Ten-Walls-Press-Picture-01-Banner


Mit „Gotham” auf Innervisions und „Requiem“ auf Life & Death landete Ten Walls im vergangenen Jahr gleich zwei dieser puren, waschechten Clubhits, die man in einigen Jahren noch immer auf den Tanzfluren dieser Welt hören wird. Über Monate hinweg wurde über die Person hinter diesem Projekt spekuliert, bis es vor einigen Wochen wie ein Lauffeuer die Runde machte: Marijus Adomaitis aka Mario Basanov, auch bekannt als die eine Hälfte von Mario & Vidis aus Litauen steckt hinter dem Pseudonym, über das die Szene dieser Tage spricht.

Mittlerweile spricht Adomaitis offen und direkt über die Wochen der Anspannung im vergangenen Sommer. „Ich liebe Musik und war lange für discoidere Sounds bekannt. Allerdings hatte ich irgendwann das Verlangen, etwas Düsteres und Treibenderes zu machen. So entstand Ten Walls. Es war Dixons Idee, nicht direkt damit hausieren zu gehen, wer dahinter steckt. Der Plan ist aufgegangen, und jeder hat darüber gesprochen. Es war jedoch ein unglaublich harter Kampf mit mir selbst und meinem Ego. Überall lief mein erster Track, in nahezu jedem Ranking stand er auf Platz Eins der Jahrescharts. Man möchte in diesem Moment in die Welt schreien, dass man dafür verantwortlich ist. Aber ich habe geatmet und innegehalten. Als Pete Tong in seiner Sendung sowie weitere große Namen darüber zu sprechen begannen, konnte man es nicht mehr aufhalten – und das ist mittlerweile auch okay für mich.“ In seiner Heimatstadt Vilnius richtet sich der Sohn einer durchweg klassischen Musikerfamilie ein neues, auf 60 Quadratmeter angelegtes Studio ein. Die Baumaßnahmen dauern jedoch bereits seit einigen Monaten an. „Der Grund dafür ist, dass die Wand, die extra dafür angefertigt wird, bislang einzigartig ist. Nach jedem kleinsten Fortschritt wird mit kleiner Pyrotechnik und der Explosion die tonale Veränderung und die Resonanz festgehalten, um gen Ende einen möglichst perfekten Arbeitsplatz zu schaffen. Alles sehr komplex, so dass sich die Arbeiten schon seit mehreren Monaten hinziehen und wohl noch ein paar Wochen andauern werden.“ Vor wenigen Tagen erschien mit „Walking With Elephants“ Ten Walls’ dritte EP – in diesem Fall jedoch auf seinem neuen und eigenen Label. „Ich bekomme sehr oft Musik geschickt, von der mit 80 Prozent gar nicht gefällt und 20 Prozent ganz ok bis gut sind. Als mein Manager Sean mir irgendwann geraten hat, ein Label zu gründen, habe ich ihm gesagt, er soll sich das direkt aus dem Kopf schlagen – zu wenig die Zeit, die nun mit zwei Projekten übrig bleibt. Bis mir irgendwann die Idee kam, das Label mit ihm zu führen. Er ist ein Genie, was die administrativen Dinge angeht, und ich kann mich weiterhin auf das Künstlerische fokussieren. Boso Linija bedeutet in Litauen – das Land, aus dem ich komme – schlichtweg Bassline. Für mich war BOSO also der perfekte Titel. Nachdem sowohl ‚Gotham‘ als auch ‚Requiem‘ so erfolgreich waren, hatte ich eigentlich vor eine Pause einzulegen, um keine Übersättigung beim Publikum mit all dem Hype um diese Figur zu kreieren. Als ich ‚Walking With Elephants‘ allerdings an jemanden gab, er sie ebenfalls weitergab und binnen weniger Tage die halbe Welt davon wusste, hatte ich zwei Möglichkeiten: Entweder jetzt handeln und den Track veröffentlichen – oder tatsächlich ein paar Monate warten und eine Nummer herausbringen, die jeder schon kennt und womöglich schon gespielt hat. Das war der Moment, in dem ich mich für Ersteres und auch endgültig für das Label entschieden habe. Mal sehen, was die Zukunft noch so für Ten Walls bereit hält.“

Interview aus dem Heft #28, Juni 2014

Das könnte dich auch interessieren:
Ten Walls geht mit den Elefanten …
Mario Basanov – Eine Reise durch seine Zeit

Thomas Schumacher im Interview
Adana Twins – Qualität durch Reibung