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Foto: Grüne Jugend


Sehr zum Ärger der Polizei und vielen Cannabis-Gegnern erblüht die Stadt Göttingen seit einigen Wochen in sattem Hanf-Grün. Auf Grünflächen, zwischen Blumen und Sträuchern, direkt am Hauptbahnhof und auch demonstrativ vor dem Polizeipräsidium wurden von Pro-Cannabis-Aktivisten Hanf gesät. Seit einigen Wochen spießt der Hanf aus der Erde und ziert ganz Göttingen mit den unverkennbaren grünen Blättern.

Die Aktivisten-Gruppe nennt sich selbst “Einige Autonome Blumenkinder”. Anfang Juni haben sie mehrere Kilo Hanf-Samen in der Stadt verteilt. Nun erblüht das Ergebnis in der Universitätsstadt in Niedersachsen. Die Gruppe will durch diese Guerilla-Growing Aktion auf die Legalisierung von Cannabis aufmerksam machen. Sie selbst schreibt in einem Bekennungsschreiben: “Dass wir diese sowohl nützliche als auch ästhetische Pflanze nicht öfter zu Gesicht bekommen, liegt daran, dass der Anbau in Deutschland grundsätzlich verboten ist.

Damit möchten sie wohl ausdrücken, dass es ziemlich sinnfrei ist, diese Pflanze zu illegalisieren. Denn auch wer nicht von dem, nennen wir es “netten Nebeneffekt”, berauscht werden möchte, kann diese Pflanze nicht nur für den ästhetischen Anblick nutzen. Hanf ist eine sehr vielseitig einsetzbare und verwendbare Pflanze. Hanf- Samen enthalten alle ätherischen Öle, Nährstoffe und Proteine, die zur Erhaltung eines menschlichen Lebens erforderlich sind. Sie gelten als super Nahrung. Ebenso kann Hanf Erdöl ersetzen.
Außerdem steht die Cannabis-Pflanze anderen Zierpflanzen in Nichts nach, um auch in Ihrer Ästhetik Akzeptanz finden zu dürfen. Hanf ist also nicht immer gleich Marihuana/eine Droge. Dennoch ist die Hanf-Pflanze an sich in Deutschland verboten, auch wenn sie kein berauschendes THC enthält und reiner Nutzhanf wäre. Jeder Verstoß wird als Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz gewertet und von Polizei und Justiz verfolgt.

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Wenn es um die Legalisierung von Cannabis geht, streiten sich die Geister. Ob für medizinische Zwecke oder für den privaten Genuss, auf der Welt haben unterschiedliche Länder und Staaten unterschiedliche Gesetze und Ansichten dazu. Wo es beispielsweise in Colorado , USA für den privaten Genuss legal ist, ist allein der private Anbau für medizinische Zwecke anderswo (zum Beispiel in Deutschland) illegal. In dem einen Land gilt es als Medizin, in einem anderen Land gehört es gewissermaßen zum Lifestyle und anderswo stehen hohe Strafen auf den Besitz von Kleinstmengen. Bei kaum einer anderen Droge ist man sich weltweit uneiniger über die Legalität, dem Nutzen und der Kriminalisierung.

Zurück nach Göttingen:
Die “Einige Autonome Blumenkinder” protestieren mit dem Guerilla-Growing gegen eine restriktive Drogenpolitik. Weiter stellen sie ganz direkt die Frage in dem Bekennungsschreiben: “warum Cannabis, anders als Alkohol, nicht legal gekauft werden kann?” Und kritisiert die irrwitzige Strenge und Kriminalisierung von Hanf und Cannabis mit geringen THC-Wert. Mit dem überall erblühenden Hanf wollen sie “ein Zeichen gegen die Verteufelung von Cannabis setzen”. 

Damit sich die grüne Thematik viral verbreitet und auch Nicht-Göttinger etwas von der Aktion haben, haben die Blumenkinder sich eine Art Fotowettbewerb einfallen lassen. Zwar wird am Ende kein Sieger gekürt, wer das schönste Foto von der Hanf-Aktion geschossen hat. Dennoch soll man sich auch außerhalb Göttingens an den Bildern erfreuen und die Aktion verbreiten. Die Bilder sind auf der Website Grüne Jugend Göttingen veröffentlicht und auf Twitter zu finden.

Mögen manche die Aktion noch so gut, provokant oder gleichgültig finden, und Cannabisfreunde und Hanffürsprecher das Guerilla-Growing noch so revolutionär, aufklärend und witzig finden, die Polizei findet das Ganze gar nicht lustig. Denn nicht nur, dass diese irrsinnige Kriminalität den Gesetzeshütern in Form von Pflanzen nun täglich und in der ganzen Stadt ins Gesicht grinst, die Beamten müssen eigenhändig jede Hanf-Pflanze wieder entfernen. Wie leicht und spaßig das Sähen für die Aktivisten war, ist für die Polizisten das Beiseitigen der illegalen Pflanzen mühselige Arbeit. Was die Aktivisten umso mehr belustigen dürfte. Sprecherin der Polizei sagt: “Alles, was nach Hanf aussieht, wird raus gerissen”. Streifendienste rücken raus, um die Pflanzen aus sämtlichen Kübeln, Wiesen, Töpfen u.s.w. zu rupfen. Mitarbeiter des  Grünflächenamts werden eingesetzt , um die verbotenen Pflanzen zu entsorgen. Der Sondereinsatz wird wohl noch einige Wochen andauern, bis die Beamten sämtliche Pflanzen auf dem Komposthaufen vernichtet haben. Das Katz- und Maus-Spiel ist für die Göttinger Polizei nichts Neues, die Aktion wird schon seit einigen Jahren wiederholt und wird voraussichtlich auch in den kommenden Jahren nicht eingestellt werden.


Quellen: Hanf Magazin , Spiegel OnlineGalileo TV, deutscher Hanfverband

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