
Seit dem 1. April 2024 ist ein Teil der Legalisierung von Cannabis offiziell beschlossen. Ärzte dürfen liefern, Social Clubs dürfen Abgabestellen betreiben – zumindest theoretisch. In der Praxis aber stolpern viele Clubs über genau das, was eigentlich mühelos geregelt sein sollte: Bürokratiemonster, die alles andere sind als Erleichterung.
In Jena kam ein kleines Drama ans Licht: Ein Cannabis-Club wollte eine Abgabestelle eröffnen, doch das Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum zog die Notbremse. Grund: Der Mindestabstand zu einem Spielplatz werde nicht eingehalten – nur zwei Meter fehlen ihm. Man argumentiert, der gemessene Abstand zur Hausmauer reiche nicht, denn das Gesetz spricht von 200 Metern „zu Spielplätzen“. Für den Verein sind die Maße klar: 201 Meter bis zum Eingang. Doch das Amt misst ab der Hauswand und erkennt nicht, dass es sich beim „Spielplatz“ eigentlich nur um zwei Sitzkugeln und eine Metallstange handelt. Das Resultat: lediglich 198 Meter.
Ein anderer Fall kommt aus Bayern, aus Aschheim: Ein Betreiber eines bestehenden Hanf-Shops wollte einen Vereinsausbau, um Miete zu decken. Die Stadt ließ kurzerhand einen Mini-Spielplatz bauen – zwei Federwippen, ein kleines Häuschen –, direkt auf dem Rathaus-Parkplatz, absichtlich platziert. Schon war der Abstand zu nahe, Punkt; Genehmigung futsch.
Kein Einzelfall
Solche Beispiele sind keine Einzelfälle: In Deutschland wird jedem zehnten Antrag eines Cannabis-Clubs die Erlaubnis verwehrt. Viele beantragen erst, ziehen dann aber zurück, weil Ämter ihnen Steine in den Weg legen. In Thüringen berichten Vereine von Investitionen in Hunderttausenden, die plötzlich wertlos sind, weil ein Kindergarten in der Nähe entdeckt wird oder ein Spielplatz. Und zwar einer, der manchmal kaum mehr als ein Stück Metall und zwei Bänke ist.
Für viele Clubs heißt das: hohe Kosten, großer Einsatz – und am Ende? Absage. Oder Aufgeben. Dabei war das Versprechen der Legalisierung, dass klare Regeln und neue Möglichkeiten entstehen würden. Doch wenn Behörden Spielplätze anders definieren, Abstandsregeln rigoros auslegen oder nachträglich Hindernisse aufbauen, fühlt sich das eher wie ein Power-Move, nicht wie Rechtssicherheit.
Quelle: bild.de
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