
Ein Mannschaftsbus ist normalerweise ziemlich unspektakulär. Spieler steigen ein, Kopfhörer auf, Musik an, vielleicht noch ein paar letzte taktische Ansagen – und dann geht es zum Spiel.
Beim brasilianischen Traditionsklub FC São Paulo lief die Anreise zum internationalen Pokalspiel allerdings etwas anders. Denn in Bolivien stieß die Polizei in einem Bus, der eigentlich die Mannschaft transportieren sollte, auf eine größere Menge Marihuana. Damit war die Reiseplanung vermutlich endgültig um eine Position erweitert worden: „Drogenfund“ stand wahrscheinlich nicht auf dem ursprünglichen Ablaufplan.
Vier Säcke, jede Menge Päckchen
Der Vorfall ereignete sich in der Region Cochabamba. Die bolivianische Polizei kontrollierte dort den Bus, der für den Transport des FC São Paulo vorgesehen war. Bei der Durchsuchung fanden die Beamten laut Berichten vier Säcke. Darin befanden sich zahlreiche Päckchen, die in Ziegelform verpackt waren. Der anschließende Fund dürfte selbst erfahrene Ermittler überrascht haben: 86,55 Kilogramm Marihuana.
Zumindest optisch war der Bus offenbar bestens vorbereitet. Er trug bereits die Logos und weitere Erkennungsmerkmale des FC São Paulo. Was fehlte, war allerdings die Mannschaft.
Die Spieler waren gar nicht an Bord
Und genau hier wird die Geschichte etwas kurios. Der FC São Paulo hatte den beschlagnahmten Bus zu keinem Zeitpunkt benutzt. Die Spieler waren beim Drogenfund nicht an Bord und sollen zunächst nicht einmal von dem Vorfall gewusst haben. Das Busunternehmen stellte anschließend ein anderes Fahrzeug zur Verfügung. Damit konnte die Mannschaft wie geplant zu ihrem Hotel gebracht werden. Für die Spieler hieß es also sinngemäß: falscher Bus, richtige Reise. Oder, etwas freier übersetzt: Der Mannschaftsbus war schon unterwegs – nur die Mannschaft fehlte noch.
Die Frage wer die Drogen eingeladen hat beschäftigt nun die Ermittler. Die Polizei beschlagnahmte den Bus und die Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen auf. Dabei soll unter anderem geklärt werden, woher die fast 87 Kilogramm Marihuana stammen, wohin die Drogen gebracht werden sollten und wer möglicherweise daran beteiligt war. Die Fahrer des Busses wurden von den bolivianischen Behörden festgenommen. Das Busunternehmen Flota Cosmos erklärte, die Verantwortung für den Vorfall liege bei den Fahrern. Der FC São Paulo selbst weist jede Verbindung zu dem Drogenfund zurück. Und das ist auch nachvollziehbar: Wenn man als Fußballverein einen Mannschaftsbus bestellt, erwartet man schließlich Sitzplätze, Klimaanlage und genügend Stauraum für die Sporttaschen. 87 Kilo Marihuana gehören eher nicht zur Standardausstattung.
Das Spiel konnte trotzdem stattfinden
Für die Mannschaft hatte der ungewöhnliche Zwischenfall zunächst keine direkten Folgen. São Paulo bereitete sich weiter auf das Achtelfinal-Hinspiel der Copa Sudamericana gegen den bolivianischen Klub Bolívar vor. Um die Belastung durch die Höhenlage von La Paz möglichst gering zu halten, hatte die Mannschaft zunächst in Santa Cruz de la Sierra Quartier bezogen. Erst wenige Stunden vor dem Spiel ging es weiter nach La Paz. Das Spiel fand dann tatsächlich statt und endete 1:1. Damit hat der FC São Paulo zumindest sportlich einen Punkt mitgenommen. Der Mannschaftsbus hingegen blieb auf der Strecke – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.
Eigentlich sollte es beim Auswärtsspiel um Fußball gehen. Taktik, Tore, Zweikämpfe und die berühmte Frage, ob sich die lange Reise gelohnt hat. Stattdessen beschäftigte sich die Polizei zunächst mit etwas ganz Anderem. Der Fall zeigt allerdings auch, wie wichtig die Fakten sind: Der Drogenfund wurde nicht im Mannschaftsbus mit den Spielern an Bord gemacht. Es handelte sich um ein Fahrzeug, das für den Transport des Teams vorgesehen war und bereits mit Vereinslogos versehen war. Der FC São Paulo selbst war nach aktuellem Stand nicht in den Drogenfund verwickelt.
Bleibt also nur die Frage, ob der Bus künftig noch einmal für den FC São Paulo fahren darf. Nach diesem Ausflug dürfte jedenfalls klar sein: Bei der nächsten Auswärtsfahrt schaut man vermutlich etwas genauer unter die Sitzpolster.
Quelle: sportbild.bild.de
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