Foto: Sandro Prodanovic


München soll keine Clubkultur haben? Wer so etwas behauptet, hat wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank oder war einfach noch nie ausgiebig unterwegs in der bayerischen Landeshauptstadt. Heute wird die Subkultur unter anderem von Locations wie Bahnwärter Thiel, Blitz, Charlie, Grinsekatze, Harry Klein, Pacha und der Roten Sonne regiert. Bars wie Cucurucu, Das Charlie, Favorit, Schwarze Dackel, Goldener Reiter und Unter Deck heizen auch unter der Woche ein. An der frischen Luft empfehlen sich die Open Airs Schall im Schilf und Back to the Woods, Frühlingsgefühle, Isle of Summer, Diynamic und das Greenfields. Für die Fahrer unter euch gibt es etwas außerhalb noch die Festivals Echelon und Ikarus. Und wer im Winter Lust auf ein Tagesfestival hat, sollte sich mal das Contact Festival anschauen.

Let’s go clubbing

Blitz (2017) – Entschuldigung, dein Blitz stört mich beim Tanzen!

Foto: Sandro Prodanovic

Von außen schon mal ziemlich einladend zeigt sich das jüngste Mitglied der Münchener Clubkultur. Der Blitz Club empfängt Musikenthusiasten unter dem Vorbehalt, dass Handykameras hinter einem Sticker versteckt werden. Gäste sollen das Hier und Jetzt erleben und nicht in Zweisamkeit mit dem Smartphone verweilen. Und das funktioniert: Der Dancefloor ist belebt, die Stimmung gut. Das Sahnehäubchen ist auf jeden Fall der Sound. Der Fokus liegt hier ganz klar auf qualitativ hochwertiger Musik, und das spiegelt sich sowohl im Line-up als auch im Soundsystem wider. Aufgepeppt wurde dieses mit der 4-Punkt-Incubus-Anlage vom Hersteller Void Acoustics. Zum Tanzen laden zwei Floors ein, der kleinere von beiden ist sehr intim, einfach ein super Wohlfühl-Floor. Der Club befindet sich im deutschen Museum, einem alten Gebäude mit hohen Decken, und bietet daher auch Platz für einen großzügigen Chill-out-Bereich. Hier können sich müde Tänzer ein Päuschen gönnen, chillen, quatschen, lachen, weinen, schmusen oder was auch immer. Hier kommt wahrscheinlich alles zusammen, was hinter gutem Sound her ist. Das abwechslungsreiche Line-up wird dabei keine unwesentliche Rolle spielen. Reinschauen lohnt sich.

www.blitz.club

Rote Sonne (2005) – Ein Bad in Schweiß

Foto: Sandro Prodanovic

Wer es beim Feiern etwas familiärer mag, sollte unbedingt mal einen Blick in die Rote Sonne werfen. Denn dort, am Maximiliansplatz, spielt sich ein Szenario ab, das ich in einer Stadt wie München kaum für möglich gehalten hätte. Schickeria ist hier definitiv fehl am Platz. Im Gegenteil, hier kümmert es keinen Menschen, was man macht oder wer man ist. „Tanzen und leben“ lautet die Devise. Wer sich gerne in der Masse verliert, Haut an Haut, vereint mit der Musik, ist hier richtig. Umgeben von absoluter Dunkelheit. Hier spielt Anonymität eine große Rolle, kaum einer führt hier eine Beziehung mit seinem Smartphone – auf mich wirkte es, als wäre der Großteil des Publikums in Trance. Die Körper schienen nur so zu beben, was wiederum einen sehr schönen Anblick bot. Und während die Void-Speaker und die dazugehörigen alten Bässe des ehemaligen Ultraschalls mit hartem Techno um sich schlugen, wirkte die Tanzfläche wie eine Einheit – ein Miteinander. Wer du bist, interessiert hier niemanden. Und was getragen wird, ist sowieso egal. Ob im Jogger, einfach nur im BH oder entspannt in Jeans. Das Publikum war total gemischt und dennoch sehr harmonisch. Der Sound in der Location ist veranstaltungsabhängig. Freitags wird mit hartem Techno gelockt, samstags geht es dann schon etwas experimenteller zu – mit Techno, Drum ’n’ Bass, House, Electro und Bassmusik. Zusätzlich bietet der Club einen extrem entspannten Außenbereich, in dem sich auch der Eingang befindet. Ohne grelles Licht und unnötigen Schnickschnack. In der Roten Sonne fühlte ich mich sehr wohl und willkommen.

www.rote-sonne.com

Bahnwärter Thiel (2015) – Reizüberflutung und wilde Nächte

Foto: Sandro Prodanovic

Das „Bahni“, wie die Münchener es nennen, ist ein Ort, der mich auf Anhieb umgehauen hat. Am Eingang wird schon recht deutlich, dass das kein „normaler“ Club ist. Graffitis, so weit das Auge reicht, die deutlich machen, dass Kunst hier großgeschrieben wird. Der Mehrheit der Clubbesucher geht es zu Beginn wohl so wie mir: Ich kam aus dem Staunen einfach nicht heraus. Angefangen mit dem mehr als geräumigen Außenbereich – hier haste mal ein Lagerfeuer, da mal einen alten Treckerreifen zum Reinhängen oder einen stillgelegten, wackelnden U-Bahn-Wagon, in dem heftig abgeschwitzt wird. Es gibt Sitzmöglichkeiten überall und in allen unvorstellbaren Variationen. Zudem ist das Publikum sehr erfrischend. Noch aufregender wird es im Inneren: ein DJ-Pult, das wie ein Thron auf mich wirkte, in der Mitte ein DJ, der wie ein König gefeiert wird und mitfeiert. Richtig geiler Sound dröhnte mir hier um die Ohren, über mir riesige Discokugeln und dazu diese Dunkelheit. Auch im Club gibt es jede Menge Rückzugsmöglichkeiten mit bequemen Vintage-Couches und skurriler Deko. Und wenn sich Hunger bemerkbar macht, gibt es eine liebevolle Küche, die mit köstlichen Wraps und allerhand anderem Zeug lockt. Mit oder ohne Fleisch. Das Angebot des Kulturprojekts reicht hier von Konzerten und Ausstellungen über Clubnächte, Kino, Flohmärkte, Workshops und Tanzkurse bis hin zu Comedy-Shows.

www.bahnwaerterthiel.de

Back to the Woods Festival (2013) – Los, wir grooven zusammen!

Foto: Sandro Prodanovic

Dieses Open Air in Garching hat mir ein richtig großes Grinsen ins Gesicht gezaubert. Insgesamt gab es vier Floors, die mit einem breiten musikalischen Angebot von Disco über House, Acid und Downtempo bis hin zu Charts aus den 80er- und 90er-Jahren punkteten. Der Fokus liegt hier ganz klar auf neuen Gesichtern und ziemlich guter, warmer Musik. Organisiert wird das Ganze von einer jungen Gruppe namens Kellerkind, die auch hinter anderen Events wie beispielsweise dem „Schall im Schilf“ steht. Besonders angetan hat es mir die „Unterholz“-Stage, die vom Radio 80000 besetzt war. Größtenteils wurde dort eine Mischung aus Disco, House und Acid-House zelebriert – unglaublich gut. Ziemlich stark war auch die Location; das Gelände war mit dazugehörigen kleinen Waldstücken ziemlich groß. Es gab jede Menge Chill-out-Möglichkeiten, ob nun im Sand oder auf der Hängematte, am Lagerfeuer, auf Wiesenhügeln oder auf den unzähligen Bänken. Das kulinarische Angebot umfasste einen Mix aus vegetarischen Burgern, Currys und Falafel-Sandwiches. Auch ein Pluspunkt: Die Holzteile der Bühnen werden jedes Jahr an Kindergärten weitergegeben und 10 Prozent des Gesamtgewinns der beiden Veranstaltungen gehen an gemeinnützige Organisationen.

www.kellerkindmusik.de

 

 

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