Wenn sich zwei DJs zum allerersten Mal auf derselben Bühne begegnen und dann gemeinsam ein B2b-Set spielen … Wenn diese Künstler auch noch aus unterschiedlichen Bereichen der Clubmusik kommen und last, but not least eine ganze Nacht lang abwechselnd ihren Sound performen – dann ist die Rede von „Tables for 2“, der brandneuen Clubtour von Jägermeister. Dieses bis dato noch nie dagewesene Clubkonzept schlägt seit seiner Premiere Anfang Oktober in Hamburg hohe Wellen – da nämlich stand Roman Flügel b2b mit Eclair Fifi auf der Stage und die beiden haben Hand in Hand ein unvergleichliches Set hingelegt. Am 22. November stehen sich dann bei der dritten Ausgabe von „Tables for 2“ zwei absolute Legenden aus dem elektronischen Musikgeschehen gegenüber: DJ Hell aus München und Mathias Kaden aus Gera. DJ Hell ist beheimatet in den Sparten Techno und Electro. Der große Meister des International-Deejay-Gigolo-Imperiums gibt sich die Ehre zusammen mit dem Mann, der für groovigen, pumpenden House-Sound steht: Mathias Kaden. Im Münchener Kult-Club Pacha feiern sie die große Premiere ihres erstmaligen B2b-Zusammentreffens auf einer gemeinsamen Bühne. Wir freuen uns, dass sie mit uns in einem Frage-&-Antwort-Spiel ausführlich über den bevorstehenden Gig geplaudert haben.


2019 neigt sich dem Ende entgegen. Lasst uns das Jahr doch mal kurz Revue passieren.

Mathias: Das Jahr war wieder mal sehr turbulent. Ich habe sehr viel aufgelegt und war in einigen Ländern unterwegs: Spanien, Frankreich, Deutschland, Südamerika, Amerika, Schweiz. Und Libanon kam dieses Jahr auch dazu. Ich bin also sehr zufrieden. Es wird nie langweilig.
DJ Hell: Das Jahr 2019 war sehr intensiv! Bei über 100 gespielten Shows hatte ich trotzdem Zeit, mein Label GIGOLO Records neu aufzustellen, und habe den Rest der Zeit im Studio verbracht für die Produktion meines neuen Albums. Aber bewerten kann ich das alles erst am 31. Dezember!

Am 22. November 2019 spielt ihr erstmals ein B2b-Set, und zwar im Pacha München. Mit Jägermeister feiert ihr ein ganz neues Club-Konzept: Zwei DJs aus unterschiedlichen Genres, die so noch nie miteinander gespielt haben, performen ein gemeinsames Set im Rahmen von „Tables for 2″. Was genau hat euch motiviert, an dieser neuartigen Veranstaltung teilzunehmen?

Mathias: Ich freue mich schon sehr darauf! DJ Hell und ich kommen wirklich aus zwei komplett verschiedenen Genres, was die ganze Sache wirklich superinteressant macht. Ich bin mir sicher, dass wir uns irgendwo treffen. Ich habe dieses Angebot angenommen, weil ich mich einfach sehr darauf freue, mit DJ Hell aufzulegen – und weil es ein spannendes Konzept ist.
DJ Hell: Ich stehe Mathias sehr nahe, was seine Produktionen angeht, und spiele seit Jahren viel von seinen Tracks und Remixen! B2b-Sets sind ja nicht gänzlich neu und meine letzten Erfahrungen mit DJ Tiga beim EXIT Festival und Solomun im Pacha Ibiza waren exzellent.

 

 

Wie kam es generell zur Kooperation mit Jägermeister? Wann kam die Anfrage und wusstet ihr von Anfang an, mit wem ihr b2b spielen werdet?

Mathias: Jägermeister fragte mich, ob ich mit DJ Hell b2b spielen möchte, und da habe ich direkt zugesagt, weil ich ihn schon seit einigen Jahren kenne und als DJ sehr schätze.
DJ Hell: Mit Jägermeister verbindet mich eine jahrelange Partnerschaft, ich kann mich an mindestens fünf Kooperationen erinnern. Für die Auswahl der DJs gab es natürlich eine lange Liste und Mathias „matched“ hier perfekt!

Wann war euer letztes B2b-Set und mit wem?

Mathias: Mein letztes B2b-Set hatte ich auf dem schönen Nachtdigital Festival mit Daniel Stefanik; das war auch eins meiner Highlights dieses Jahr.
DJ Hell: Solomun und Tiga. Oder auch bei diversen Fashion-Shows mit DJ Wolfram Amadeus in Paris.

Was ist die Herausforderung, wenn man mit jemandem performt, der in einem anderen Genre der elektronischen Musik zu Hause ist?

Mathias: Das ist eine sehr schöne Herausforderung, weil mein Genre sehr breit gefächert ist. Mittlerweile ist es House, Techno und Electro. Ich mag wirklich fast alles, ob nun oldschool oder neue Sachen. Sich also auf jemanden einzustellen, bei dem man wirklich nicht weiß, was er spielt, ist total spannend und fordert mich als DJ. Genau so etwas brauche ich.
DJ Hell: Es geht beim Auflegen doch auch darum, immer die passende Antwort zu haben! Ich denke, wir beide haben über die Jahre so viel Erfahrung gesammelt, und das wird im Pacha München zur Geltung kommen.

Was glaubt ihr: Inspiriert man sich gegenseitig, wenn man zusammen auf der Bühne steht?

Mathias: Ich denke schon, dass man sich vor Ort gegenseitig inspiriert, wie auch immer das genau aussehen mag. Wir werden es sehen und ich bin mir sicher, dass es sehr schön wird.
DJ Hell: Wichtig ist immer ein freundschaftlicher Umgang mit den Kollegen. Im Grunde geht’s vor allem darum, den Flow zu halten und auf keinen Fall den Partner bei jedem Song übertreffen zu wollen! Am besten ist es, wenn jeder zwei Songs spielt und man sich dann abwechselt.

Wie werdet ihr euch auf den Gig vorbereiten? Trefft ihr im Vorfeld schon eine Musikauswahl im Rahmen einer Playlist? Oder entscheidet ihr ganz spontan anhand des gerade laufenden Tracks, mit welchem Titel ihr dann nachlegen werdet?

Mathias: Ob ich mich konkret auf den Gig vorbereite, weiß ich noch nicht, aber ich werde sicherlich noch ein paar Platten und generell Musik durchhören und dann mit dem Repertoire, das ich dabei habe, versuchen, einen super Abend mit DJ Hell zu gestalten. Ich denke, das wird an diesem Abend alles spontan entstehen. Irgendwie möchte man sich bei so etwas ja auch selbst überraschen.
DJ Hell: Wir werden sicher vorab darüber sprechen und uns auf eine Formel einigen.

Warum sollten die Leute am 22.11.2019 ins Pacha kommen?

Mathias: Um bei diesem seltenen Highlight live dabei zu sein und Mathias Kaden und DJ Hell back-to-back spielen zu sehen!
DJ Hell: Why not?!

Die Szene ist groß und dennoch überschaubar. Gab es bereits Berührungspunkte, seid ihr euch schon einmal über den Weg gelaufen oder habt sogar mal nacheinander auf dem gleichen Floor ein Set gespielt?

Mathias: Berührungspunkte gab es bis jetzt nicht unbedingt. DJ Hell hat 2018 auf dem Bayou Festival in Erfurt nach mir aufgelegt, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir in den letzten 20 Jahren mal auf dem gleichen Floor gespielt haben. Und wenn, dann sicher nicht nacheinander.
DJ Hell: Greenfields schon ein paar Mal. Und diverse Festivals weltweit.

Ihr seid beide „alte Hasen“, was das Musik- und Club-Business angeht. Wenn ihr 20 Jahre zurückblickt, hat es sich eurer Meinung nach zum Positiven oder eher zum Negativen gewandelt?

Mathias: In den letzten Jahren hat sich wirklich sehr viel geändert, aber ich sehe das Ganze sehr positiv. Nicht nur die musikalische Entwicklung der Szene, sondern auch die Musikstile, die sich dadurch entwickelt haben, sind auf jeden Fall eine Bereicherung. Negativ sehe ich eher, dass es ein Überangebot an Partys gibt und die Leute etwas partymüde werden. Man kann sich kaum entscheiden, wohin man gehen soll, weil es an fast jeder Ecke eine Veranstaltung mit elektronischer Musik gibt. Ansonsten bin ich mit allem zufrieden. Sicherlich kann man immer sagen, dass früher alles besser war, aber so denke ich nicht. Man muss schon mit der Zeit gehen, sonst macht man sich verrückt und sollte vielleicht gleich aufhören.
DJ Hell: Ich bin ja schon aus der Zeit gefallen und in 20 Jahren ungefähr 77 Jahre alt! Den weltweiten Siegeszug von Techno und House bzw. der Clubkultur und elektronischen Festivals konnte so niemand voraussagen! 2039 schreibe ich meine Biografie und arbeite an neuen Kooperationen.

Könnt ihr euch noch an euren ersten oder einen eurer ersten Auftritte erinnern?

Mathias: Der erste Auftritt, an den ich mich erinnern kann, war 1996 in meiner Heimatstadt Gera. Da habe ich in einem Club aufgelegt, der X-Cite hieß und in dem ich für zwei Stunden eingeplant war. Letztendlich kam der DJ nach mir nicht, sodass ich die ganze Nacht, ca. sechs Stunden, mit 20 oder 25 Platten aufgelegt habe. Durch solche Abende habe ich das Auflegen dann eben auch gelernt.
DJ Hell: Das war Ende der 70er-Jahre. Punk, New Wave und Ska waren die bestimmenden Musikgenres.

Wo werdet ihr an Weihnachten und wo an Silvester sein?

Mathias: Weihnachten mache ich – seitdem ich Papa geworden bin – immer frei. Denn diese Zeit gehört wirklich komplett der Familie. Silvester bleibe ich dieses Jahr ausnahmsweise auch mal in Gera, wo ein Freund eine große Silvester-Party organisiert, da habe ich zugesagt.
DJ Hell: Nothing planned yet.

Wie sehen eure Pläne für 2020 aus?

Mathias: Meine Pläne für 2020 sind natürlich, weiterhin Musik zu produzieren und viel aufzulegen, fit zu bleiben und die Kraft zum Reisen zu haben. Und das Allerwichtigste: niemals den Spaß zu verlieren!
DJ Hell: Neues Album und neue Tour.

Ganz spontan:

Vinyl oder Laptop? Mathias: Vinyl – DJ Hell: USB
Ambient oder Goa? Mathias: Auf jeden Fall Ambient – DJ Hell: Techno
Club-Gig im Winter oder Festival-Show im Sommer? Mathias: Festival-Show im Sommer – DJ Hell: Clubs im Sommer
Wiener Schnitzel oder Sushi? Mathias: Sushi – DJ Hell: Schnitzel

Bitte nennt uns noch eure aktuellen Top 5.

Mathias Kaden:
1: Spencer Parker – You’re Under My Control Now (Radio Slave Remix) (Rekids)
2: Seb Zito – 10am At Fuse (Fuse)
3: Märtini Brös – Babyhaze (Mathias Kaden’s Biox Ultra Remix) (Poker Flat)
4: Loco Dice – Roots (DJ Tennis Remix) (DESOLAT)
5: Mathias Kaden – Square (PETS Recordings)

DJ Hell:
1: DJ Hell – Wild At Art (International Deejay Gigolo)
2: T-Raum – Nuclear Gravity (International Deejay Gigolo)
3: T-Raum – Exit (International Deejay Gigolo)
4: DJ Hell – Wild At Art (Blacktik Remix) (International Deejay Gigolo)
5: Raxon – Dream Space (Drumcode)

www.jaegermeister.de


Aus dem FAZEmag 093/11.2019
Text: Torsten Widua
Foto DJ Hell: Sven Marquardt
Foto Mathias Kaden: Rene Buschner