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Wie auch bei einer gut funktionierenden Fußballmannschaft ist der Nachwuchs unabdingbar. Junge Talente, ausgestattet mit dem notwendigen Ehrgeiz und Können. Kombiniert mit gestandenen Platzhirschen bewies sich diese Formel schon häufiger als Erfolgsrezept. Nicht nur bei der deutschen Nationalelf. Bei Diynamic Music, dem Vorzeigelabel aus Hamburg, geht dieses Rezept par Excellence auf. Künstler wie Solomun, H.O.S.H., Kollektiv Turmstrasse und Stimming als Spielmacher, umgeben von derzeit aufstrebenden Akteuren wie Adriatique, NTFO oder eben Thyladomid. Auf Diynamic erschien kürzlich seine EP „The Real Thing“ auf Diynamic und dem bevorstehenden Album gen Ende des Jahres, waren dies für uns genug Gründe, ihn zum Interview zu bitten und Charles Thiemann – wie er mit bürgerlichem Namen heißt – den offiziellen FAZEmag-Downloadmix 09/2014 mixen zu lassen.


Seit Anfang 2011 bist du Künstler bei Diynamic. Wie bist du zur elektronischen Musik und vor allem auf dein Pseudonym?

Meine ersten Schritte in der elektronischen Musikwelt waren zu Beginn eher kommerzieller Natur. Damals mit 17 habe ich mich ab und an ins 3001 in Düsseldorf gemogelt und zu Ferry Corsten und den Discoboys getanzt. Ein Steinwurf davon entfernt gab es damals den bekannten Club ‚Harpune‘. Zu dem Special „Drei Clubs ein Eintritt“ hat es mich anschließend oft in die Harpune gezogen. Zwar bin ich nie all zu lange geblieben aber ich kann schon sagen, dass die Anfänge von ‚Underground‘ dieser Location gutgeschrieben werden können. Später habe ich dann auch das Tribehouse für mich entdeckt, das dann aber leider zugemacht hat und seit geraumer Zeit als 102 wieder funktioniert. Zu dieser Zeit war ich bereits auf der Suche nach einem passenden Namen für mein musikalisches Projekt. Ich hatte bereits mit dem produzieren angefangen, und es musste dringend ein Name her. Irgendwie habe ich mir dann den Namen Thyladomid gegeben. Es war so etwas wie eine Eingebung – ohne tiefsinnigere Bedeutung. Wichtig war mir, dass es in erster Linie ein sehr individueller Name sein sollte.

Noch weit vor der Zeit als Clubgänger hast du mit sechs Jahren begonnen, Klavier zu spielen. Welchen Einfluss hat das auf deine Musik und deine Art zu produzieren heute?

Meine Eltern haben die Wichtigkeit der musikalischen Früherziehung schnell verstanden. So kam es, dass ich die ersten Schritte am Klavier gehen musste. Ob ich wollte oder nicht. Es folgten langatmige Klavierstunden mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten bis ich 14 Jahre alt war. Ich war überhaupt nicht damit einverstanden, jeden Tag zu üben, während alle anderen draußen spielten. Doch umso älter ich wurde, desto mehr habe ich es geliebt, frei am Klavier zu improvisieren. Es wurde sogar zu einem Ventil, wenn ich zum Beispiel wütend war. Und das ist es glücklicherweise bis heute. Deshalb ist der Einfluss auf meine Art heute zu produzieren sehr groß und maßgeblich. Und ein Dank geht raus an meine Eltern (lacht).“

Welche Künstler haben dich im Laufe deiner noch jungen Karriere dabei besonders inspiriert und beeinflusst?

Ich würde sagen, dass es immer unterschiedliche Künstler aus unterschiedlichen Genres waren. Von den Rolling Stones und Coldplay bis Sido oder Kollegah habe ich wirklich alles mitgenommen. Ich war letztlich sogar noch mit meinem Bruder auf einem Kollegah-Konzert in Düsseldorf. Seitdem ich denken kann, war ich immer ein Querhörer und habe mich für viele unterschiedliche Musikrichtungen begeistern können. Doch mittlerweile habe ich in der elektronischen Musik so meine Favoriten. Son Lux beispielsweise hat mich richtig inspiriert, nachdem ich mit meinem Dad auf einem Konzert gewesen bin. Auch das Live-Set von David August ist eine unglaubliche Inspirationsquelle für mich. Seine Sachen höre ich besonders gerne.

David gehört ebenfalls zum festen Innercircle bei Diynamic. Nach einer Kollaboration mit Adriatique gehörst auch du seit 2011 dazu. Wie entstand der Kontakt zu Mladen Solomun und Co.?

Das geschah Anfang 2011 durch die Kunstgeschwister aus Mönchengladbach, bei denen ich seit Jahren als Resident spiele. Die Jungs kannten Stimming und Solomun bereits durch Bookings im damaligen Spielplatz Club. Nachdem ich mit Adriatique zusammen einige Nummern fertiggestellt hatte, überlegten wir nicht lange, bei welchem Label es natürlich ein Traum wäre, ein Release zubekommen. Es war uns allen klar, dass wir versuchen müssen, den Kontakt zu Diynamic herzustellen. Zusammen mit den Kunstgeschwistern haben wir dann ein Packet zusammengestellt und an Diynamic geschickt. Eine kurze Zeit später kam der Anruf von Solomun, und wir durften den Track „Deep In The Three“ auf dem Tochterlabel 2DIY4 releasen. Das war wirklich eine große Sache für uns. Erst ein paar Monate später haben wir dann mit „The L Way“ auf Diynamic veröffentlicht. Das war dann Ende 2011. Anfang 2012 sind wir zusammen in die Booking Agentur DIY-Booking aufgenommen worden und bis heute sehr glücklich dort.

Wie gestaltet sich die tägliche Zusammenarbeit mit der Agentur und dem Label, und wie ist der Austausch mit den anderen Künstlern?

Diynamic ist mittlerweile zu einer großen, festen Gruppe zusammengeschweißt – mit 13 Künstlern aber dennoch recht überschaubar. Es ist eine wunderbar facettenreiche Konstellation aus den unterschiedlichsten Ländern Europas. Zu jedem großen Showcase kommen immer alle zusammen. Wie ein großes Familienfest, bei dem sich alle einmal alle paar Jahre zusammenfinden und essen gehen und feiern. Nur dass die Treffen bei uns deutlich häufiger stattfinden. Untereinander herrscht ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Auch zum Background-Office-Team besteht eine sehr vertraute Beziehung, ohne die es grundsätzlich überhaupt nicht funktionieren würde. Alle machen einen tollen Job.

Wie wichtig ist Solomun – auch bei deinen eigenen Produktionen? Hört man auf ihn, wie auf einen großen Vater?

Solomun ist sehr wichtig für das Label. Er ist der Chef und entscheidet über alle Releases bei Diynamic. Außerdem pusht er alle Artists. Er streut seinen eigenen Erfolg auf das ganze Label mit all seinen Künstlern und stellt jeden mal in den Fokus. Das klappt super und geht ineinander wie ein wunderbar funktionierendes Uhrwerk. Auch bei der Releaseverwaltung spielt er eine zentrale Rolle. Zwar geht es ihm immer erst darum, dass jeder Künstler seine musikalische Freiheit und Vielfältigkeit individuell ausleben soll, dennoch muss das Release natürlich passen und eventuell nochmal ein bisschen bearbeitet werden. Es herrscht eine ständige Kommunikation und konstruktive Kritik auf die man natürlich gerne hört.“

Durch dieses Uhrwerk sammelst du aktuell immer mehr internationale Erfahrung. All dies passiert innerhalb kurzer Zeit …

Für mich ist jeder Gig ist etwas besonderes. Und ja, vor allem das Reisen in unterschiedliche Länder und Mentalitäten macht mir sehr viel Spaß. Große Erfahrungen waren für mich bis jetzt eine Mexiko und Südafrika-Tour letztes Jahr. Erstaunlich, wie diese Musik mittlerweile bis in die kleinsten abgelegensten Orte vorgedrungen ist.

Doch zu Hause feiert man immer noch am liebsten. Auf das kommende Hell & Dunkel Festival, das Anfang September in der Kiesgrube stattfindet, freue ich mich am meisten. Auch freue ich mich auf das kommende Diynamic Event zum diesjährigen ADE in Amsterdam in Kooperation mit Loveland. Das wird in jedem Fall noch ein spannendes Jahr für mich.

Kürzlich erschien deine Single mit Mahfoud „The Real Thing“ mit Remixen von Stimming und Adriatique. Wie entstand der Kontakt zum Sänger?

Mitte letzten Jahres habe ich nach einem Sänger für einige meiner Arbeiten gesucht und tatsächlich über meine Fanpage auf Facebook inseriert. Eine Freundin von mir, die auch mit Mahfoud befreundet ist, hat ihm Bescheid geben, und so kam es, dass Mahfoud sich kurz darauf bei mir gemeldet hat. Im Juli haben wir das erste Treffen vereinbart. Das Ganze hat gut geklappt, und wir haben „The Real Thing“ und ein paar weitere Sachen bei mir zu Hause aufgenommen.

Ein paar weitere Sachen lässt auf weiteren, zeitnahen Output schließen. Wird es bald ein Album geben?

Richtig getippt. Ich arbeite seit zwei Jahren an unterschiedlichen Sachen und bin mittlerweile fast fertig. Es ist ein sehr ruhiges und emotionales Album mit vielen kleinen Details. Zahlreiche melodiöse Sachen wird es zu hören geben. Ein paar Tracks, so viel kann ich verraten, werden auch wieder von Mahfoud besungen sein. Auch wird es den einen oder anderen Remixer auf meinem Album geben. Wenn alles nach Plan läuft, wird es Ende des Jahres auf Diynamic veröffentlicht werden. Ich freue mich schon sehr darauf.

Hast du neben dem Longplayer noch weitere Ziele für die nächsten Monate und Jahre? Ein Live-Act zum Beispiel?

Ein Live-Set wird es sicherlich bald geben. Ich arbeite schon länger daran es umzusetzen. Ich möchte es gerne auch in Kooperation mit anderen Musikern zusammen ausbauen und am Ende auf der Bühne präsentieren können. Das Ganze braucht natürlich seine Zeit. Deswegen wird es erst in 2015 soweit sein. Außerdem arbeite ich gerade an einem Kontrast zu den momentan eher ruhigen Arbeiten. Es ist viel schneller und deutlich perkussiver als das, was ich bisher gemacht habe. Das Ganze wird viel düsterer sein.

Wir sind gespannt. Lass uns über Diynamic und Ibiza reden. Seit nun einigen Jahren eine vertraute Beziehung. In 2014 seid ihr openair im Destino bzw. Cova Santa …

Zu Beginn der Saison waren wir im Destino. Eine unglaubliche Location, direkt am Meer, komplett in weiß mit Pool in der nähe des Dancefloors. Das Ganze wird vom Pacha betrieben und ist quasi der Innenhof einer Hotelanlage. Der Vibe dort war super bis jetzt. Wir hatten immer großartiges Wetter und eine super Stimmung. Nach der Tagesveranstaltung ging es dann im Zuge eines großen back-to-backs im Club weiter.

Jetzt sind wir ins Cova Santa für die Donnerstage umgezogen. Ich habe Ende August dort gespielt, und auch da war es unglaublich. Tagsüber openair mit anschließender Aftershowparty direkt im Club. Ich würde sagen, dass für Diynamic auch dieses Jahr die Insel ein voller Erfolg war. / Rafael Da Cruz

FAZEmag DJ-Set #31: Thyladomid – ab sofort und exklusiv bei iTunes:

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