Nachdem wir uns im vergangenen Monat mit dem DDJ-800-Test der Spitze der 2-Kanal-Controller-Möglichen näherten, folgt nun mit dem DDJ-200 das untere Ende der Pioneer-Fahnenstange. Möchte man zumindest ein gewisses Niveau noch aufrechterhalten, geht nicht weniger. Weder im Hinblick auf den Funktionsumfang noch den Preis. Nur: Für wen eigentlich?


Bereits äußerlich ist der DDJ-200 ein auf die Grundfunktionen zurückgeführter Controller, in der transportablen Größe eines Notebooks. Die Verarbeitung geht absolut in Ordnung, Luxus-Momente darf man bei einem 1200-Gramm-Tool der 160-EUR-Klasse nicht erwarten. So regiert Kunststoff in allen Teilen, inklusive harter Klicklaute beim Betätigen der Buttons sowie leichtes Pitchfader-Schaben. Bei drei wesentlichen Bedienelementen macht Pioneer hingegen keine Kompromisse: Die berührungssensitiven Jogwheels lassen sich wie bei den großen Modellen butterweich führen, ebenso überzeugen die auf 40 mm eingekürzten Kanalfader und der Crosser durch kratzfreien Leichtlauf.

Die Anschlusssektion ist mit einem Wort beschrieben: USB-Buchse. Mehr gibt es nicht. Und diese entspringt auch keinem verbauten Audio-Interface – ein solches ist ebenfalls nicht vorhanden. So ist der DDJ-200 ein Controller in seiner ursprünglichsten Form, dessen gesteuerte Audioklänge direkt über einen angeschlossenen Laptop oder ein Bluetooth-vernetztes Mobilgerät ausgegeben werden müssen. Diese Einschränkung umfasst logischerweise auch das Headphone-Monitoring. Zwar besitzt der Pioneer-Zwerg zwischen den 3-Band-EQs eine rudimentäre Vorhörsektion mit Master- und Cue-Buttons, jedoch keinen Kopfhörer-Anschluss. Auch das Monitoring muss also über den Computer oder das Mobile Device erfolgen. Als (Not)Lösung wird ein DJ-Splitterkabel mitgeliefert, das das Stereo-Ausgangssignal in zwei Monosignale für Master und Headphone teilt. Und noch ein sonst typisches Controllermerkmal ist absent: eine Browser-Sektion. Titel können nicht über die Hardware ausgewählt und in die Decks geladen werden. Diese Einschränkung macht überdeutlich, dass der DDJ-200 vor allem für das Zusammenspiel mit mobilen DJ-Anwendungen wie der hauseigenen App WeDJ konzipiert wurde. Die Tracks lassen sich in diesem Fall ganz einfach über den Touchscreen suchen und ins Deck legen. Natürlich lässt sich der 200er auch mit rekordbox DJ und einem Laptop nutzen. Mit dem DDJ-200 erhält man zwar keinen offiziellen Lizenzschlüssel, jedoch fungiert der Controller als Dongle. Solange er angeschlossen ist, lässt sich die Software nutzen. Allerdings möchte sich im Jahre 2019 wahrscheinlich kein ambitionierter DJ dauerhaft Tracks mit einem Touchpad oder gar einer Maus in die virtuellen Decks befördern.

In Kombination mit einem iOS-Gerät hingegen kann der DDJ-200 seine spezifischen Vorzüge sehr gut zur Geltung bringen. So erfolgt beispielsweise die Bluetooth-Koppelung zwischen Hardware und iPhone tadellos. Demgegenüber bringen klassische Laptop-Controller eine Bluetooth-Unterstützung im Regelfall gar nicht erst mit. Auch die kleinen 2×8 Performance-Pads des DDJ-200 sind direkt auf die Pioneer WeDJ-App zugeschnitten. Entsprechend lassen sich die unterschiedlichen Kreativfunktionen wie Hot Cue, Loop, Pad Effekte und Sampler sehr komfortabel nutzen. Hinzu kommen weitere Extras, wie ein CFX-Regler pro Kanal, um zugewiesene Effekte (wie z.B. das virtuelle Lowpass/Highpassfilter) steuern zu können. Oder der Transition FX, der wortwörtlich effektvolle Crossfader-Überblendungen erstellt. Noch einen drauf setzt der Phrase Sync, der zwei Track-Abschnitte passgenau zusammenbringt. Die WeDJ-App ist für DDJ-200-Nutzer übrigens kostenlos – inklusive aller ansonsten kostenpflichtigen In-App-Zusätze.

So ist die Eingangsfrage, an wen sich der DDJ-200 vornehmlich richtet, ziemlich einfach zu beantworten: Einsteiger-DJs, die das virtuelle Auflegen auch auf längere Sicht mehr als gelegentliches Hobby denn Lebensinhalt sehen. Für einen Smartphone- oder Tablet-Controller hat der bislang kleinste Pioneer-Vertreter tatsächlich ziemlich viel zu bieten. Größere Ziele lassen sich mit ihm aber kaum erreichen. Dafür gibt es – auch von Pioneer selbst – professionellere Alternativen, die nur unwesentlich mehr kosten und unter anderem über ein Audiointerface verfügen. www.pioneerdj.com

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