen Menschen auch Vertrauen geben, Vertrauen und Hoffnung auf Hilfe. Was die Menschen auf jeden Fall nicht erwarten ist eine Sendung von Sachspenden, die wir parallel sammeln und von der sie noch nichts wissen.

Mit welchem Gegenwind kann man bei einem Brunnenbau rechnen? Was muss man erfüllen, um einen Bau zu ermöglichen? 

Kürzlich haben wir mit der Anmeldung unsere gemeinnützigen Vereins die letzte Hürde überwunden. Die Dorfältesten haben eingewilligt, jetzt brauchen wir nur noch das Geld.

Was habt ihr für Tipps an Menschen, die sich auch engagieren möchten?

Wenn man den Drang verspürt, selbst Gutes zu tun steht dem nicht viel im Weg. Wenn man eine Idee oder ein passendes Projekt gefunden hat, legt man einfach los. Mit guten Freunden geht der Start natürlich noch leichter von der Hand. Solange man sich gegenseitig ergänzt, sowie ehrlich und fokussiert bleibt, bekommt man jedes Problem in den Griff. Nur niemals aufgeben!

Was erhofft ihr euch mit eurer Charity-Veranstaltung?

Wir feiern zwar die Gründung des Vereines und auch unser Party-Debüt im Mensch Meier; der Fokus ist und bleibt aber das Sammeln der Spenden sowie das Erzeugen von Aufmerksamkeit. Es wird z.B. online eine Spenden-Kampagne geben, welche vom Zeitraum um das Projekt bis über Weihnachten hinaus läuft. Das möchten wir damit vermitteln.

Warum findet die Veranstaltung im Mensch Meier statt? 

Wir sind inzwischen mit vielen Leuten aus dem Meier befreundet und spielen dort auch mehr oder weniger regelmäßig. Der Club mit seinem Fokus auf Solidarität und Menschlichkeit ist eine Rarität im Antiquitätenladen der Clublandschaft. Wir haben lange darauf hingearbeitet und sind sehr froh, dort nun ein Event zu promoten. Dafür bekommen wir tatkräftige Unterstützung vom Mensch Meier selbst, aber auch von Kollektiven wie PRIZM:Berlin, Freitanzkultur und dem befreundeten Techno-Label Tiefdruckgebeat.

Hattet ihr noch andere Projekte in der Vergangenheit? 

Angefangen haben wir damals mit Underground Raves, Funktion One im Wohnhauskeller lautete die Devise. Schon bald besuchten wir dann aber auch andere Locations, z.B. das Beate Uwe in Mitte oder die Wildenbruch Bar, welche mittlerweile leider schließen musste. Neben unserer Arbeit für den Verein, haben wir dieses Jahr auch ein kleines Festival in Griechenland realisiert und den Rest der Zeit stecken wir natürlich in unsere jeweiligen Musikprojekte.

Abschließende Worte? 

Vielen Dank für das Interview Sofia, wir freuen uns sehr, dass wir dir von unserem Projekt und dem Event erzählen konnten. Wir rechnen fest mit dir an dem Tag! Das gilt natürlich auch für die Leser. Wer in der Stadt ist, sollte definitiv überlegen mal vorbeizuschauen und an diesem Freitag mal für was gutes Raven!

In diesem Sinne, kommt vorbei und raved für einen guten Zweck! Hier gehts zur Veranstaltung!

Hier gehts zur Bildergalerie:

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Rave for Good // 22.11.2019// Mensch Meier
Line-up: CanDJane, Creti b2b Kasia Gościńska, Denise Bauer, Ecorn Olsen, Finn Rechenburg, Gwen Wayne, Jaaman b2b Relative Zero, Loryn b2b Andreas König, Mangudai b2b Essbè, Nathan die Weise, Noëlia b2b Moji, Papupa b2b Tschoris, Paris aus Hilton, Public Emely & See Bastian, SKALA b2b Qplex, Tommy Hanso

 

v. links: Robin, Andy, Matt, Jaamann, Sarah, Alex und Creti.

 

Alles ist schöner, wenn es mit Liebe gemacht wird – Rave for Good 

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