Moses hat gesprochen #57, FAZEmag 06.2019
Gästelistenbettler

Ich war gerade in Las Vegas und ich dachte es wäre eine grandiose Idee, beim Electric Daisy Carnival (EDC) mal vorbeizuschauen. Ich hatte eigentlich nur einen Tag Zeit, wenig Lust auf 500 Dollar pro Ticket und überhaupt – ihr kennt das. Tagelang habe ich also meine Connections abgeklappert und habe nach Gästeliste gefragt. Glücklicherweise sind wir in regelmäßigem Kontakt und die Situation ist schon alleine deshalb nicht awkward.

In meiner zweifelhaften, düsteren und nicht wirklich erfolgreichen Karriere wollten mir unzählbar viele Menschen, Tiere und Außerirdische an meinem Genital sucken für einen kostenfreien Eintritt. Ich rede hier nicht von EDC-Tickets für 500 Dollar das Stück – also 1000 Dollar, da wir zu zweit waren –, sondern von simplen 10 Euro für den Club.

Wir, die in den Clubs, auf Festivals oder generell in der Industrie arbeiten, kennen das nur zu gut. Meine Menge an vermeintlichen Freunden hat exponentiell zugenommen, als ich die ersten, signifikanten DJ-Gigs hatte und hat sich noch mal versechsfacht, als ich irgendwo und irgendwann mal ein Bild Backstage der Time Warp postete. Die Konversation ist immer gleich:

„Hey, na alles klar? Lange nichts mehr gehört“

Wir hatten vermutlich noch nie Kontakt und wenn, dann das letzte Mal vor mehreren Jahren. Aus Gründen.

„Du, du hast doch, du bist doch, da war doch mal was, kannst du mich plus eins draufschreiben? Ich zahl auch.“

Nein, du zahlst nicht sonst würdest du ja direkt zahlen.

„Ok schade, na ja, wir müssen auf jeden Fall mal wieder ein Bier trinken …“

Jap. Wir hatten noch nie ein Bier, aber wenn wir was zusammen hatten, dann ist das viele Jahre her. Aus Gründen.

So oder so ähnlich laufen alle diese Konversationen ab. Es gibt eine Grundregel: Wenn du nicht fragst, kommst du eher auf die Liste ;-)

 

Euer Moses

 

 

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