Die französische Techno-Legende Laurent Garnier hat sich mit einem gleichermaßen emotionalen sowie dramatischen Appell an das Kulturministerium Frankreichs gewandt.

Er bezeichne sich zwar nicht als großer Experte der Politik, zeigte sich aber dennoch äußerst besorgt über die aktuelle Situation des Club- und Veranstaltungs-Sektors in Frankreich, der von den jüngsten politischen Maßnahmen nur wenig Beachtung geschenkt bekommen hatte. Garnier bezieht sich vor allem auf das gigantische Hilfsprogramm “France 2”, das nach Angaben der Regierung auch dem “Bereich der darstellenden Künste” zu Gute kommen sollte bzw. soll. Die DJ- und Produzenten-Legende frage sich diesbezüglich, ob auch das Nachtleben unter diese Rubrik fallen würde, schließlich nehme er sich aufgrund seiner Tätigkeit hinter den Turntables sehr wohl als darstellender Künstler wahr.

Garnier erinnert sich: “Um mir Gewissheit zu verschaffen, fragte ich also einen Berufskollegen, ob unsere Branche auch zum Bereich der darstellenden Künste gehöre. Er fing an zu lachen und entgegnete: “Nein, Laurent, wir sind jetzt Teil des toten Unterhaltungssektors.””

Die Antwort seines Freundes hielt er zunächst für einen Scherz, doch anschließend realisierte Garnier, dass er Recht hatte. Verständnis zeigte der 54-jährige hingegen nicht: “Unsere Musik- und Kulturszene hat so viel für das Land Frankreich geleistet. Scheinbar werden wir aber immer noch nicht genügend wertgeschätzt.”

Kinos, Theater, Konzertsäle. Gastronomie- und Café-Betriebe. Sie alle leiden unter der andauernden Pandemie. Doch letztlich konnten sie wieder öffnen, wenn auch unter herben Einschränkungen. Auf den Nachtleben-Sektor trifft das nicht zu. Die Clubszene ist seit mittlerweile acht Monaten vollständig zum Erliegen gekommen. Für uns ist die Party vorbei“, fährt Garnier fort.

Er spricht weiterhin von “eklatanten Ungleichgewichten” bei der Verteilung der finanziellen Hilfen und moniert, dass das Nachtleben völlig ignoriert worden sei. “Die Rücksichtslosigkeit und Ignoranz, die von Ihrem Ministerium gegenüber dem Nacht- und Clubsektor deutlich wird, wird von vielen von uns als unmissverständliche Form der Verachtung interpretiert”, so der weltberühmte Produzent.

Abschließend wendet sich Garnier nochmal an die französische Kulturministerin persönlich: “Frau Ministerin, ich war aufrichtig, aufmerksam und wohlwollend, als Sie ihr Amt übernahmen. Ich war zwar ungeduldig, aber dennoch sicher, dass Sie sich für alle Beteiligten des kulturellen Sektors gleichermaßen einsetzen werden […]. Nun muss ich allerdings gestehen, dass ich heutzutage nicht mehr weiß, was ich eigentlich bin: ein “toter darstellender Künstler”, ein “Insider-Künstler” oder “überhaupt kein Künstler mehr.”

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