
Wer heute junge Menschen erreichen möchte, kommt an sozialen Medien und modernen Technologien heutzutage kaum noch vorbei. Genau das dachte sich offenbar auch die Strafvollzugsbehörde in Hongkong und setzte für ihre neueste Anti-Drogen-Kampagne auf künstliche Intelligenz. Heraus kam ein komplett KI erstellter Song inklusive Musikvideo, der vor den Gefahren von Drogen warnen soll.
Die Idee klingt zunächst gar nicht schlecht. Statt trockener Broschüren oder erhobenem Zeigefinger gibt es einen eingängigen Popsong mit modernen Bildern und einer klaren Botschaft: Drogen sind keine gute Idee. Nur leider konzentrierte sich das Publikum weniger auf die Botschaft als auf die Umsetzung.
Vor allem die künstlich wirkenden Figuren, die ungewöhnlichen Animationen und der insgesamt etwas steife Stil des Videos sorgten in den sozialen Netzwerken für reichlich Kommentare. Viele Nutzer machten sich über das Musikvideo lustig oder teilten es ausgerechnet deshalb weiter. Aus einer Präventionskampagne wurde so unfreiwillig ein Gesprächsthema – wenn auch nicht unbedingt auf die erhoffte Weise.
Das eigentliche Problem offenbarte sich nämlich erst beim genaueren Hinsehen. Die warnenden Botschaften tauchten erst nach rund 50 Sekunden auf. Bis dahin erinnerte das Video eher an einen farbenfrohen Werbespot als an eine Kampagne gegen Drogen. Viele Nutzer bezweifelten deshalb, dass die meisten Zuschauer überhaupt lange genug dranbleiben würden, um die eigentliche Botschaft zu hören.
Die Behörden reagierten und veröffentlichten eine überarbeitete Version. Darin verwandelten sich die jungen Frauen bereits nach kurzer Zeit in alte Menschen, um die negativen Folgen des Drogenkonsums zu verdeutlichen. Doch auch dieser zweite Anlauf verlief nicht ganz nach Plan. Ausgerechnet die Erzählstimme verkündete versehentlich, dass der Besitz und Handel mit Drogen nicht mit Gefängnisstrafen geahndet würden. Also genau das Gegenteil dessen, was eigentlich vermittelt werden sollte.
Künstliche Intelligenz macht nur das, was man ihr sagt
Die künstliche Intelligenz hat aber streng genommen gar nichts falsch gemacht. Sie hat genau das geliefert, was von ihr verlangt wurde. Dass das Internet jedes Detail analysiert und schon die kleinste merkwürdige Bewegung einer Figur zum Meme werden kann, lässt sich schließlich nur schwer programmieren.
Trotz der vielen scherzhaften Reaktionen verfolgt die Kampagne ein ernstes Ziel. Die Behörden wollen insbesondere junge Menschen auf die Risiken von Drogen aufmerksam machen und dafür neue Wege gehen. Dass dabei auf künstliche Intelligenz gesetzt wird, zeigt, wie sehr sich auch staatliche Stellen an moderne Kommunikationsformen anpassen möchten.
Ob der Song sein eigentliches Ziel erreicht, bleibt allerdings zu bestreiten. Aufmerksamkeit hat die Kampagne zweifellos bekommen. Nur erinnern sich viele Menschen derzeit eher an die etwas skurrilen KI Animationen als an die eigentliche Warnung vor Drogen.
Vielleicht liegt genau darin die größte Herausforderung für künstliche Intelligenz: Einen Song zu schreiben ist inzwischen kein Problem mehr. Dafür zu sorgen, dass die Botschaft am Ende lauter ist als die Kommentare darunter, scheint dagegen noch eine Aufgabe zu sein, an der nicht einmal eine KI so einfach vorbeikommt.
Quelle: watson.ch
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