Mayday 2018


Jeder Redakteur kennt es: Für so manches Intro greift man so manches Mal tief in die Autoren-Trickkiste, um eine möglichst ideen- und facettenreiche Einleitung zu verfassen, welches die Leute kickt und zum Weiterlesen animiert. Und, zugegeben: So manches Mal kreiert man kreatives Drumherum, um die Aufmerksamkeit von euch Lesern zu wecken. Für mein heutiges Intro musste ich jedoch nichts Irrwitziges erfinden. Es hat sich tatsächlich so zugetragen:

Es war am Tag der Mayday, am 30. April 2018. Ich fuhr im Auto und shuttelte durch diverse Radiosender. Fragt mich nicht warum, aber ich blieb spontan bei WDR 4 hängen. Die 20-Uhr-Nachrichten. Es wurde – kein Witz! – über die Mayday berichtet. Quasi, dass sie heute stattfindet, und dass ein Großaufgebot an DJs aufgefahren wird. Für diejenigen, die WDR 4 nicht kennen: Es ist ein Sender, der vorzugsweise „Tracks” aus den 60er und 70er Jahren spielt. Oldies. Als die Nachrichten vorbei waren, sagte die Moderatorin in etwa: „Sie haben es gerade gehört – heute findet die Mayday statt. Viel elektronische Musik. Das kann ich aber noch toppen! Hören Sie jetzt ‚Maria Magdalena‘ von Sandra.”
Klickt auf diesen Satz und seht das Video von Sandra. Und? Lief der „Synthie-Klassiker” in eurem Mayday-Warm-up? Äh… Ja.

Für das Warm-up im Empire waren die Newcomer Zakari & Blange zuständig – zwei Techno-DJs bzw. ein Techno-Duo aus dem beschaulichen Schwarzwald. Wie aufgeregt sie im Vorfeld waren, könnt ihr im Interview nachlesen, das wir mit ihnen ein paar Wochen vor ihrem Gig geführt haben. Link siehe unten.
Um im Empire zu bleiben, darf ein Name nicht fehlen: Charlotte de Witte. Die Belgierin feierte ihr Mayday-Debut und wir sind uns ganz sicher: Diese Performance war die erste, aber ganz gewiss nicht die letzte in den Dortmunder Westfalenhallen. Auf der Mayday-Facebook-Seite bringt es ein Follower namens Thomas Richter auf den Punkt: “Diese Frau ist die Zukunft des Techno! Selten erlebt, dass das Empire um 23:00 so zerlegt wurde. Gebt der Frau nen Headliner-Slot und ihr könnt den Floor nach ihr zusammenfegen.” Wir vom FAZEmag holen schon mal Schaufel und Kehrblech.
Und nach Charlotte, 30 Minuten nach Mitternacht? Raver-Pause? No Way! Schließlich gesellte sich der Stockholmer Adam Beyer in den Technobunker, gefolgt von Chris Liebing, der dann um 03:30 Uhr von Klaudia Gawlas abgelöst wurde. Für das Closing war Pappenheimer aus Würzburg verantwortlich – und der meisterte das Ganze mit Bravour.
Spektakulärer Sound ist das eine – eine spektakuläre Kulisse das andere. Und da müssen sich die Dekoprofis, Lichtdesigner und Visual-Programmierer nicht verstecken. Nebst Dutzenden Moving Lights und Washern glich die Optik im Empire einem Bienenstock. Sechseckige, wabenartige, LED-umrahmte Kästen hinter dem DJ und über dem Dancefloor. Ein technoides Wespennest – mit Chris Liebing als Bienenkönig. Beispielsweise.
Gab´s was Neues im Empire? Oh ja! Das Empire musste sich dieses Jahr die Location nicht mehr mit dem Classic Terminal teilen – was dem Sound zweifelsfrei gut tat. Er konnte sich in der Halle so richtig gut entfalten. Aufgrund der – im Vergleich zur Arena – niedrigen Deckenhöhe kam absolutes Club-Feeling auf. Die Halle war zwar riesig in ihrer Grundfläche, doch dank der Deko und dank des wirklich gelungenen Lichtkonzeptes entstand das vertraute Gefühl, mit ein paar hundert Leuten in einem Underground-Club abzufeiern – und nicht in einer XXL-Location mit zig Tausenden. Es war wirklich eine spitzen Idee, jedem Floor eine eigene Base zu geben.

Ihre eigene Basis hatten auch die „hardest Girls and Boys of electronic Dance Music”. In der Factory wurde gebrettert, was die BPMs hergaben. Der Mann mit der Maske (Angerfist), der Mann mit dem legendären und bei Youtube mehr als elf Millionen Mal gestreamten Zombie-Remix (Ran-D), der Mann, der zugleich eine Institution des Hardcores ist (Paul Elstak), und die zwei Männer, die namentlich eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Major-Label haben (BMG) – alle waren am Start und heizten so richtig ein, wenn diesen Einheiz-Part nicht gerade die fulminante Pyrotechnik übernahm.

Fulminant. Das ist eindeutig das Fazit, wenn ich an die Arena denke. Auch hier gab es dieses Jahr eine Neuerung. Eine, die sofort ins Auge gesprungen ist. Getreu dem Motto „we stay different” ist man beim Veranstalter different gestayt und hatte ein neues, anderes Location-Konzept umgesetzt. Anders als in den Jahren zuvor fand sich die Bühne 2018 auf der Längsseite der Halle 1, und nicht mehr auf der Querseite. Heißt: Genug Platz, um eine beeindruckende Stage aufzubauen, die definitiv ein Vorreiter kommender Veranstaltungsproduktionen ist. Solche Bühnenkonstruktionen sieht man sonst nur auf großen Festivals. 24 Meter breit, mit 18 Meter breiten LED-Strängen, zwei 15 Meter breite LED-Objekte und sechs höhenverstellbare Sechsecke an der Decke. Plus natürlich gefühlt unzählige Laser. Und nicht zu vergessen: Das überdimensional große Mayday-Logo. Der – und da wird mir mindestens die halbe FAZE-Leserschar zustimmen – musikalische Höhepunkt war die Performance von Neelix. Der Hamburger Psy-Trance-König zerlegte die bis auf den letzten Stehplatz gefüllte Arena in ihre Einzelteile. Brachiale Bässe, sphärisch-elementare Klänge, Indianer-Sounds – und ein Neelix in Perfektion. Sorry, aber: Meine! Fresse! Das war der ultimative Party-Break-Even-Point! Und dann – dann kam für einen DJ der sprichwörtliche Schwarze Freitag. Für den DJ, der nach Neelix die Bühne betrat: Cuebrick aus Stuttgart. Innerhalb von zwei Minuten war die größte Halle der Mayday in Sachen Besucherzahl um mehr als die Hälfte geschrumpft. Vorteil: Jetzt hatte man wirklich genug Platz zu tanzen… Also, diejenigen hatten genug Platz, die dem Sound nicht aus dem Weg gegangen sind. Schade, Cuebrick, so kommerziell, EDM- und Cover-lastig mochten es die Leute dann wohl doch nicht. Aber natürlich gab es aus der Arena auch Gutes zu vermelden: Die Sets der Klassik-Heroen Hooligan, Talla & Taucher gehen in die Annalen der Mayday ein und werden für Viele unvergessen bleiben. Auch Ferry Corsten machte einen mehr als nur soliden Job an den Reglern und hatte die Trance Family voll und ganz in seinen Bann gezogen. Tolles, progressives Set! Und zuvor, von 23:30 bis 01:10 Uhr, gesellte sich die lebende Technolegende in die Arena: Sven Väth. Es bedarf keiner großen Worte, um das Set zu beschreiben. Ein Wort reicht: grandios.
Und wenn es am Schönsten ist, soll man bekanntlich aufhören. Deshalb: Ende der Nachberichterstattung. Oder wie das „Techno-Branchenblatt” Focus online die Mayday 2018 resümierte: „Die Mega-Party war vor allem lang, laut, heiß und gewohnt einzigartig.”

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Außer vielleicht: Es war wieder einmal eine wundervolle, friedliche und ausgelassene Partynacht. Auch die Veranstalter sind happy bis über beide Ohren, wie sie mir mitteilten. Es war ein reibungsloser Ablauf mit einem tollen, 16.000 Besucher großen Publikum.
Bis zum nächsten Jahr! Stay different! Wir tun es auch.

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