Seit über 25 Jahren beglückt uns Ian Pooley mit seinen Produktionen, die unter anderem schon auf großen Labels wie Force Inc., Innervisions, Ovum oder seinem eigenen Imprint Pooledmusic erschienen sind. „Celtic Cross“ ist eine dieser Produktionen, die noch am Anfang seiner Karriere im Jahre 1995 erschien, die aber gehörig Staub aufwirbelte.

Ian Pooley by Yacoub Chakarji

Ian Pooley – Foto: Yacoub Chakarji


Das Erste, was bei deinem Track „Celtic Cross“ aus den Boxen tönt, ist eine satter 909-Kick-Sound. Klingt die legendäre Drummaschine wirklich so, oder musstest du diese noch etwas anfetten mit Effekten? Wie bearbeitest du deine Drummaschines, dass sie einen eigenen Touch bekommen?

Ich hatte mir damals für meine ersten eigenen Produktionen ein Mischpult von DJ Tonkas Vater ausgeliehen. Ich hab keine Ahnung mehr, wer der Hersteller war, aber ich erinnere mich, dass ich das Gain für den Kanal der 909 sehr aufgedreht hatte. Es war kurz vorm Distortion. Man hört ja auch, dass das Ganze ziemlich rauscht.

Wie bist du an das Arrangieren drangegangen, Live-Jam oder monatelanges Blöcke-schieben am Rechner?

Ich hatte für meine Ian-Pooley-Produktionen bis 2006 keinen Rechner. Seit 1996 war die Akai MPC3000 das Herz in meinem Studio, „Celtic Cross“ ist aber vorher mit einer 909, einem Akai S950 , dem Korg MS 20 und diversen Effektgeräten entstanden. Die 909 kann Midi-Signale senden und wenn man beim S950 die Samples auf „One Shot“ gestellt hat, konnte man sich Loops basteln. DJ Sneak und Speedy J haben damals auch so gearbeitet. Das ganze hab ich dann live arrangiert, was natürlich nicht immer beim ersten Take gepasst hat.

Ein zentrales Element ist der quirkige Lead-Synthie, wie ist er entstanden?

Ahhh, stimmt, hab ich in der Auflistung eben vergessen. Das kommt von einer MC-202 von Roland, bei der ich die Sequenz programmiert habe und das dann per DIN Synch mitlief.

Woher kommt das treibende Vocal-Sample und wie gehst du im Allgemeinen mit Sampling um? Samplest du oft von Platten oder benutzt du viele Libraries?

Haha, das verrate ich hier lieber nicht, dass hat mir in den letzten 20 Jahren genügend Ärger eingebracht. Es war im S950 runtergepitcht, was damals richtig kompliziert war.

Wie sah der Arbeitsablauf während der Produktion aus?

Wie bei allen anderen Produktionen. Ich hab eine Weile an einem Loop gearbeitet, bis er den richtigen Flow hatte und dann mit Hilfe der Patterns in meiner 909 ein grobes Arrangement erstellt, was ich dann während der Aufnahme auf DAT live durchgeführt habe.

Der Track versprüht vor allen aufgrund der Bassline einen sehr fröhlichen Vibe aus.

Da ist eigentlich keine richtige Bassline, nur ein Subbass mit Release und das eine Chord-Sample hat untenrum richtig Druck.

Wie schafft man es, immer wieder fröhlichen Techno zu machen, der aber immer noch fett und seriös klingt?

Haha, keine Ahnung, ich mach eigentlich schon immer nur das, was mir gefällt.

Mit welchen Delays und Hallgeräten hast du experimentiert, dass die Hintergrundfläche so füllend klingt und wie ist der Sound gelungen?

Uffff … bei diesem Track bin ich mir wirklich nicht sicher. Es waren aber bestimmt günstige Geräte, zum Beispiel Boss oder Korg Pedale.

Welchen Tipp hast du für Newcomer?

Geduld! In zwei bis drei Monaten kann man als neuer Produzent leider nicht viel erreichen.

„Celtic Cross“ klingt ziemlich rough, wie gelingt ein solches Soundbild?

Siehe oben, mit dem richtigen Equipment (der S950 hat fette Filter) und wenig Elementen, die man „heiß“ im Mix fährt (leicht verzerren).

Wie sind die modulierenden Chords entstanden?

S950 und Delay.

Und deine Release-Pläne für die kommenden Monate?

Es kommt im Juni eine neue EP auf Pooledmusic, als Vorab-EP für mein neues Album, das im Herbst folgt.

 

 

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