Kokain wird oft mit pharmakologisch wirksamen Substanzen gestreckt, die teilweise schädlicher sind, als die Droge selbst.

Manche Kokainkonsumenten steigen deshalb auf Crack um. Klingt zwar seltsam, aber Crack ist scheinbar besser als sein Ruf. Denn chemisch betrachtet handelt es sich bei Crack um das eigentliche Kokain. Da der Stoff aus den Kokablättern harzartig ist, löst er sich nicht in Wasser. Dafür lässt er sich aber gut verbrennen. Das Kokain, das auf der Straße verkauft wird, entsteht, wenn die Kokapaste mit Säure versetzt wird.

Das macht es zwar praktischer für den Konsumenten, lässt sich aber gleichzeitig mit allerlei Blödsinn strecken, der genauso aussieht, wie das weiße Pulver. Wer Crack raucht, weiß also wenigstens, was er da konsumiert. Das soll aber keinesfalls ein Aufruf zum Crackkonsum sein.

Da sich für die Streckstoffe bisher kaum jemand interessiert hat, ist auch relativ unbekannt, welche Streckstoffe sich in der immer beliebter werdenden Drogen befinden. In einer Freiburger Einrichtung werden für eine Studie Kokainproben systematisch analysiert. Die Proben kommen aus Berlin, Hamburg, Frankfurt, München oder Nürnberg.

Die von der Polizei beschlagnahmten Kleinstmengen an Drogen werden meist unanalysiert vernichtet. Und wenn doch, geht es meist nur um den Reinheitsgehalt und nicht die Streckstoffe.

Zwar wurden die Resultate der Studie der Teil des Projekts DRUSEC ist, noch nicht öffentlich gemacht. In einem Artikel vom Tagesspiegel wurden aber ein paar vorläufigen Ergebnissen aus Hamburg dargelegt. So ist Heroin meist mit eher unbedenklichen Substanzen gestreckt, die jeder in der Apotheke erwerben kann. Es handelt sich dabei um Paracetamol oder Koffein.

Beim Kokain wurden aber teilweise bedenkliche Substanzen beigemischt. Von Medikamenten, die schon vor Jahrzehnten vom EU-Markt genommen wurden, bis hin zu verschreibungspflichtigen Medikamenten, die nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden sollten.

Mehr als die Hälfte der Proben war mit Phenacetin gestreckt, ein Schmerzmittel, das euphorisch wirkt. Phenacetin macht aber nicht nur schmerzunempfindlich und fröhlich, sondern zerstört auch bei längerem Gebrauch die Niere und führt zu deren Versagen.

Auch das Entwurmungsmittel Levamisol wurde in einigen Proben gefunden. Wegen seiner Nebenwirkungen ist die Substanz in der EU nur in der Tiermedizin zugelassen. Es kann bei Levamisol zu Lungenhochdruck kommen. Außerdem verändert sich durch Levamisol die weiße Substanz im Gehirn und verwandelt Langzeitkonsumenten allmählich in eine Tomate. Da sich auch die Zahl der weißen Blutkörperchen stark verringert, besteht die Gefahr, durch eine leichte Infektion zu sterben.

Die Drogenkartelle mischen Levamisol auch schon oft bei der Produktion des Kokains bei. Es kann nämlich die Wirkung des Kokains verstärken und verlängern. Es erhöht die Ausschüttung von Dopamin und verlängert die Abbauzeit in den Nervenzellen.

Es wurden auch zwei Substanzen in den Proben entdeckt, die den Fachverstand bei den Kokainkartellen aufzeigen. Zum einen Diltiazem, ein Kalziumkanalblocker, der gegen hohen Blutdruck wirkt. Zum anderen Hydroxycin, dass oft gegen Angstzustände verschrieben wird. Es hilft auch gegen starken Juckreiz.

Bei einer Kokainpsychose geraten die Süchtigen in Panik, fühlen sich verfolgt und kratzen sich oft blutig. Mit Hydroxycin kann man diese Nebenwirkungen von Kokain dämpfen und seinen Stammkunden die Kokainpsychose etwas erträglicher machen.

Lidocain ist ein weiterer Stoff der gerne zum Strecken verwendet wird. Genau wie Kokain betäubt es beim Schnupfen die Schleimhäute und beim Spritzen die Einstichstelle. Dadurch entsteht der Eindruck, dass es sich um ein besonders reines Produkt handelt.

Anders als bei den anderen Streckstoffen lässt sich das Lidocain beim Crack-Kochen nicht vom Kokain lösen. Wenn Lidocain in die Lunge gelangt, hemmt es effektiv die Atmung und kann zum Tod führen.

Was lernen wir daraus? Esst lieber mal nen Apfel!

Quelle: Der Tagesspiegel

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