Marteria #3 Photo by Paul Ripke5
Viele DJs und auch wir vom FAZEmag hören in der Freizeit gerne Hip-Hop. Es ist auch gar nichts Besonderes mehr, dass Produzenten aus verschiedenen Genres miteinander kollaborieren. Hip-Hop ist ein genauso etablierter Teil der Musikkultur wie die Technoszene. Vor mittlerweile fast 20 Jahren tauchte ein Ex-Fußball-Jugendnationalspieler und gut informierter Musik-Connaisseur aus Rostock, Marten Laciny, in der nationalen Rap-Szene auf und trat – zuerst langsam, dann immer schneller – seinen Siegeszug an. Es folgten mehrere Platin-Alben, Radiohits wie „Lila Wolken” oder „Kids” mit Kollabos von Campino bis Haftbefehl. Das Ex-Hugo-Boss-Model aus Rostock hat charttauglichen Hip-Hop wieder cool gemacht. Verbiegen musste sich Marteria bei all dem nie – er hat stattdessen einfach die Welt um sich herum verbogen. Mit seinem neuen Album, das hauptsächlich in Berlin produziert wurde, kehrt er nun zurück. „Roswell” ist tief in ihm drin und gleichzeitig ganz weit draußen. „Roswell“ könnte aber überall sein, wo es Menschen gibt, die sich ein bisschen anders fühlen.


Marteria genießt es, dass die Musikwelt mittlerweile eine total verflossene Sache ist und Leute aus vielen verschiedenen Genres zusammenarbeiten. Ganz egal für welche Platte. Einfach um Musik zu machen. Für die aktuelle Single „Aliens“ hat Marteria zum Beispiel mit Teutilla, dem Frontmann der Beatsteaks, kollaboriert. Teutilla habe er ausgewählt, erklärt er, da auch er ein „Alien“ sei und sie viele Gemeinsamkeiten hätten. Vor allem die Energie auf der Bühne verbinde die beiden. Der Rostocker sieht sich auf jeden Fall als Livemusiker. Das Gefühl, einfach für zwei Stunden komplett auszurasten, kennt er als ehemaliger Festival- und Konzertgänger nur zu gut und gibt dieses gern an seine Fans zurück. Egal ob große oder kleine Bühne – er versucht immer, sein Bestes zu geben. Für das neue Album hat er sich anderthalb Jahre Zeit gelassen und dabei beim Reisen, beim Feiern, aber auch im Studio sein volles Potenzial ausgeschöpft.

„Roswell“ ist ein sehr persönliches Album. Das zeigt sich zum Beispiel an Tracks wie „Große Brüder“, in dem Marteria Erinnerungen verarbeitet hat. Oftmals sei es schwierig für ihn, diese Themen konsumierbar zu machen, sagt er. Sein Ziel sei es, dass dem Hörer zu seinen Songs direkt Bilder in den Kopf schießen. Musikalische Inspiration für „Roswell“ hat sich Marteria bei alten David-Bowie-Platten oder auch Ganjasufi und Kaytranada geholt, deren Songs er gerne im Auto hört, wenn er mal wieder zwischen Berlin und seinem Zuhause pendelt.

Auf die Frage, wie Marteria sich kurz vor der Veröffentlichung von „Roswell“ fühle, sagt er: „Ich bin sehr aufgeregt. Diese Aufregung spüre ich jedes Mal, wenn ich ein Album veröffentliche. Im Rahmen der Albumproduktion habe ich mir neben Ideen zu den Songs auch viele Gedanken über Videos, Presse-Bilder und die Tour machen müssen. Campino teilt diese Aufregung. Mit ihm habe ich in der Produktionsphase des Albums viel Zeit verbracht und die Hosen sind auch immer wieder aufs Neue aufgeregt. Ich glaube, das wird auch niemals aufhören, diese gewisse Skepsis. Der Moment, in dem es einem egal wird, ist der, wenn man dann auf der Bühne steht und den direkten Kontakt hat.

Vor dem Albumrelease wird die „Allein auf weiter Tour“-Tour von 2009 wiederholt – und zwar in denselben Locations wie vor acht Jahren. Von Juni bis September wird Marteria auf diversen Festivals auftreten und am Ende des Jahres folgt dann die Roswell-Tour.

Aus dem FAZEmag 064/06.2017

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Text: Gabriel Popp
Foto: Paul Ripke