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Adrian Wöllhaf und Samuel Gmür aka Samy Jackson und Adrian Flavor genießen in ihrer Heimatstadt Zürich Kultstatus. Mit ihrer im Hive stattfindenden Nacht „Rakete“ zündeten sie förmlich über Nacht gen Rest Europa, um auf Stil vor Talent ihre musikalische Basis zu finden. 2008 debütierten sie mit „Talk Show“ auf einer Various Artists-EP auf dem von Oliver Koletzki geführten Imprint. Im Jahr darauf folgte die erste eigene EP an selber Stelle sowie ein Release auf dem neu gestarteten Label des Stammclubs Hive. Im Laufe der Zeit gesellten sich Labels wie Katermukke oder Poker Flat zur Diskografie hinzu. Dieser Tage erscheint mit „Wide“ nun das Debütalbum von Animal Trainer. In Balance zwischen – wie sie es nennen – „tighten Dancefloor-Grooves, verspielten Hooks und einer ordentlichen Portion Pop“. Stehen solch profane Aussagen in nahezu jeder Pressemitteilung, gelingt es nur wenigen, diese auch mit Inhalt zu füllen. Animal Trainer ist es mit den insgesamt 13 Tracks gelungen, unter denen es Kollaborationen mit Jan Blomqvist, Natasha Waters, Annek, Jimi Jules und Otoridia zu verzeichnen gibt. So zielt der Fokus nicht allein auf den Dancefloor, sondern stattet verschiedenen Gefilden wie Pop und Downtempo einen ehrenwerten Besuch ab. In diesem Monat mixen die beiden sympathischen Recken den offiziellen FAZEmag Download-Mix.


In diesem Jahr feiert ihr euer achtjähriges Bestehen. Was waren die Höhen, was die Tiefs in dieser Zeit?
Sammy: Wahnsinn, schon acht Jahre!? Für uns beide ist dies die längste Beziehung in unserem Leben – außer die zu den Eltern und Geschwistern. Hochzeit, Scheidung, kleinere bis größere Geschlechtskrankheiten, Umzüge, Krankenhausbesuche, Verhaftungen inkl. Ausnüchterungszelle, verpasste Boote, Flüge und Gigs, an Orten aufwachen und nicht wissen wo bzw. wer man ist und diverse weitere Eskapaden sind uns in den vergangenen Jahren passiert. Schlussendlich liegt das Geheimnis darin, dies immer mit Humor und maximal guter Laune zu meistern. Wir haben in den acht Jahren unglaublich viele unglaublich gute Gigs spielen dürfen. In kleinen Kellern sowie auf ganz großen Bühnen.
Adrian: Wir durften mit wahnsinnig guten Produzenten und Musikern zusammenarbeiten und stehen zum Teil mit unseren Idolen auf dem selben Flyer – und das auf beinahe allen Kontinenten und in Ländern, in die wir ohne die Musik niemals gekommen wären. Wir wissen, das klingt auswendig gelernt und Standard, ist aber tatsächlich geil. Als wir angefangen haben, dachten wir nie im Leben daran, mit unserer Leidenschaft so weit zu kommen. Natürlich hat uns Oliver Koletzki mit Stil vor Talent und der ganzen Posse dahinter sehr dabei geholfen. An dieser Stelle also nochmal ein großes High Five nach Berlin.

Ihr spielt in den seltensten Fällen allein. Vielmehr seit ihr ständig zu zweit zu sehen. Was mögt ihr am anderen am liebsten, was am wenigsten?
Adrian: Wir lieben und hassen eigentlich alles am anderen. Manchmal auch gleichzeitig!
Sammy:  Wir unterstützen uns tatsächlich in jeder Lebenslage. Auch wenn es mal kracht – durch Dick und Dünn gilt es zu gehen. Wenn man sich mit den Gegebenheiten bzw. dem anderen auseinandersetzt, kommt man stets weiter. Das ist wie in einer gut gepflegten Beziehung.

Eure Beziehung erlebt aktuell ein wahres Highlight. Mit „Wide“ feiert ihr euer Debütalbum auf Stil vor Talent. Wie lange habt ihr für die Produktionen gebraucht?
Sammy: Das ist schwer zu sagen. Wir haben diverse Skizzen gesammelt – über Monate hinweg. Ein paar Lieder sind zwischendurch und andere in der heißen Endphase entstanden. Rückblickend würden wir es wieder genau so machen. Musik machen – ohne Konzept, einfach machen.
Adrian: Man sagt ja auch so schön: Für das erste Album hat man sein ganzes Leben Zeit, spannend wird es dann beim zweiten. Es war uns wichtig, ein vollkommenes Produkt herauszubringen. Daher auch der Titel. Mit ‚Wide‘ möchten wir zeigen, dass es uns auch neben dem Dancefloor gibt und wir keinerlei Scheuklappen aufsetzen. Unser Sound ist vielseitig. Da das aber viele von sich behaupten, war unser Anspruch sehr hoch.

Erzählt uns etwas über die Kollaborationen mit Jan Blomqvist, Jimi Jules, Natasha Waters, Annek und Otoridia.
Adrian: Mit Jan Blomqvist arbeiten wir sehr gerne zusammen. Wir durften den Remix zu „Big Jet Plane“ für ihn auf Dantze machen. Seitdem wussten wir, dass wir mal wieder was zusammen machen wollen – schließlich ist dieser Remix zu einen unserer Hits avanciert und ein Alltime-Favorite in unseren Sets. Vor allem bei Sonnenaufgang oder Openair. Jimi Jules ist ein absolutes  Ausnahmetalent. Er produziert, singt und spielt diverse Instrumente. Zudem ist er auch ein ziemlich cooler DJ. Wir haben das Glück, dass er Resident im Hive Club ist. Mit ihm arbeiten wir auch bei unserem kleinen Label Hive Audio zusammen. Bei Natasha Waters haben wir uns vorab unsterblich in ihre Stimme verliebt und wollten unbedingt eine Nummer mit ihr machen. Wir kannten sie von ihrem eigenen Projekt „Kalte Hand“, das sie mit einem Freund betreibt.
Sammy: Annek hat auf einem Remix von uns für Karera gesungen, der uns sehr gefallen hat. Mittlerweile sind wir sehr gute Freunde geworden. Otorodia heißt eigentlich Klaus und ist ein ziemlich geiler Typ aus Zürich. Wir haben schon mal mit ihm für einen Track zusammengearbeitet , und das hat super gepasst. Bei dem Stück mit ihm haben wir viel Whisky getrunken und anschließend ins Studio gegangen. So sind Instrumente live und in volltrunkenem Zustand aufgenommen.

Wer von euch beiden ist im Studio für welchen Part verantwortlich?
Adrian: Ideen entstehen bei uns immer auf Ableton. Wenn es dann ernst wird, ziehen wir die Midi-Spuren und die paar Samples in Logic hinein und fangen im Studio damit an, unseren Gerätepark zu integrieren. Es ist einfach cooler, wenn du noch eine Gitarre aufnehmen kannst oder halt einen richtigen Synthesizer wie den Roland Juno 60 verwendest. Auch den Moog Voyager nutzen wir gerne und oft. Unsere Geheimwaffe, die zugegebenermaßen nicht sehr geheim ist, ist die DIVA von Urs Heckmann. Wir haben einfach noch nie einen Software-Synth gehört, der so unglaublich fett und analog klingt! Kurzum: Eigentlich haben wir keine richtige Zuweisung von Aufgaben. Animal Trainer bedeutet im Studio immer etwas Durcheinander – fernab von jeglichem Schema-F. Wenn dann irgendwann alles so ist, wie es sein soll, beehren wir Bonvay von Round Table Knights im Studio. Er mischt für uns alles ab.

Im Hive Club führt ihr eure eigene Reihe Rakete und habt damit erst kürzlich den Swiss Night Life Award gewonnen. Wie schafft man den Spagat zwischen DJ-Karriere, Studio und Veranstalter-Dasein?
Sammy: Das ist ehrlich gesagt oftmals eine ziemlich schizophrene Situation, weil wir die Sachen von allen Seiten sehen – je nachdem, was gerade ansteht. Wir sind in einem Moment Booker, Raver, Gast oder Veranstalter und im nächsten schon wieder Künstler. Wichtig ist uns allen bei der Rakete, dass wir unseren Gästen qualitativ hochwertige Musik bieten und ausgefallene Dekorationen präsentieren. Ohne unseren Partner Luke Dyer-Smith wäre dies alles aber gar nicht realisierbar. Er hält oftmals die Zügel in der Hand und sorgt mit seinem Überblick für einen reibungslosen Ablauf. Auch der Background des Hive Clubs ist und bleibt unabdingbar. Ihre Unterstützung war uns immer immens wichtig. Unsere Ideen sind in der Regel hochgradig hirnverbrannt und kosten uns eine Menge Geld – dennoch sind sie geil. Das Geld ist uns bei dieser Geschichte nicht das Wichtigste. Es geht ganz klar um den Fun und unsere Gäste. Jeder soll einfach eine unglaublich gute Zeit haben. Diese Veranstaltungsreihe führen wir nun auch schon seit acht Jahren einmal im Monat. Im Sommer brechen wir auf, um diverse kleinere Openairs zu veranstalten. Unser erster offizieller Gig als Animal Trainer auf der Rakete ist nun kommenden Sommer genau acht Jahre her.

Man kann also sagen, dass eure DJ-Karriere mit der Party gestartet und gewachsen ist?
Adrian: So ist es. Wir hatten in den acht Jahren über 100.000 Gäste, und wir sind unheimlich stolz, ein richtig tolles Stammpublikum zu haben. Auch die Künstler die wir in den acht Jahren bei uns hatten, waren ausnahmslos richtig gut und haben verstanden, um was es hier eigentlich geht.

Die erste Auskopplung des Albums nennt sich „Walk/Shane“, beinhaltet neue Remixes von Oliver Koletzki, Oliver Schories und Zombie Disco Squad und ist bereits Mitte Februar erschienen. Welche Single-EPs sind nun geplant?
Adrian: Die zweite Single-EP wird „Pollen“ und „Keep Control“ feat Jan Blomqvist sein. Remixes kommen dabei von Monkey Safari und Jonas Mantey. Wir freuen uns wahnsinnig! Wir hoffen schon, dass das Album auch etwas Nachhaltigkeit bringt, was ja in unserer Zeit leider nicht an der Tagesordnung ist. Sollte es floppen, haben wir immer noch die Möglichkeit, Vollzeitraver oder Alkoholiker zu werden (lacht). Aber wir haben aktuell unser neues Studio bezogen, in dem es noch einiges zu tun gibt, damit aus einer Baustelle mal ein ordentlicher Arbeitsplatz wird. Stand jetzt haben wir bereits ein paar neue Ideen auf dem Schirm bzw. dem Rechner.

Sowohl „Wide“ als auch zahlreiche Releases aus der Vergangenheit erscheinen auf Stil vor Talent. Wie ist die Zusammenarbeit mit Oliver Koletzki und dem Team?
Sammy: Total wunderbar und entspannt. Oli hat uns – bis dato – nie zu etwas gezwungen oder irgendwo hineingedrückt. Er arbeitet mit uns sehr selbstlos, und wir haben bis heute noch keinen Vertrag oder etwas, was uns an das Label binden würde. Wir sind sehr gerne bei Stil vor Talent und immens froh über diesen Zustand. Bei SVT haben wir die Freiheit, auch mal etwas auszuprobieren, das eventuell nicht zu 100% auf den Dancefloor geschneidert ist. Das finden wir schön. Den ganzen Background mit Slawi, Friedrich und Chris finden wir sehr cool und professionell, und mit allen anderen Künstler haben wir immer eine sehr geile Zeit. Und auch wenn wir nicht in Berlin wohnen, werden wir stets wie Zuhause empfangen – nur, dass wir immer wesentlich mehr zu erzählen haben.

Nun, wo das Album auf dem Markt ist … was wartet in 2014 auf euch?
Sammy: Endlich wieder mehr Sex und eine richtig krasse Bikinifigur für den anstehenden Sommer…

FAZEmag DJ-Set #25: Animal Trainer – ab sofort und exklusiv bei iTunes:

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Animal Trainer veröffentlichen Debütalbum “Wide” (Stil vor Talent)
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