Die Sache mit Hans-Jürgen Vogel muss kurz unterbrochen werden, weil: „Breaking News!“ Der Hund, der meinem Bruder gehört hat, gehört jetzt mir.


Nachdem mein Bruder aus dem Urlaub gekommen ist, hat er irgendeinen Mega-Deal abgeschlossen und musste direkt auf Geschäftsreise. In seinem Geschäft geht alles sehr schnell. Wie an der Börse, rauf und runter. (Mhh, in meinem Geschäft eigentlich auch.) Nach der Geschäftsreise, wollte er den Hund abholen, war aber sehr gestresst. Er wusste nicht, was mit seinem Deal ist und wann er wieder losfliegen muss. Seine Freundin veranstaltete SMS-Terror, ich versuchte, ihre Gefühlswelt für meinen Bruder zu übersetzen, er dachte an seine ungeöffneten Briefe und E-Mails und dass er den Steuerberater noch anrufen muss … Alles in allem war er sehr unruhig. Ich konnte sehen, wie es in seinem Kopf rauschte. Deswegen schlug ich vor, den Hund noch etwas bei mir zu lassen.

Dann kam noch dies und das, und ich war schon hoffnungslos in den Hund verliebt. Die Zeit spielte für mich, und so nahm ich meinen Mut zusammen und fragte meinen Bruder, ob der Hund bei mir bleiben kann, und er ihn nimmt, wenn ich auf Tour bin oder er Zeit hat. Es schien mir das Beste zu sein – für den Hund, für meinen Bruder und natürlich für mich. Mein Bruder ist nicht verantwortungslos, ich muss ihn in Schutz nehmen. Wir hätten uns beide keinen Hund geholt. Der Hund kam durch ein trauriges Kapitel zu uns, aber jetzt freuen wir uns über das Tier. Vielleicht ist es so, wie mit einem Kind. Irgendwie passt es gerade nicht oder auch nie, und wenn es dann da ist, passt es super und ist lediglich eine Frage der Organisation. Falls ihr mal eine Organisationskrise habt oder auch ohne Krise, kann ich „Simplify your life“ von Werner Tiki Küstenmacher nur empfehlen.

In Parks kann ich mich gut mit mir und meiner Umwelt beschäftigen, Gedanken ordnen, Abläufe strukturieren oder auch einfach an nichts denken. Hamburg hat die schönsten Grünflächen Deutschlands, und ich habe noch längst nicht alle gesehen. Heute habe ich einen Ausflug in den Volkspark gemacht. Ich hatte Lust, mich von anderen Hundebesitzern ankacken zu lassen. Sozialverhalten ahoi! Alle Soziologen in den Park! Hier gibt es reale Fallbeispiele! Schneeflocke und ich gehen rum, auf einmal gesellt sich ein schwarzer Labrador zu uns, seine Besitzerin steht 100 Meter entfernt an einer Bank und telefoniert. Schneeflocke und ich gehen weiter. Der Labrador folgt uns, seine Besitzerin telefoniert weiter. Hin und wieder ruft sie: „Kalle komm“, dann wieder „Kalle“, dann „Komm“. Kalle dreht sich nicht um, Kalle kommt nicht, Kalle folgt uns. Wir sind schon ein gutes Stück weiter. An einer Biegung bleibe ich stehen. Nicht wegen Kalle, Schneeflocke hat irgendwas entdeckt und schnüffelt fröhlich. Auf einmal, oder auch endlich, kommt Kalles Besitzerin mit aggressivem Gang und roten Wangen um die Ecke. Sie nimmt Kalle an die Leine, sagt ihm, was für ein Arsch er ist, fragt ihn, ob er taub sei und wirft mir asoziales Verhalten vor, weil ich nicht früher stehen geblieben bin. Ich habe Ihr ruhig gesagt, dass ich nicht wegen ihr stehen geblieben bin, sondern, weil mein Hund hier was zu schnüffeln hat. Dann ist sie explosiv abgerauscht. 

Sicherlich, ich hätte kurz stehen bleiben können, ich bin ja nicht asozial, aber die Dame hat in dem Moment die Verantwortung für ihren Hund auf mich geschoben, und ich habe mich bewusst dazu entschlossen, diese nicht zu tragen. Das nächste Mal, wenn sie telefoniert, rennt Kalle vielleicht aus dem Park und wird im schlimmsten Fall vom Auto überfahren. Dann ist natürlich der asoziale Autofahrer schuld.

Nächsten Monat kommen wird dann wieder zu Hans-Jürgen Vogel.

 

Die Hundebesitzerin

 

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