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Seit gut vier Jahren betreibt André Theis mit seinem Kompagnon Marcel Rothe einen Club in Wuppertal. Musikalisch bietet der Laden ein breites Angebot, das von HipHop, R’n’B über House, Dubstep bis Reggae reicht. Als Mitglied im DEHOGA (Deutsche Hotel- und Gaststättenverband e.V.) zahlt er einen von diesem Verband ausgehandelten GEMA-Tarif, aber die GEMA wäre ja nicht die GEMA, wenn sie uns alle paar Wochen mit Schlagzeilen und neuen Ideen versorgen würde. Das Schöne an der Sache: sie schickt Mitarbeiter los, die den Clubbetreibern erklären sollen, welcher Tarif doch für sie am bestem geeignet seien. Was in diesem Fall herausgekommen ist, passt in die Kategorie „Dialoge des Grauens“ und ist ziemlich unbegreiflich …

Aber überlassen wir André selbst das Wort:

Als ich am 11.12.2013 in der Zeitung las, dass sich die GEMA mit der Bundesvereinigung der Musikveranstalter über eine neue Tarifreform geeinigt hat, die ab 2014 greifen soll, war mein erster Gedanke: „Schön, ein Verband in dem ich nicht bin, einigt sich darüber, dass ich noch mehr Geld bezahle für Produzenten, die ich nicht spiele.“
Mir fiel dann auch wieder die gute Pressedame ein, die beim ersten Vorstoß zur Tariferhöhung für mich eine besondere Person darstellte. Sie tat mir leid. Sie hatte eine unfassbar schwere Aufgabe. Es ist sehr schwer jemandem etwas Schlechtes als etwas Gutes zu verkaufen, nicht wahr? Ihre Argumentationen und Rechtfertigungen, waren für mich nicht immer logisch anhand von Fakten begründet und lösten bei mir teilweise ein Schmunzeln aus. Soweit erstmal.

Dass ich bald einen weiteren Menschen der GEMA und seine wunderbaren Ideen und Ausführungen noch persönlich kennenlernen durfte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Einige Tage später bekam ich an einem Freitagabend eine SMS von einem Mitarbeiter des Clubs: „Zu deiner Info: Der Herr XY von der GEMA ist da. Wir haben jetzt (um 23:10 Uhr) aufgemacht und nun will er den Gastraum vermessen und sich umschauen.“
Das ist ja schön. Während die Gäste den dunklen Raum betreten, krabbelt also der GEMA-Mitarbeiter in seiner Karotten über den Boden und schwingt den Zollstock?! Sicher nicht! Wer es schafft uns Rechnungen auf dem Postwege zukommen zu lassen, der schafft es auch über denselben Weg, einen Termin zu vereinbaren. Dies teilte ich ihm mit, nun persönlich anwesend und verwehrte ihm also den Zugang inkl. Messgerätschaften. Ich bot an, ihm einen Bauplan mit allen Daten per Mail zukommen zu lassen.

Dann wurde es merkwürdig. Gespräch an einem Freitagabend, während des laufenden Betriebes, vor der Tür des Clubs:
Herr XY: „Es wird eine neue Tarifreform geben. Ab 2014. Aber nicht schlecht für sie.“

„Wie sieht die aus?“

XY: „Weiß ich nicht.“

„Schön.“

– Stille –

XY: „Damals (beim ersten Reformvorschlag) wären sie auch gut weggekommen.“ (Er nennt mir einen Betrag in Euro) „Diesen Betrag hätten sie PRO Veranstaltung bezahlt, das ist doch gut für sie.“

„Das ist die Hälfte von dem, was ich momentan für 16 Veranstaltungen bezahle.“

– Stille –

Ich hake nach,  „Sie sind doch Fachmann. Was kann ich eigentlich tun, damit ich nicht eine Erhöhung meiner Beiträge zu erwarten habe, sondern eine Reduzierung? Gibt es eine Möglichkeit?“

XY: „Ja, da empfehle ich, dass sie es wie ALLE anderen Clubs machen sollten. Nehmen sie keinen Eintritt. So macht man das mittlerweile.“

– Stille, lang –
Angesäuert erwidere ich: „Nennen sie mir einen professionellen Club in Wuppertal, Köln oder Düsseldorf, der das praktiziert!“

– Stille, länger –

Er entscheidet sich offenbar das Thema zu wechseln: „Noch etwas, ich empfehle Ihnen auch eine Club-Copy-Pauschale, um sicher zu sein.“

„Wie bitte?“

XY: „… und zwar so eine Art Kopier-Sicherheits-Pauschale für ihre DJs. Damit sind sie als Club sicher.“

„Das sind über hundert DJs pro Jahr bei externen und eigenen Veranstaltungen. Und außerdem , das ist doch DJ-Sache, oder nicht? Diese Pauschale soll ich aber nun auch nochmal bezahlen, um ’sicher zu sein‘?“

– Stille, nicht endend –

Da kein weiteres Wort kam, beendete ich das Gespräch, bzw. das Schweigen und verabschiedete mich. Herr XY ist bis heute nicht wiedergekommen.

Durch meine Tätigkeit als Musikschaffender (GEMA-Mitglied) und als Clubbetreiber hatte ich immer wieder Kontakt mit dem Verband und seinen Mitarbeitern. Aber so langsam fragt man sich doch, wer (und mit welchen Informationen ausgestattet) seitens der GEMA auf die Menschheit losgelassen wird …

 

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