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Frankfurt ist seine Heimat. Als DJ allerdings ist die Welt sein Zuhause. Und vielleicht macht es die Nähe zum Spessart, dass Gregor Treshers Musik häufig wirkt, wie eine Wanderung durch einen Grimm‘schen Märchenwald. Technoid zwar, aber eben auch tiefgründig, verwunschen, hypnotisch und melodiös verschlungen. Von Cocoon über Drumcode bis Ovum hat der gefragte Produzent kein Top-Label als Veröffentlichungsplattform ausgelassen. Vor allem aber auf seinem eigenen Imprint Break New Soil erweist sich Tresher immer wieder aufs Neue als Meister der dunklen Verführung. Bestes Beispiel ist die soeben erschienene Label-Compi „Breaking News Soil Vol.7“ mit Patrick Siech, Per Hammer, Maxime Dangles sowie Tresher in Zusammenarbeit mit Petar Dundov.

Nachdem uns der Künstler vor einiger Zeit bereits seine Studiotür öffnete, geht’s nun in die zweite Runde. Denn obwohl begeisterter Analogiker, weiß auch Tresher die Vorzüge einer digitalen Studioumgebung seit Anbeginn zu schätzen. Dabei mag die Kombination aus Macintosh und Cubase im Jahre 2015 etwas ungewöhnlich erscheinen. Warum er aber unverändert auf das Steinberg-Produkt setzt, erklärt er im Folgenden. 

Wie sieht dein Studio-Setup aktuell aus?

Mein Studio ist über die Zeit gewachsen und auch wieder geschrumpft. Ich habe mich irgendwann vom Sammelwahnsinn verabschiedet und heute einen recht pragmatischen Ansatz: Ich behalte nur, was ich auch wirklich benutze. Mit Ausnahme von ein paar Geräten, die für mich persönlich einen nostalgischen Wert haben. Das Herzstück meines Studios ist ein Mac mit einer UAD Quadcore. Als Audio-I/O benutze ich ein Apogee Ensemble, an das über eine Patchbay alle Klangerzeuger angeschlossen sind. So kann ich externe Synthesizer direkt mit VST-Plugins versehen, also noch während des Einspielprozesses Effekte ausprobieren oder die Dynamik schon vor der Aufnahme bearbeiten. Als Klangerzeuger dienen hauptsächlich ein zweiteiliges Roland System 100, Juno 60, eine SH-101 und TR-808, ein Moog Minimoog Model D und ein Voyager sowie ein Korg Mono/Poly. Außerdem habe ich einen Telefunken V672 Preamp und einen für mich angefertigten Kompressor im Einsatz. Meine Hauptabhöre sind Focal SM-9, daneben noch ein paar kleinere ADAM Lautsprecher.

Welche Rolle spielt Steinberg Cubase dabei in deinem Setup?

Cubase ist die Schaltzentrale meines Studios. Ich benutze sowohl externe Klangerzeuger als auch zahlreiche VSTi, neben Cubase-internen auch viele Plugins von Drittherstellern. Für das Standard-EQing setze ich meist den internen Studio-EQ ein und zur grundsätzlichen Dynamik-Bearbeitung ebenfalls gerne die internen Prozessoren. Auch das Stereo-Delay und die Cubase-Reverbs setze ich ein.

Seit wann nutzt du Steinberg Cubase?

Ich erinnere mich an erste musikalische Gehversuche bei Freunden auf einem Atari Mega ST 2 Anfang der Neunziger. Ich selbst benutze Cubase seit Version VST 3.0 unter Windows, das muss ungefähr 1997 gewesen sein. Damals hatte ich zusätzlich eine MPC im Einsatz, hauptsächlich wegen der Shuffle-Funktion. Die Groove-Quantisierung in Cubase war damals nicht so ausgereift wie heute.

Welche Vorteile bringt dir Steinberg Cubase?

Für mich ganz persönlich ist die gewohnte Arbeitsumgebung wichtig. Ich bin in Cubase schnell und kann meine Ideen sofort zu Papier bzw. auf Festplatte bringen. Privat nutze ich schon sehr lange Mac OS, aber im Studio hat der Umstieg lange gedauert, getreu dem Motto „never touch a running system“. Als es dann soweit war, dachte ich, es wäre aus Performance-Gründen angebracht, auf Logic umzusteigen – was sich aber als Fehler herausstellte. Ich habe mich in den zwei Jahren Logic-Nutzung nie richtig eingrooven können. Was allerdings nicht Logic anzukreiden ist. Es war für mich und meine Musik einfach nicht das Richtige. Zudem war Cubase seinerzeit in Sachen Audio-Handling einfach schon weiter. Man konnte in Cubase Audio-Files bereits einfach mit der Maus aufziehen und so ans Projekttempo anpassen. Das war bei der Konkurrenz deutlich komplizierter. Diese und andere Schwächen sind zwar inzwischen behoben.
Trotzdem habe ich auch noch heute den Eindruck, dass Cubase für elektronische Musik das intuitiver zu bedienende Programm ist.

Welche Funktionen nutzt du wofür?

Ich benutze Cubase als zentralen Host für meine MIDI- und Audiospuren und nutze sowohl die Klangerzeugung als auch die Effekte und Dynamikbearbeitung. Als zusätzliche Sequenzer setze ich externe Hardware oder auch gerne Numerology von Five12 ein. Natürlich kommt auch viel Drittanbieter-Software zum Einsatz, darunter viele UAD-Plugins und auch einiges von Waves, Native Instruments und Fabfilter. Das Mastering mache ich aus Überzeugung nicht selbst. Dass sich heute jeder Mastering-Engineer nennt, der beim L2 den Threshold-Regler gefunden hat, ist eine Beleidigung für jeden professionellen Toningenieur. Ich habe definitiv nicht genug Erfahrung und Know-How im Bereich Mastering und überlasse das lieber einem Profi. Auch weil es eine gute Sache ist, wenn jemand nochmal unvoreingenommen den Klang bewertet und verbessert

Welche Funktionen nutzt du nicht?

Die Funktionen im Bereich Notation sind für mich als Techno-Musiker kaum von Bedeutung. Auch habe ich mit den Surround-Funktionen bisher nicht gearbeitet, weil meine Musik bestenfalls auf Stereo-Abhören konsumiert wird. Ebenso gibt es im Recording-Bereich (Stichpunkt Monitoring) viele Funktionen, die für mich nicht ganz so wichtig sind. Zusammenarbeiten mit anderen Musikern per VST Connect habe ich ebenfalls noch nicht ausprobiert.

Arbeitest du mit Controllern?

Nein, außer mal ein zugewiesenes Modulationsrad an meinem Masterkeyboard für einen Filterverlauf. Als Controller besitze ich zwar eine NI Maschine und ein Akai APC24, die aber praktisch nicht zum Einsatz kommen.

Was sind deine Lieblingsneufunktionen in Cubase 8?

Ich muss zugeben, dass ich Version 8 erst vor kurzem installiert habe und in letzter Zeit wenig zum Musikmachen gekommen bin. Ich freue mich aber auf den angekündigten Performance Boost, die VCA-Fader-Funktion für Fader-Gruppierungen und, ganz wichtig, dass Quadrafuzz in Version 2 zurück ist!

Gibt es geheime Tricks, die du anwendest?

Also so richtig geheim ist davon nichts. An meiner Musik fällt vielleicht auf, dass ich Ducking (Absenken bestimmter Signale, Anm. d. Red) sowohl als Stilelement als auch zum „Platz machen“ verwende, die Sidechain-Funktion des internen Kompressors wird also viel und gerne benutzt. Speziell bei meinen letzten Veröffentlichungen habe ich viel mit externen Sequenzern gearbeitet. Mit dem MFB Urzwerg und auch mit dem Doepfer Dark Time ­­– diese haben dann einen Synthesizer getriggert, den ich mit Effekten versehen als Audiospur aufgenommen habe, gerne mal 30 Minuten und länger. Danach habe ich aus diesen langen Aufnahmen die besten Passagen als Song arrangiert. Durch die externen Sequenzer, an denen die Tonhöhen per Hand und nach Gehör eingestellt werden, ist die Stimmung dann eben nicht hundertprozentig perfekt, was durchaus seinen Reiz hat. Ein konkretes Beispiel ist „About A Good Place“: Die Leadsequenz kommt von meinem Korg Mono/Poly, der vom MFB Urzwerg getriggert wurde. Ich habe eine Grundsequenz aus wenigen Noten eingestellt und dann über einen langen Zeitraum Filterverläufe und Modulationen live am Synthesizer aufgenommen. Über diese Aufnahmen habe ich schließlich Overdubs, die auch mal nur aus einer zusätzlichen Note bestehen konnten, aufgenommen und auch wieder live editiert. So kam am Ende die Melodielinie zustande, die im Prinzip aus vielen einzeln live aufgenommenen Overdubs besteht.

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www.gregortresher.com

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Aus dem FAZEmag 037/03.2015