„Die 1995er Loveparade war in vielerlei Hinsicht einzigartig, die Naivität war noch fast ungebrochen, der Größenwahn fast auf seinem Höhepunkt und die Techno Sinnkrise noch ca. ein Jahr entfernt, wie man an folgendem Zeitdokument schön ersehen kann. Es war aber auch die erste Loveparade die so richtig behördenmäßig eingeschnürt wurde, so konnte mein Wagen z.B. wegen 10 cm Überbreite nicht mitfahren. … Jede Menge Freunde und Bekannte jedenfalls und natürlich geb ich auch noch meinen Schmonzes ab, bei Ellen Allien im Kiss FM Studio und Westbam hat eins meiner Shirts an, pahaha.“

Mit diesen Worten blickt Thomas Andrezak, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Tanith, zurück auf die Loveparade von 1995.

In dem Jahr wurde auch  Love Parade GmbH von Jürgen Laarmann, William Röttger, Dr. Motte, Sandra Mollzahl und Ralf Regitz angemeldet. Ursprünglich für den 1. Juni als Demonstration unter dem Motto: „Mit dieser Demonstration wollen wir für einen ungeteilten Frieden auf der ganzen Welt demonstrieren. Insbesondere fordern wir einen sofortigen Waffenstillstand in Bosnien, Tschetschenien und Mexiko“ angemeldet, wurde sie jedoch für diesen Tag nicht genehmigt.

Einerseits fand am selben Tag der Christopher Street Day statt, andererseits gab es die Aktionskunst des Künstlerpaares Christo und Jeanne-Claude, die den Bundestag komplett in Polypropylen verhüllen wollten und beides zu einem größeren Aufgebot und somit auch steigendem Abfall in der Stadt führen würde und somit auch höhere Sicherheitsrisiken beinhalten würde. Nach einigen Diskussionen mit der Stadtverwaltung und nach Vorlage eines mehrseitigen Müllkonzeptes sowie eines Sicherheitskonzeptes, wurde die Parade schließlich für den 8. Juni 1995 genehmigt. Mit über 500.000 Besuchern, war es die letzte Parade, deren Route über den Ku`damm verlief.

Die 33 mit DJs und Anlagen bestückten Wagen, auch „Floats“ genannt, wurden traditionell von Dr. Motte angeführt. Ihm nachgelagert bespielte Sven Väth beispielsweise den Frankfurter Omen Wagen gehüllt in ein Federkleid, mit ihm an Bord Mark Spoon. Der Bonzai-Bus von Franky Jones & Co. verzichtete hingegen gänzlich auf die Beschallung. Weitere Künstler waren unter anderem AWeX, Lenny Dee oder die gesamte Bunkercrew.

Hier haben wir euch noch ein paar Impressionen verlinkt:

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Foto: Escobier