Snuff Crew by Marie Staggat_265
Zum erlesenen Kreis der Maskenträger im elektronischen Musikbusiness gehört auch die Snuff Crew. Bisher einer der wenigen Acts, über dessen Herkunft und Identität immer noch wild spekuliert werden darf, denn nichtmal ihre echten Namen sind bekannt. Wir kennen sie nur als Eins aka Snuffo und Zwei aka Zwo. Kündigt der Titel des neuen Albums „Behind The Masks“ auch vermeintlich das Ende des Mummenschanzes an, so ist er dann doch nicht wörtlich zu nehmen. Das Duo bleibt ein Mysterium. Den Blick, den sie uns aber gewähren, findet ganz neue musikalische Facetten, die natürlich immer noch das laut ausrufen, wofür sie seit Jahren stehen: Oldschool!


Ende 2008 tauchte die Snuff Crew erstmalig auf der Bildfläche auf, veröffentlichte eine erste EP beim italienischen Label Nature Records und war kaum ein Jahr später  von DJ Hell zu seinem Label geholt worden. Hier kamen dann innerhalb eines halben Jahres gleich zwei Alben. Mit ihrer Version von Chicago und Acid House waren Snuff Crew zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Auch wenn es natürlich schon Künstler vor ihnen gab, die diesen Sound wieder neu belebten, waren die zwei in ihrer Konsequenz doch an der Spitze dieser Bewegung. Es folgten weitere EPs, Remixe, der Start des eigenen Labels Snuff Trax, eine Kollaboration mit Robert Owens und die Fukushima-Benefiz-Compilation „Snuff Trax For Japan“. Das Duo etablierte sich endgültig im elektronischen Musikkosmos und packt nun „Behind The Masks“ aus. Hierfür haben sie Gäste mitgebracht: Kim Ann Foxman, Tyree Cooper, Rachel Row und Hard Ton.

Erst zwei Alben innerhalb eines halben Jahres, dann drei Jahre Pause. Was war der Grund für diesen Rhythmus?
Snuffo: Das hatte einfach damit zu tun, dass wir zu Anfangszeiten viel mehr Tracks in petto hatten, wodurch ein zweites Album von Seiten des damaligen Labels rasch entschieden war, allerdings auch leider nur digital herauskam. Für „Behind The Masks“ haben wir gezielt Tracks produziert, Gäste eingeladen, und das dauert eben.
Zwo: Es war einfach Zeit für eine gewisse Veränderung. Außerdem haben wir ein passendes Label gesucht. Für diese Nummer war unser eigenes 12Inch-Imprint zu klein, also haben wir nach einem Label mit Kraft und Ausstrahlung geschaut. Zufällig hatten wir mal mitbekommen, dass Ellen Allien häufiger Tracks von uns spielt, und so haben wir sie einfach mal gefragt. Tatsächlich fand sie großen Gefallen daran . Auf diese Weise sind wir dann bei BPitch Control gelandet.

Wie kommt es, dass ihr – im Gegensatz zu den ersten beiden Alben – Gäste mit an Bord habt?
Zwo: Der Impuls dazu war der Track, den wir mit Owens auf Snuff Tracks gemacht haben. Das ist eine richtig runde Nummer geworden, und dann denkt man eben auch für ein Album in diese Richtung.

Ihr habt euer musikalisches Repertoire für „Behind The Masks“ erweitert. Der Hörer bekommt nun auch US-House der 90er, Electro und HipHouse zu hören.
Zwo: Es ist vielleicht ein Album für Nostalgiker und wendet sich vor allem an die Ü30-Generation, die diese Sounds ja auch noch kennt. Und ich glaube auch, dass HipHouse ein Comeback erleben wird. Die Nummer mit Tyree ist großartig. In Sachen Electro gibt es auch einiges klarzustellen, daher „What is Electro“. Das weiß ja scheinbar kaum einer mehr. Wir wollen hier nicht den Oberlehrer raushängen lassen, aber wir haben auch das Bedürfnis, unsere Aufmerksamkeit zu nutzen, um uns damit zu positionieren.
Snuffo: Die Vergewaltigung von Begriffen wie „Electro“ oder „Deephouse“ bringt mich aber immer noch regelmäßig auf die Palme.

Gibt es eine klare Aufgabenteilung bei euch?
Snuffo: Wir produzieren meist getrennt, da wir auch immer schon an unterschiedlichen Orten gewohnt haben. Für die Kernstücke des Albums („New Life“, „Work It Out“, Tearing Me Away“) saßen wir aber im Studio zusammen. Wir sagen es auch immer wieder gerne: Grundsätzlich treffen wir uns meist nur bei den Live-Gigs, alle andere Kommunikation läuft über Internet und Telefon. Darüber hinaus kümmere ich mich um Snuff Trax und Kollege Zwo ist für die grafische Seite Act und Label verantwortlich, wie auch um für die technischen Dinge und Feinheiten. Wir führen da auch sonst eine ausgewogene Balance zwischen Ruhe (er) und Exzess (ich), oder auch Ordnung (er) und Chaos (ich). Das hat schon immer funktioniert, sowohl auf der kreativen Seite, als auch auf Tour.

Was war denn euer genereller Impuls, dieses Projekt ins Leben zu rufen?
Zwo: Wir haben die Snuff Crew gestartet, um dem musikalischen Einheitsbrei ein Kontra zu geben. Wenn man heute in einen durchschnittlichen Club geht, kann man genauso gut in den nächsten durchschnittlichen Club gehen und weiß, wie der Abend verläuft.
Snuffo: Wir fanden den ganzen Minimalkram, der zu der Zeit (Anfang 2008) noch immer populär war, zum Kotzen. Wenn die ganze Nacht irgendwo der gleiche, uninspirierte Sound läuft, nervt mich das auch heute noch sehr. Aber generell ist es besser geworden, und die Leute sind offener für mehr Musik. Wir machen einfach unser Ding, ob das nun zeitgemäß ist oder nicht. Aber natürlich freut es einen, wenn der Zuspruch von Hörer- und Veranstalterseite plötzlich größer ist und auch der DJ vorher den einen oder anderen Klassiker in sein Set einbaut. Dann sieht man mich lächeln hinter der Maske.

„Behind The Masks“ – was findet der Hörer dort noch außer einem Lächeln?
Snuffo: Tiefergehende Weisheiten, überraschende Einblicke, wilde Grimassen und schweißtreibende, glücklich machende Musik zwischen Tracks und Songs.

 

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www.snuffcrew.com


 Foto: Marie Staggat