
Nächste Woche steht wieder der legendärste Tanz in den Mai an: die MAYDAY, die Mutter aller Raves. Einer der Künstler wird dort jedenfalls keinen Alkohol konsumieren. Drumcomplex spielt als erster Act in der Techno Legends Area. Mit seinem Social-Media-Post spricht der etablierte DJ und Produzent nicht nur ein Problem der Szene, sondern ein gesellschaftliches Dilemma an … Etablierte DJs wie Tanith kommentierten die Worte.
Viele DJs konsumieren – zumindest Alkohol. Vor, während oder auch nach den Gigs ist die legale Droge zum Laster vieler Auftritte absolvierender Künstler der elektronischen Musikkultur geworden, Normalität. Aber es kommt noch schlimmer: Wer keinen Alkohol trinkt oder Angebote ablehnt, wird schräg angeschaut oder muss sich oftmals sogar rechtfertigen.
Einer der schon lange mit dabei ist, die Szene kennt und ähnliche Erfahrungen gemacht hat, äußerte sich gerade dazu und zeigt eine klare Haltung. Arnd Reichow startete das Techno-Projekt Drumcomplex im Jahr 2002 gemeinsam mit seinem Bruder Daniel Reichow. Inzwischen führt Arnd das Projekt alleine – erfolgreich bis heute, wie sein Booking bei der diesjährigen MAYDAY offenbart.
In seinem Post vom Karfreitag erläutert Arnd, dass er Lust auf „Deep Talk Soberity“ habe. Er lasse schon eine ganze Zeit lange die Finger vom Alkohol. Dahinter läge kein größeres Problem oder ähnliches. Er merke einfach, dass es ihm ohne die gesellschaftliche tolerierte und oftmals befürwortete Droge besser gehe, sowohl auf der Bühne, als auch im Alltag. Körperlich und mental fühle er sich ohne Alkohol wesentlich besser.
Beim Tolerieren und Befürwortung der Droge fängt für ihn dann wiederum die Problematik des Alkoholkonsums, vor allem in Kontext von DJ-Gigs, an. Es ist eben nicht nur eine Toleranz vorhanden, es werde viel mehr „fast schon erwartet“, dass man etwas trinke – oder andernfalls andere Drogen konsumiere. Regelmäßig müsse er sich Sprüche à la „,Wie, du trinkst nix?‘“ oder „,Dann ziehst du bestimmt was anderes, oder?‘“ anhören. Für Arnd offenbart sich an diesen Stellen, dass er den Menschen einen Spiegel vorhalte – Konsum werde als normal betrachtet, das Gegenteil nicht.
Den Post verbreite er nicht zur Belehrung, sondern um Menschen, die spürten, dass der Alkohol- oder anderer Konsum ihnen schlecht tue, zur Soberity zu ermutigen. Viele trauten sich nicht, „den Schritt zu gehen“, obwohl sie die Nachteile des Konsums merkten. Arnds Worte: „Ich sag euch: Es lohnt sich“. Man gewinne „Klarheit, Stärke und Selbstvertrauen“. Den Konsum-Arnd, den manche vermissen, der sei nicht „der echte Arnd gewesen“. Menschen, die einen wirklich feierten, „die feiern auch deine Entwicklung“, so der als Drumcomplex bekannte Musiker.
Viele andere DJs feierten den Post von Drumcomplex und seine klaren Worte. Er bekam dafür etwa ein Like von DJ Quicksilver, der sowieso immer ausspricht, was er denkt.
Techno-Urgestein DJ Tanith zeigte etwa Verständnis für das, was Drumcomplex erlebt. Er habe „nie mit Alk angefangen“ und sei „die fragenden Blicke“ gewohnt. Andere zollten Respekt und teilten ihre Erfahrungen, zum Beispiel Milan Milano oder auch Khetama.
So kann man also mit Sicherheit davon ausgehen, dass es kommende Woche zur MAYDAY ein nüchternes Drumcomplex-Set geben wird – bei der der Musiker dafür voll bei der Sache sein wird. Arnd spielt übrigens von 21 bis 22.30 Uhr bei den Techno Legends. Hier geht es zum Timetable für dieses Jahr.
Und wer weiß, vielleicht schaffen ja auch andere DJs oder auch Raver den Schritt, angeregt von Drumcomplex‘ Worten.
Der originale Post von Drumcomplex:
Das könnte dich auch interessieren:
Drumcomplex gründet neues Label und kündigt erstes Release an