Booking United hat sein Revival angekündigt. Die Initiative und Interessengemeinschaft aus der Musikwirtschaft für Agenturen, Künstler-Tourneen, DJs und Live-Auftritte feiert ihr Comeback mit einem neuartigen Konzept, das die Existenz und Sicherheit der Branche während der Corona-Krise (und natürlich darüber hinaus) sichern soll.

Um den (für die Branche so wichtigen) Neuanfang realisieren zu können, ist man nun auf (finanzielle) Unterstützung angewiesen, die über die bisherigen Maßnahmen von Bund und Ländern hinaus geht. Um was für eine Form von Unterstützung es sich hierbei genau handelt, erfahrt ihr aus dem Forderungskatalog, der über diesen Link abrufbar ist. Hier erhaltet ihr auch generelle Informationen zur Initiative.

Wir haben Patricia Weil von Booking United gesprochen und für euch die wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem, für die Aufrechterhaltung der Szene, essentiellen Projekt zusammengetragen:

Ihr habt euch dazu entschlossen, Booking United wieder aufleben zu lassen. Warum habt ihr die Entscheidung erst jetzt, bzw. zu diesem Zeitpunkt getroffen? 

Wir befinden uns in einer der größten Krisen, die unsere Welt je erlebt hat und es gibt viele Fragen und Sorgen. Unsere Szene ist besonders stark betroffen und wir wissen nicht, wann und ob jemals wieder Normalität zurückkehren wird. In ganz Europa gibt es keinen Verband, der sich speziell für unsere Künstler – die DJs und Live-Acts – einsetzt. Es gibt keine kulturelle Förderung, da wir nicht in kulturellen Institutionen arbeiten. Zugegeben, es gab ein dreimonatiges Hilfspaket. Dieses läuft jedoch Ende Mai aus und eine Aussicht auf Arbeit liegt bei uns in weiter Ferne. Deshalb haben wir beschlossen, uns wieder zu vereinen, auf uns aufmerksam zu machen und Unterstützung einzufordern.

Booking United wird sich nur auf Künstler beziehen, die in Deutschland gemeldet sind. Warum?

Booking United ist eine Plattform, die sich für alle Künstler und Agenturen stark macht und sich mit Fragen rund um unser Geschäft auseinandersetzt. Hier möchten wir nicht begrenzt denken oder handeln. Bezüglich der Corona-Krise und der Frage nach finanzieller Unterstützung konzentrieren wir uns auf in Deutschland ansässige Künstler und Agenturen, da wir selbst hier leben, unsere Steuern hier zahlen und Kontakte zur Politik und Presse pflegen. Gleichzeitig arbeiten wir aber auch schon daran, das Ganze europaweit auszuweiten – wir haben ja unsere Europäische Union, welche wir auch um Unterstützung bitten können. Hier wären dann allerdings nur Künstler und Agenturen, die in der EU ansässig sind, involviert. Wie solche Förderungen in Großbritannien, Amerika oder Asien aussehen könnten, liegt außerhalb unserer Erfahrung und Information. Aber vielleicht können wir unsere internationalen Kollegen ja dazu motivieren, es uns gleich zu tun.

Welche langfristige Intention verfolgt ihr mit der Reaktivierung des Projektes? 

Booking United ist ein Verbund, bei dem Fragen zusammenlaufen und gemeinsam beantwortet werden können. Zusammen ist man stärker als allein. Viele Dinge kann man deshalb ganz anders angehen und umsetzen. Wenn man knapp 100 Agenturen und über 1000 Künstler (allein in Deutschland) im Rücken hat, stößt man vielleicht eher auf Gehör, als wenn jeder für sich etwas verändern möchte. Bei unserer Arbeit, auch speziell mit dem Finanzamt, gibt es viele Grauzonen, zu denen man sich austauschen kann. Oder nehmen wir beispielsweise den Umgang mit der Umbuchung von bestehenden Bookings – es gibt viel zu tun.

Welche Änderungen wird es im Vergleich zu früher geben? Was wird besser gemacht? 

Das Volumen des Booking-Marktes hat sich in den letzten zehn Jahren vervierfacht, wenn nicht verfünffacht. Wir waren damals eine sehr kleine Gemeinschaft, bestehend aus fünf Agenturen, die damit beschäftigt war, ihre Künstler nicht an England zu verlieren und als gleichwertige Agentur auf dem Weltmarkt wahrgenommen zu werden. Heute haben sich auf einen Schlag fast 100 Agenturen in Deutschland zusammengetan und es gibt andere Themen, denen wir uns widmen wollen. Mit Juliane Ledger und Markus Nisch haben wir einen großartigen Vorstand. Hinzu kommt die wunderbare Anja Schneider als DJ-Sprecherin. Wir haben eine Website, eine riesige Agentur und somit auch Künstlerverteiler. Wir gehen mit der Zeit und arbeiten mit Zoom und GoToMeeting – dadurch können wir völlig unkompliziert mit 30 Agenten gleichzeitig sprechen und effektiv Dinge umsetzen. Aktuell besteht ein großes Gefühl des Miteinanders – das ist sehr schön.

Wie stehen eurer Meinung nach die Chancen, dass ihr den gewünschten Support erhaltet?

An dieser Stelle möchten wir noch einmal auf unseren Forderungskatalog aufmerksam machen. Er ist über unsere Homepage www.booking-united.org einsehbar und bietet alle notwendigen Informationen zu unseren Wünschen und unserem Vorhaben im Allgemeinen. Die Chancen auf Unterstützung schätzen wir als sehr hoch ein. Gerade die “Men- und Women-Power”, die wir aktuell im Rücken haben, beschert uns gute Karten. Es wird Zeit, dass wir als Kulturschaffende wahrgenommen werden und auch als solche geschätzt werden. Wir vereinen friedliche Menschenmassen und kurbeln maßgeblich die Wirtschaft mit an. Unser Herz sitzt am rechten Fleck und deshalb verdienen wir es auch, unterstützt zu werden.

 

 

www.booking-united.org

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