Es gibt wohl nur wenige Künstler, die über einen solch langen Zeitraum ihre Relevanz behalten und dabei auch noch elegant zwischen mehreren Welten changieren. Lennart A. Salomon, Florian Sikorski und Martin Weiland zeigen sich mit ihrem Trio SONO nicht nur im Bereich der elektronischen Tanzmusik, sondern auch im Dance- und Pop-Bereich als fest etablierte Größe. In diesem Jahr feiern die Hamburger Jubiläum. Ihre Geschichte geht bis ins Jahr 2000 zurück, als ihr Debütalbum „Solid State“ veröffentlicht wurde, das auch den Titel „Keep Control“ hervorbrachte – ein Überhit auf dem gesamten Globus, die Lyrics legendär. Zwei Jahrzehnte, sieben Langspieler, zahlreiche Singles später bringt die Band am 14. Februar, passend zu den Festlichkeiten, eine Zusammenstellung ihrer bisher releasten Singles heraus und legt noch drei neue Stücke obendrauf, darunter eine Coverversion von David Bowies „Space Oddity“. Vorab veröffentlichte die Band einen Remix von „Keep Control“, für den die ukrainischen Techno-Shootingstars ARTBAT verantwortlich zeichnen. Maxim Lany, Raumakustik und Shall Olin liefern demnächst drei weitere Neuinterpretationen. SONOs „20 Years“ erscheint als CD, Doppel-Vinyl und als digitale Version.


Wie waren eure ersten Wochen des neuen Jahrzehnts?

Florian: Spannend! Das Betreiben des eigenen Labels ist immer noch nicht zur Routine geworden und so ist der Prozess der Herstellung von Vinyl, CDs und Merchandising zeitintensiv und immer noch neu. Und dann kommt jetzt der Remix von ARTBAT und auf einmal sind wieder alle ganz aufgeregt.

Ihr feiert in diesem Jahr 20-jähriges Jubiläum. Glückwunsch dazu! Wie blickt ihr auf diese Zeit zurück?

Lennart: Ich persönlich hätte es nie für möglich gehalten, dass aus diesem Dance-Projekt eine Band werden könnte, die 20 Jahre durchhält! Und das mit allen Höhen und Tiefen und allem dazwischen.

Martin: Ja, sehr krass. Vom anfänglichen reinen Club-Projekt hat es sich ja auch ganz schön weiterentwickelt.

Florian: Auf einmal sind Strukturen da und mit diesen kommen natürlich auch Aufgaben. In den letzten Jahren ist eine richtige Crew entstanden. Ja, man kann sagen: Es fühlt sich an wie eine Band. (lacht)

Erinnert ihr euch noch an eure Anfänge?

Lennart: Machen wir es kurz: Beim Nacktbaden im Tümpel haben wir uns zufällig getroffen und beschlossen, „Keep Control“ aufzunehmen. (lacht)

Florian: Und der Rest ist Geschichte …

Viele Bands verändern oder trennen sich im Laufe einer so langen Zeit. Wie seht ihr eure persönliche Entwicklung im Team seit eurem Start?

Lennart: Da hat sich tatsächlich viel getan. Martin war ja hauptsächlich DJ damals und inzwischen macht er neben der Musik das komplette Artwork bei uns, inklusive der Videos.

Martin: Lennart war damals ja noch Lehrling bzw. Student und hatte sich gerade seine erste richtige E-Gitarre gekauft. Da hat sich in 20 Jahren doch einiges getan.

Florian: Nur ich bin der Typ hinter dem Mischpult geblieben.

Martin: Ja, wobei sich die Studios und vor allem die Pulte dann doch auch etwas verändert haben. (alle lachen)

Euer erstes Album ist 2002 erschienen, mittlerweile zählt eure Diskografie mit dem anstehenden Werk acht Langspieler. Wie hat sich euer Sound in euren Augen im Laufe der Zeit verändert?

Lennart: Wir haben uns von einem reinen Club-Act zu einer Band mit einer größeren Bandbreite entwickelt. Die Songs sind nicht mehr grundsätzlich „four to the floor“ und im 125-bpm-Bereich angesiedelt.

Martin: Komm, das waren sie auch schon auf dem ersten Album nicht.

Lennart: Stimmt. Aber die Arrangements und auch das Songwriting haben sich entwickelt.

Das kann man sicherlich so unterschreiben. Wie hat sich denn eure Arbeit im Studio verändert bzw. entwickelt?

Florian: Wir haben zwei generelle Herangehensweisen: Entweder bauen Martin und ich grundsätzliche Strukturen und Instrumentals für Lenny und der spielt damit dann bei sich im Studio weiter …

Martin: … oder Lennart schickt uns ein Demo oder die Vorproduktion eines Songs und wir arbeiten daran weiter. Irgendwann treffen wir uns zu dritt und machen den Feinschliff zusammen.

Am 14. Februar erscheint euer Best-of-Werk. Wie habt ihr die Titel zusammengestellt?

Lennart: Das ist relativ einfach: Es ist eine Single-Collection, kein traditionelles Best-of. Insofern haben wir tatsächlich chronologisch die Titel, die Singles waren, zusammengefasst und drei neue Songs obendrauf gepackt.

Erzählt uns mehr über Idee und Entstehung der drei neuen Titel.

Lennart: Der Titel „Love“ ist relativ kurz nach der letzten Tour entstanden. Eine Tour ist immer eine sehr intensive und emotionale Erfahrung. Und wir haben das mal musikalisch verarbeitet. Der Text hat nichts mit der Tour zu tun, aber trotzdem.

Florian: „Living A Memory“ kam dann etwas später. Irgendwie hatte Lenny einen Lauf und wir hatten Lust auf etwas Breakiges – dann haben wir es einfach umgesetzt.

Martin: Und dann rief mich Lennart an und sagte, dass er gerne mal „Space Oddity“ von David Bowie covern würde. Ich dachte nur „oha“. Aber das Ergebnis hat uns überzeugt und da wir drei uns immer auf Bowie einigen konnten, haben wir beschlossen, den mit auf die Platte zu nehmen.

Euer Titel „Keep Control“ ist ein Überhit. Hand aufs Herz: Wie stolz seid ihr auf diese Nummer und könnt ihr den Refrain überhaupt noch hören? 

Martin: Na klar sind wir stolz darauf, einen Klassiker geschaffen zu haben, der auch nach 20 Jahren noch einen Nerv trifft. Die Beziehung zu dem Song ändert sich immer mal wieder. Aber er ist einfach der Grund dafür, dass es die Band SONO überhaupt und immer noch gibt.

Lennart: „Keep Control“ ist wie ein guter Freund. Oder Familie. Der gehört halt dazu.

Habt ihr damals geahnt, dass der Titel solche Wellen schlagen würde?

Martin: Natürlich habe ich das nicht geahnt.

Florian: Ach komm, gib’s zu!

Lennart: Wenn so etwas planbar wäre, dann hätten wir jetzt doch ein Best-of-Album. (lacht)

Florian: Oder eine Diamond-Collection. (alle lachen)

Aktuell wird das Stück fleißig geremixt. Wie entstand die Auswahl mit ARTBAT, Maxim Lany, Raumakustik und Co.? Besonders der ARTBAT-Remix wird ja gerade überall gefeiert. Aber ich habe gehört, es soll noch einen weiteren Mix geben, der ursprünglich als Coverversion geplant war.

Lennart: Wir kriegen in regelmäßigen Abständen und immer wieder Anfragen von DJs und Produzenten, die den Track remixen wollen. Aber das mit der Coverversion war toll. Das war neu.

Martin: Aber im Zuge der neuen Remix-Veröffentlichung wollten wir das dann doch lieber mit Lennarts Gesang haben. So ist es dann ein rundes Paket.

Im März und April geht ihr auf ausgedehnte Deutschland-Tour. Worauf können sich eure Fans freuen und wie geht ihr konzeptionell an eure Konzerte heran?

Lennart: Die Fans können sich auf eine energiegeladene Show freuen, mit vielen Hits und toller Lightshow. Martin setzt sich seit ein paar Jahren mit unserem Lichttechniker zusammen und konzipiert einen Bühnen-Look und eine Light-Show.

Florian: Und wir machen uns Gedanken über die Projektionen im Hintergrund.

Martin: Wir haben dieses Mal auch auf Facebook eine Umfrage dazu gestartet, welche Songs unbedingt dabei sein sollen. Das Ergebnis werden wir uns auch zu Herzen nehmen.

Was steht außerdem auf eurer Agenda für 2020? Ihr habt alle noch ‚normale‘ Jobs, wie viel Zeit nimmt Sono in Eurem Leben gerade ein?

Martin: „Jetzt kurz vor Veröffentlichung des Albums und der Tour natürlich mehr als sonst. Es kommen ja auch noch ein paar schöne Festivals. Einige sind schon klar, andere noch nicht ganz.“

Florian: „Und Lennart bringt ja noch eine Solo-EP raus und ist eh immer irgendwie auf Tour.“

Welche drei Songs außer „Keep Control“ sind bei euren Shows gesetzt?

Lennart: „’Always Something missing’, weil wir den alle drei einfach total mögen.“

Florian: „’Better’, weil die Leute da immer so toll mitsingen.“

Martin: „…und ‘Blame’, alleine schon wegen der Bassline.“

 

Aus den FAZEmag 096/02.2020
Text: Triple P
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