Marc DePulse – Aus dem Leben eines DJs: Der DJ als Entertainer

Marc DePulse – Aus dem Leben eines DJs:
Der DJ als Entertainer


Musik produzieren und damit Geld verdienen? Dafür muss man schon vieles richtig machen beziehungsweise in einschlägigen Branchen aktiv sein. Natürlich spielt man als Musiker seine Monatsmiete heutzutage über die Auftritte ein. Aber auch hier hat man schnell die Grenzen erreicht, denn einfach nur gut auflegen reicht schon seit vielen Jahren nicht mehr aus. Der moderne Künstler ist ein Gesamtpaket aus Musikproduzent, Labelbetreiber, Veranstalter, Marketing-Profi, Blogger, Entertainer und, ach ja, DJ.

Für das Gelingen eines Auftritts ist zu 90 % maßgeblich, was vorher passiert. Denn da entscheidet sich, ob überhaupt jemand die Party besucht, auf der man spielt. Für die moderne Welt der sozialen Netzwerke ist man vor allem eins: ein Entertainer. Der Begriff hört sich vermutlich aufregender an, als er wirklich ist – denkt man doch sofort daran, wie man sich mit seltsamen Kostümen oder Masken auf der Bühne zum Affen macht oder mit dem Mikrofon in der Hand den Stimmungs-Steffen mimt.
Dabei geht es doch am Ende nur darum, wie man seine Fans richtig an die Hand nimmt, und dafür muss man gar nicht als Entertainer geboren sein. Vor allem solltest du authentisch sein, denn das Produkt, das du verkaufen möchtest, bist du als Künstler – mit deiner Musik, mit deiner Performance. Und es dient schließlich auch nur einem Zweck: du möchtest gebucht werden.

Diese Form des Entertainments spielt sich größtenteils außerhalb deiner Playtime ab. Schwimm mit dem Strom oder geh unter. Wer sich der modernen Netzwerke nicht bedient, verschwindet schnell vom Bildschirm der Feierleute und damit auch vom Horizont derer, die Jahr für Jahr die wichtigen Line-ups zusammenstellen.
Entertainment beginnt also vor allem im Netz. Dazu gehört, dass man sämtliche der von der jungen und auch älteren Generation genutzten Kanäle mit Inhalt füllt und sie sorgsam pflegt. Sei es mit neuen Releases, Podcasts, Tour-Fotos, Videos der letzten Gigs, Livestreams, Gewinnspielen, einem Tech-Talk, Lieblings-Tracks der Woche, Blogs etc.
Wichtig ist auch, sich dabei inhaltlich auf das Wesentliche zu beschränken. Im Musiker-Dasein sollte das möglichst die Musik sein, die man macht. Mit anderen Worten: politische Grundsatzdiskussionen oder Familienfotos führen nicht dazu, dass man als Künstler wahrgenommen wird, sondern eher als Privatperson. Das macht sogar den Eindruck, als könnte man nur noch punkten, wenn man seine hübschen Kids zeigt. Oder DJanes: schön, dass ihr schön seid. Aber wollt ihr nur deswegen gebucht werden? Inhalte sind wichtiger als Make-up. Zumindest wünsche ich mir das.

Natürlich kommt es gut und interessant rüber, wenn man Bilder von sich im Studio veröffentlicht oder kurz vor dem Wochenende ein Selfie aus der Plattensammlung online stellt. Dies aber in regelmäßigen Abständen zu wiederholen, kann schnell langweilen. Der König möchte schließlich amüsiert werden und jeder einzelne Fan ist quasi ein kleiner Like-König. Man selbst ist als Hofnarr nur so lange gut, wie man abliefern kann. Ganz ohne Maske und Kostüm.

Gute Unterhaltung ist eine Frage der Qualität, nicht der Quantität. Zu viel Interaktion kann überfluten, zu wenig davon lässt dich schnell in Vergessenheit geraten. Das Geheimnis liegt in der ständigen Präsenz, ohne dabei auf die Nerven zu gehen. Im Handumdrehen stellt man fest, dass man längst zum Entertainer geworden ist, ohne dass man es überhaupt wollte.
Die Quintessenz bleibt: Beugt euch nicht zu sehr den Trends, macht nicht immer jeden Mist mit, sondern stellt euer Tun und Schaffen in den Vordergrund. Nur wer sich selbst verwirklicht und dabei Grenzen überwindet, bleibt dauerhaft im Gedächtnis der Menschen. Kreativität auf allen Ebenen sollte man unabhängig von den sozialen Netzwerken immer leben, denn Kunst wird immer Kunst bleiben, egal was passiert. Innovation schlägt Imitat, Herz und Verstand finden ein gesundes Mittelmaß. Entertainment wie es schon immer war. Nur moderner.

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