Es gibt in jeder Lehrinstitution genau zwei Lehrertypen. Die einen waren schon immer Lehrer*innen und wollten nie etwas anderes werden. Die anderen haben sich vor ihrer Lehrzeit in anderen Bereichen ausprobiert und können ihren Schüler*innen etwas aus der „echten“ Welt erzählen. Das Ergebnis: Bei der einen Sorte ermüdet die Klasse, die andere Sorte begeistert durch Leidenschaft und inspiriert Schüler*innen auf ihrem Weg. Natürlich ist dieser Zusammenhang arg verkürzt dargestellt, aber ich denke, wir wissen alle, was ich damit meine. Aber was hat das eigentlich mit dem FAZEmag zutun?

Ab dem 30. Juli launcht mit SeeDJ eine App, die euer gesamtes Herangehen an euren Werdegang in der elektronischen Musik ändern könnte. Mit euch meine ich Produzenten*innen und DJs, die Stunden um Stunden in ihre Leidenschaft – die elektronische Musik – stecken. Diese Zielgruppe bekommt mit SeeDJ zwei ziemlich außergewöhnliche Tools an die Hand: Da ist einerseits der Lehrauftrag, den über 25 Tutor*innen, nämlich Producer*innen und DJs auf der ganzen Welt, die den Schritt in die professionelle Welt schon lange getätigt haben, erfüllen wollen. Um hier ein paar Namen zu nennen, möchte ich an dieser Stelle Coyu, Luigi Maradonna, BEC, Perc oder Frankyneffe anführen. Damit sind die Tutor*innen allesamt in der Underground-Szene angesiedelt, von EDM-Clowns keine Spur. Pluspunkt: Es wurde darauf geachtet, dass sowohl Frauen als auch Männer im Team vertreten sind.

Diese Lehrer*innen bilden dich weiter in vielfältigen Disziplinen: Producing, DJing, Live-Set Label-Marketing oder einfach allgemeiner Kreativität. Für mich besonders attraktiv sind die verschiedenen Skill-Level, auf denen man sich weiterbilden kann. Wenn es um Producing geht, kann man entweder den Einstieg in Ableton & Co. lernen oder aber auch tief abdriften ins Programmieren von Effekten, LFOs und anderen Tools. Wenn es um DJing geht, kann man hier entweder erstmals verstehen, wie Übergänge funktionieren oder aber auch lernen, wie man mit vier Decks und Effektgeräten mixt.

Auf der Website könnt ihr den Inhalt der schon bestehenden Kurse detailliert ansehen. Zusätzlich zu den Tutorials in der App gibt es exklusive Samples dazu, die anderen Musiker*innen auf anderen Sample-Plattformen vorenthalten sind. Sowas ist in Zeiten von Splice natürlich sehr praktisch.

Neben diesen kreativen und technischen Weiterbildungen geht es auch darum, wie man von Labels entdeckt wird, wie man Gigs in Clubs bekommt und wie man sich ein Netzwerk aufbaut. Und genau an dieser Stelle knüpft der zweite Aufgabenbereich der App an, der SeeDJ zu einer Art LinkedIn der Techno-Welt macht. Hier ist man in Kontakt mit über Hunderten internationaler bekannter Labels und Agenturen. Mit dem eigenen Profil kann man direkt Tracks hochladen, sie zu passenden Labels schicken und so die Chance bekommen, gesignet zu werden.

Durch dieses Feature wird die professionelle Seite der elektronischen Musik unmittelbar verfügbar für Producer*innen und DJs, die bisher keine Kontaktmöglichkeiten hatten. Für die Labels und Agenturen entsteht so ein riesiger Pool an neuen Tracks, die sie bei sich releasen können, sodass auch von dieser Seite ein reges Interesse besteht, regelmäßig eure Profile zu besuchen und in Kontakt zu treten.

Auch wenn man dann nicht direkt gesignet wird, was natürlich niemand versprechen kann, gibt es regelmäßiges Feedback in Form von Reviews auf eure Tracks.

Ein Feature, das noch mehr an „normale“ Business-Apps erinnert, ist das Analysieren aller relevanten Verkaufs-Charts in Echtzeit. Hier kann man als Nutzer*in kompakt und tagesaktuell einsehen, was gerade im Trend ist und welche musikalischen Elemente gerade gefragt sind.

Zum Stand unseres Redaktionsschlusses war SeeDJ noch nicht gelauncht, trotzdem möchte ich schon einmal ein Fazit wagen: SeeDJ ist wirklich etwas Neues, Modernes und Progressives. So schmal war der Grat zwischen Schlafzimmer-Producer und professionellem Musikmarkt noch nie. Und die Vernetzung zwischen Weiterbildung auf hohem Niveau mit erfolgreichen Künstler*innen als Dozenten einerseits und einer Community, um die eigenen Tracks an den Mann oder die Frau zu bringen, klingt ziemlich effizient. Die Macher von SeeDJ launchen die App, um möglichst vielen Musiker*innen die Chance zu geben, professionell zu werden und mit ihrem Traum ihr Geld zu verdienen.

Die Frage ist natürlich, wie viele neue DJs und Produzent*innen der Markt aufnehmen kann oder ob es irgendwann eine gewisse Sättigung gibt. Das wird sich herausstellen.

Probiert es doch einfach aus, SeeDJ kostet monatlich 19 Euro in der Basis-Version, 49 Euro für den Premium-Plan.

 

Aus dem FAZEmag 112/06.21
Text: Bastian Gies
www.seedj.app