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Hallo liebe Musik und Naturfreunde.

Ihr kennt mich sicherlich alle von meinen Kolumnen über die heimische Flora & Fauna. Heute möchte ich Euch aber mal einen kleinen Einblick in mein tägliches Handwerk geben, das Musizieren im Studio.

Hierzu benutze ich als DAW Cubase von Steinberg, das ich schon seit Atari-Zeiten – noch in monochrom – intus habe. Ich liebe Cubase, weil es einfach für mich das am besten klingende Programm ist und es eine herrliche Übersichtlichkeit bietet. Das Wichtigste beim Musikmachen ist in erster Linie der Workflow. Wenn die Ideen und Melodien sprudeln, hat man nur ein gewisses Zeitfenster, um diese möglichst klar und direkt umzusetzen. Dazu ist es essentiell, sich eine Arbeitsumgebung zu schaffen, in der man die Technik beherrscht und nicht andersherum. Prozesse der Kreativität und der Rationalität sind beim Menschen in unterschiedlichen Gehirnhälften implementiert. Muss man ständig rational denken, um die Technik in den Griff zu bekommen, schwindet die Kreativität. Das A und O ist für mich das Erschaffen und Arbeiten mit individuellen Shortcut-Befehlen auf der Tastatur. Diese könnt ihr unter „Tastaturbefehle“ anlegen, etwa für Spuren duplizieren, normalisieren, zoomen, Pitch-Shift oder Dateien umkehren. Auch wenn es am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig erscheint, bleibt eisern, denn habt ihr alle wichtigen Befehle im Griff, spart ihr eine Menge Zeit und somit wichtige Kreativität. Auch meine Plugins habe ich nach Wertigkeit und Häufigkeit des Benutzens in verschiedenen Ordner im Plugin-Ordner sortiert. Je wichtiger sie sind, desto mehr + Zeichen habe ich ihnen gegeben. So finde ich schnell die am besten klingenden Plugins und komme gar nicht erst in die Versuchung, stundenlang mit irgendwelchen zweitklassigen Plugins rumzudoktern. Unter „Programmeinstellungen“ -> „Bearbeitungsoptionen“ -> „Projekt & Mixer“, kann man einstellen, dass die ausgewählte Spur vergrößert wird. So behält man einen klaren Überblick über das Projekt und hat dennoch einen tollen Fokus auf die zu bearbeitende Spur.

Cubase Artist 7_transparent_RGBBeim Mischen achte ich auf saubere Frequenztrennung. Oft haben viele Spuren wie Hi-Hats oder Flächen unnötige Bässe oder gar Bassgewummel durch Resonanzen von Echos oder Reverbs. Diese Frequenz rauszufiltern, mit einem Low-Cut EQ oder Filter, lohnt sich, da der Bassbereich – der Bereich des Liedes, der die meiste Energie hat – sauber und aufgeräumt klingt und mehr Volumen für die Summe bleibt. Achtet bei jeder Spur darauf, dass die Nutzfrequenzen für den Mix die dominierenden sind. Störende Resonanzfrequenzen, kann man prima mit sehr schmalbandigen EQs rausfiltern. Überlagernde Bässe kann man in Cubase sehr schön und einfach mit Side-Chain Kompressionen hierarchisch staffeln. Auch eine Tiefenstaffelung im Mix ist wichtig, um eine Räumlichkeit des Liedes zu erschaffen. Hierzu kann man sehr gut mit verschieden langen Reverbs arbeiten und mit EQ Absenkungen. Es gilt, je weiter weg ein Signal klingen soll, desto mehr Höhen rausdrehen und mehr Wetness beim Reverb geben. Ich benutze auch gerne mal Spuren mit 100% weitem Signal. Auch der Envelopeshaper von Cubase ist bestens geeignet, um eine weitere Hierarchie herzustellen: Sounds die mehr im Hintergrund sein sollen, gibt man weniger Attack, und denen, die vorne sein sollen, gerne auch etwas mehr. Ebenso ist die Quelle des Signals entscheidend für eine Mehrdimensionalität im Mix. So würde ein Mix nur mit digital generierten Klängen sehr kalt und eindimensional klingen. Ich benutze deshalb meist akustisch aufgenommene Signale für zum Beispiel Atmosphären im Hintergrund oder organische klingende Drums, digitale VST-Synths für etwa Flächen und analoge Synthesizer für etwa Bässe. So entsteht direkt ein sehr vielschichtiger Gesamtsound. Analog-Equipment kann man übrigens in Cubase hervorragend als „Externe Instrumente“ unter „VST-Verbindungen“ einschliefen. Dazu wird ein Routing zu dem Outboardgerät hergestellt, und man kann es dann im Projekt sehr komfortabel mit Programmchange oder Modulationsverläufen wie ein Plugin nutzen. Erst beim Rendern wird das Gerät über Echtzeitexport tatsächlich mit aufgenommen. So bleibt ein hohes Maß an Flexibilität.

Ich „missbrauche“ auch oft Cubase-Funktionen, um damit direkt kreatives Sounddesign zu betreiben. So wähle ich zum Beispiel einen schlecht auflösenden Timestretch-Algorithmus aus und ziehe damit Sounds, wie etwa Flächen, so lange in die Länge, bis einzelne Grains entstehen und somit etwas völlig Neues entsteht. Durch Aktivieren der „Infozeile“ oben links im Cubase Projektfenster bei „Fenster-Layout einrichten“ bekommt man ein tolles Werkzeug zur Hand, um einzelne Sounds direkt und schnell zu transponieren. So kann man in Sekundenschnelle melodisch modulierte Drum-Spuren zum Beispiel aus einem montonen Loop basteln. Oder ich ziehe Sounddateien einfach von einer Spur auf irgendeine andere Spur mit anderer Effektkette. So entstehen durch Freund Zufall oft unerwartete Ergebnisse, die ich dann wieder runter rechne. Wichtig ist für mich auch, interessante Insert-Effektketten als Presets abzuspeichern. So kann man später schnell interessante Ergebnisse erzielen. Auch Instrumentenspuren mit dazugehörigen Insert-Effekten, wie Kompressoren, Reverbs etc., kann man als Spur-Presets abspeichern. So hat man rasch seine Lieblingssounds parat, und es entwickelt sich ein gewisser Trademarksound. Polyrhytmische Beats lassen sich auch in Cubase durch das Midi-Plugin „Stepdesigner“ generieren, in dem man hier einen Beat mit einem Sampleplayer wie „Groove Agent“ bastelt und dann einfach die Anzahl der Steps kürzt. So kann man sehr schnell komplexe Rhythmusstrukturen erschaffen. In „Groove Agent“ habe ich mir auch ein Kit mit meinen Lieblings-Bassdrums zusammengestellt. Die ist wichtiger für den Gesamtcharakter des Liedes als viele denken. Sie ist das Element, das alles trägt. Eine falsche Bassdrum kann mehr kaputt machen als vieles anderes. Wenn ich meine Bassdrum-Spur mit Midi-Noten programmiert habe, kann ich nun bequem meine einzelne Lieblings-Bassdrums durchsteppen, indem ich einfach in der Infozeile meine Midi-Spur hoch und runter transponiere, bis ich eine geeignete Kick gefunden habe.

Ein weiterer, schöner Trick um Bass-Spuren, wie etwa Bassdrums, gezielt in einem gewissen Frequenzbereich anzudicken, ist das Gateducking eines Sinustons mit Hilfe des Cubase Testton-Generators. Hierzu legt man eine Effektspur an und lädt hier den „TestGenerator“ in den ersten Insertslot. Danach lädt man das Cubase „Gate“ Plugin in den zweiten Slot. Nun stellt man in dem Testton-Generator die gewünscht Frequenz der Sinuswelle ein, in dem die Bassdrum mehr drücken soll, etwa 80 Hz. Man hört nun einen durchgehenden Sinuston. Nun aktiviert man im Gate-Plugin die Side-Chain-Funktion. Das Gate ist nun geschlossen, man hört nichts mehr. Jetzt aktiviert man in der Bassdrum-Spur einen Sendkanal, der als Trigger für den Side-Chain des Gates fungiert. Bei jeder Bassdrum wird nun ein Sinuston dazu geduckt. Nun stellt man mit Threshold, Attack, Hold und Release die gewünscht Länge des Sinustons im Gate ein. Man erhält so eine sehr definierte Basssättigung.

Ich wünsche euch weiterhin viel Spaß und Freude am Musizieren und viele kreative Momente. Seid mutig und versucht immer, eigene Wege zu gehen. Nur authentische Musik ist gute Musik.

Alles Liebe, euer Dominik

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