Finnland – das glücklichste Land der Welt hat ein Opioidproblem

Finnland

Finnland gilt als das glücklichste Land der Welt. Saubere Städte, funktionierende Systeme, viel Natur und wenig Drama. Doch hinter der skandinavischen Ruhe wächst seit Jahren ein Problem, das so gar nicht ins Bild passen will. Die Rede ist von einer massiven Drogenkrise.

Besonders auffällig ist dabei eine Substanz, die in vielen anderen Ländern kaum eine Rolle spielt: Buprenorphin. Eigentlich ein Medikament zur Substitutionstherapie und gedacht als kontrollierte Alternative zu Methadon. In Finnland wurde daraus jedoch über Jahre eine der gefährlichsten Opioid-Drogen überhaupt.

Das Heimtückische daran ist, dass die tödliche Wirkung oft verzögert kommt. Experten warnen, dass Überdosierungen häufig erst Stunden später auftreten. Oft nachts, wenn die Konsumenten tief und fest schlafen. Genau das macht die Substanz so gefährlich. Während klassische Heroin-Überdosierungen oft sofort sichtbar werden, bleibt bei Buprenorphin vielen Betroffenen kaum Zeit zu reagieren.

Besonders riskant wird die Mischung mit Alkohol, Benzodiazepinen oder anderen dämpfenden Substanzen. Genau diese Kombinationen sind laut finnischen Experten für viele Todesfälle verantwortlich. Die Droge selbst gilt dabei nicht einmal als extrem toxisch. Das eigentliche Problem entsteht durch den Mischkonsum. Der gute alte Mischkonsum.

Seit den 2000er-Jahren hat sich die Zahl der Drogentoten in Finnland drastisch erhöht. Vor allem junge Menschen sind betroffen. Im europäischen Vergleich gehört das Land mittlerweile zu den Staaten mit den meisten drogenbedingten Todesfällen unter jungen Erwachsenen. Wer hätte das gedacht? Denn Finnland gilt, dem „World Happiness Report“ zufolge, als das glücklichste Land der Welt.

Die Gründe für die Todesfälle sind komplex. Experten sehen neben der Verfügbarkeit von Buprenorphin auch gesellschaftliche Faktoren. Emotionaler Rückzug, soziale Isolation und psychischer Druck gelten als großer Teil des Problems. Hilfe zu suchen fällt vielen schwer, trotz des guten Gesundheitssystems.

Hinzu kommt ein weiterer Widerspruch. Finnland gilt international als sozial stabil und modern. Gleichzeitig berichten Betroffene immer wieder von langen Wartezeiten für Therapieplätze und fehlender Unterstützung bei Suchterkrankungen. Das Bild vom perfekten Norden bekommt dadurch sichtbare Risse.

Der Fall zeigt vor allem eins: Drogenprobleme sehen nicht überall gleich aus. Während in anderen Ländern Fentanyl oder Kokain Schlagzeilen dominieren, kämpft Finnland mit einem Medikament, das eigentlich zur Behandlung von Abhängigkeit gedacht war.

Quelle: tagesspiegel.de

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