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Nachdem ich mich in meinem ersten Retro Report mit den besonderen Klangeigenschaften klassischer Homecomputer befasst habe, ist es nun Zeit über wohlklingende Spielkonsolen zu reden. Dank findiger Hacker ist es mittlerweile möglich aus Konsolen der Generation Sega und Nintendo vollwertige und vor allem FETT klingende Synths zu zaubern. Und diese Konsolen-Synths müssen sich klanglich absolut nicht vor „professionellem“ Equipment verstecken, denn in vielen dieser vermeintlichen Spielzeuge werkelten hoch raffinierte Soundchips, die nur darauf gewartet haben, von durchgeknallten elektronischen Musikern entfesselt zu werden. Damit der ganze Zauber nicht nur Programmierern vorbehalten bleibt, gibt es eine ganze Reihe von Gimmicks, die den Konsolen eine MIDI-Schnittstelle und somit Zugang in die moderne Studioumgebung verpassen.


Im Folgenden werde ich auf die für mich wichtigsten Konsolen, ihren Sound und die dazugehörigen Gimmicks eingehen :

Nintendo Gameboy nintendo_gameboy
Nintendos Meilenstein war die erste Konsole, die ich zu einem Synth umfunktioniert und schon in meinen frühesten Tracks wie „Hypnoconsole“ verwendet habe. So kaufte ich damals dem Schöpfer von „Nanoloop“, dem ersten Musikprogramm für eine portable Spielkonsole überhaupt, höchstpersönlich ein frisch gebranntes Modul seiner Software ab, schob sie in den Modulschacht und schwänzte dann tagelang im Klangrausch versunken die Schule. Auch heute noch sind der kompakte Sequencer und die präzisen Parameter dieser Software unter meinen absoluten Favoriten. Unbedingt erwähnenswert in Sachen Gameboy-Chiptune ist natürlich die Software „Little Sound DJ“, welche das Maximum aus dem mickrigen 4-Bit Soundchip kitzelt, sogar Sampleplayback oldschooliger Drummachines ermöglicht und DIE Komplettlösung für den Gameboy ist. Bei so manchem Track von mir kam die 909 nicht aus dem Roland, sondern aus dem Nintendo.

Sega Mega Drive sega_megadrive
Segas damaliges 16-Bit Schlachtschiff ist für mich ein hochpotenter Synth-Bolide im Studio geworden, denn mit Hilfe des Moduls „GenMDM“ des Australiers „little-scale“ wird der Konsole eine MIDI-Schnittstelle spendiert und somit die Tür zur Welt der Yamaha-FM-Synthese geöffnet. Analoge Wärme sollte man hier nicht erwarten, denn hier herrscht klirrende digitale Kälte, aber davon abgesehen kann man den Sega Mega Drive für jede erdenkliche Klangidee einsetzen, welche nach dem gewissen Cyberpunk-Touch dürstet.
Der Sega Mega Drive ist unter anderem deutlich in meinem Track „Gravity?“ zu hören.

Nintendo DS nitendo_ds
Es ist nicht übertrieben, den Nintendo DS den Vorreiter zum iPad zu nennen, denn waren es doch die Japaner, die schon Jahre vor Apple, mit einem ansprechenden Touchpanel aufwarten konnten, welches sich z.b. hervorragend für Software wie „DS-10“ eignet, einer extrem gut klingenden Emulation des Korg MS-20! Damals erntete ich noch verdutzte Blicke, als ich auf Raves mit einem Stylus herumfuchtelnd (virtuell-)analoge Sequenzen schrubbte …

In diesem Sinne:

LOAD“RAVE“,8,1
RUN

Euer Remute

Remutes Retro Report #1
Remutes Retro Report #3

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