Das Kleine Nachtpfauenauge ist mit einer Flügelspannweite von bis 8,5 Zentimeter einer der größte Nachtfalter unserer Gefilde. Der farbenprächtige Falter wurde jüngst zum Schmetterling des Jahres 2012 gewählt. Seinen Namen verdankt das Nachtpfauenauge seinen vier ausgeprägten augenähnlichen Flecken auf den Flügeln. Mit diesen Augenflecken können sie Feinde abschrecken. Öffnet das Nachtpfauenauge schlagartig seine Flügel, schaut der verdutzte Fressfeind urplötzlich in riesige, furchteinflößende „Augen“ und ergreift die Flucht. Die Flügel der Männchen sind kontrastreich orange, weiß, schwarz und meist auch rosa gefärbt. Die Weibchen sind unauffälliger gräulich, aber deutlich größer als die Männchen.

Erwachsene Nachtpfauenaugen nehmen keine Nahrung auf, sie haben noch nicht mal funktionsfähige Mundwerkzeuge. Daher leben die Falter nach ihrem Schlüpfen auch nur wenige Tage, in denen sie sich fortpflanzen müssen. Um sich rasch zu finden, sendet das Weibchen spezielle Sexuallockstoffe aus, welche das Männchen mit seinen riesigen, antennenartigen Fühlern kilometerweit wahrnehmen kann. Die Männchen sind tagaktiv, im Gegensatz zu den nachtaktiven Weibchen. Da die Weibchen tagsüber nur sitzen und nicht davonfliegen, ist ihre Ortung nur eine Frage der Zeit.

Nur als Raupe nimmt das Nachtpfauenauge Nahrung auf und lebt als Falter von diesen Fettreserven. Die Entwicklung vom Ei bis zur Verpuppung der Raupe dauert etwa 10-12 Wochen. Vor der Verpuppung spinnen die Raupen einen sehr festen, braunen und eiförmigen Kokon. Am einen Ende ist eine Reuse aus starren Borsten hinter einer runden Öffnung platziert. Durch diese können Feinde nicht eindringen, die fertig entwickelten Falter aber leicht schlüpfen. Die Puppen überwintern bis zum folgenden Frühjahr. Einige Puppen benötigen auch zwei Winter bis zum Schlupf. Diese werden auch „überliegende“ Puppen genannt und sichern so raffinierterweise den Fortbestand der Art, falls einmal die gesamte Jahres-Population durch Krankheiten oder bei klimatisch sehr ungünstigen Bedingungen sterben sollte. Futterpflanzen des Kleinen Nachtpfauenauges sind etwa Brombeere, Himbeere, Heidelbeere, Schlehe und Wiesensalbei.

Das Kleine Nachtpfauenauge ist in Mittel- und Nordeuropa weit verbreitet. Sein Lebensraum sind naturnahe offene Landschaften oder verwilderte Gärten. Als Folge des fortschreitenden Landschaftsverbrauchs ist der Bestand des Kleinen Nachtpfauenauges in einigen Regionen Deutschlands jedoch stark zurückgegangen.

Das kleine Nachtpfauenauge hat auch noch eine große Schwester, dass Große Nachtpfauenauge, oder auch Wiener Nachtpfauenauge genannt. Dieser Falter erreicht gar eine Flügelspannweite von bis zu 160 Millimetern und ist somit der größte europäische  Schmetterling. Er lebt jedoch nur in Südeuropa.

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