Dixon


Die weltweite Clubkultur wird zunehmend konservativer. Das zumindest behaupten die Kollegen von Thumb, die den erneuten Erfolg von Dixons Top-Ranking als Diskussionsgrundlage nehmen. Jeff Mills kontert und stellt diese Behauptung als absoluten Humbug dar.

Dixon hat es erneut geschafft. Zum vierten Mal in Folge belegt er die Top-Position beim jährlichen Resident-Advisor-Ranking. Erneut wurde er von den Lesern der Plattform zum besten DJ weltweit gewählt. Inwiefern derartige Rankings ernst zu nehmen sind und inwiefern man ihnen vertrauen sollte, dass mag jeder für sich entscheiden. Schließlich bleibt Musik und der damit verbundene Geschmack subjektiv.

Eine Diskussion lösen die jährlichen Rankings hingegen immer wieder aus. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis sich ein Magazin der Sache annimmt und auch den anscheinend immer wieder bestätigten Erfolg eines einzelnen DJs als Diskussionsgrundlage nimmt sich über die Clubkultur zu echauffieren. Zu konservativ sei diese geworden, behauptet zumindest thump-Autor Josh Baines.

In seinem Artikel „Dixon and the Rise of Conservative Club Culture“ schreibt er, „es ist nicht falsch an Dixon. Er ist ein absolut feiner DJ. Wenn du in der Stimmung für tief gefühlvollen House à la Kompakt in ihren romantischsten Zeiten bist, dann ist Dixon die sicherste Wahl. Aber im weiteren Kontext ist Dixon zu einem komfortablen, sicheren, schwunglosen und mühseligen Repräsentanten der Clubkultur geworden. Er ist das DJ-Equivalent zu verdauungsfördernden Keksen, gesalzenen Chips und einem perfekt servierten Steak ohne Sauce geworden.“

Im weiteren Verlauf behauptet Baines im Grundsatz, dass das Ausgehverhalten sich in sofern geändert hat, dass Menschen hauptsächlich einen Fluchtweg aus gesellschaftlich unstabilen Situationen suchen. Dass damit die „sicheren DJs“ die einfachsten wären, denn man weiß, was man bekommt. In diesem Sinne bemängelt er, das zu wenig Abwechslung stattfindet. Ein Argument, das quasi jedes Jahr in irgendeiner Kolumne dieser Welt zum Vorschein gebracht wird, um eine Diskussion zu erzeugen.

Dieser Diskussion nimmt sich auch Jeff Mills an, der als einer der wenigen Prominenten der Szene den Artikel mitsamt dem Autor kritisiert. Er nimmt den seit mehr als 20 Jahren im Geschäft befindlichen DJ und Produzenten in Schutz: „Du kannst gar nicht begreifen wie viele Tausende an Stunden er im Studio und Unterwegs investiert hat. Hör dir seinen Remix von Mathew Jonsons ‚Level 7‘ an und erzähl mir, dass sei ’sicher'“.

Was Jeff Mills jedoch am meisten stört, ist des Autors Bezug auf die Hautfarbe und dem erneuten Vorwurf, Ranglisten würden immer von Weißen dominiert. „Menschen sollten sich nicht darum kümmern, ob jemand im Club weiß, schwarz oder lila ist. Und ein Studio interessiert es erst recht nicht, welche Hautfarbe du hast“, kontert er und will dem Argument den Wind nehmen.

Ob man sich mit den Argumenten des Autors nun anfreunden kann oder nicht, der Artikel bringt erneut eine kontroverse Diskussion ins Rollen. Man mag einzelnen Passagen zustimmen oder es auch sein lassen. Eine Leseempfehlung, ob nun im positiven oder negativen Sinne, ist es auf jeden Fall, auch dank dem Konterargument von Jeff Mills im Kommentarbereich.

Und da es so schön ist, mit einem Zitat zu enden:
„The same procedure as last year, Miss Sophie?“
„The same procedure as every year, James.“

Den gesamten Artikel findet ihr bei thumb (auf Englisch):
thump.vice.com/en_uk/article/dixon-and-the-rise-of-conservative-club-culture

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