wareika
Jakob Seidensticker: Tam-tatatata-tatatata Tam-Tam …
Florian Schirmacher: Bolero!
Henrik Raabe: Yeah, yeah, die Single mit den Remixen ist echt sachlich geworden, was sagt ihr?
Jakob: Ja, ich bin wirklich zufrieden, weil insgesamt eine super Bandbreite abgedeckt wurde – von sehr rumänisch bis hin zu unserem recht blumigen Original.
Henrik: Welches mich dadurch besonders flasht, dass wir im Grunde genommen Ravels gesamte Originalpartitur verwendet haben, ohne dass man es richtig checkt als Zuhörer. Außerdem kommt das Ganze mal wieder derbe wareikianisch rüber, oder?
Florian: Na ja, wir Wareikianer haben eben Lust auf eine Welt als Ganzes, die verflochten ist, in der wir uns unterhalten und unsere Identitäten einbringen, die gehört werden können. Könnt ihr die andalusischen Wurzeln dieser Melodie hören?
Henrik: Klaromanski.
Jakob: Die Leude woll’n, dass was passiert, die Leude woll’n uns.
Florian: Eigenheiten von Verflechtungen drücken wir ja gerne mal mit Halbtönen aus. Wir benutzen ja auch oft etwas „ungewöhnliche“ Tonarten. Die alten Volkslieder aus dem Mittelalter sind in diesen Tönen geschrieben oder in den markanteren „Zigeunertonarten“.
Henrik: Die man natürlich außerhalb von Goebbels’ engstem Freundeskreis nicht so nennt.
Florian: Das zusammen mit unseren gerne verwendeten Rumba-Claven ist schon richtig Weltmusik für den Club!
Jakob: Wobei Techno und House eh die eigentliche Weltmusik sind!
Henrik: Wir brauchen Bass, Bass. Was gehd’n?
Florian: Außerdem passt es ja auch in unsere Reihe von Coversongs. Covern heißt auch lernen. Wir lernen also von der Welt beziehungsweise mit ihr!
Henrik: Finde ich super wichtig den Aspekt. „Mal raus aus der mitteleuropäischen Tunnelblickzone“ geht mit und über Musik ziemlich gut!
Jakob: Habe gestern beim Meditations-Flashen einen jungen Syrer kennengelernt, der unser Mantra auf seiner Oud begleitet hat.
Henrik: Genau! Über den Sound sind wir doch sowieso alle verbunden, auch wenn wir das nicht immer merken.
Florian: Manchmal passen auch Sounds zusammen, die eigentlich gar nicht passen.
Jakob: Unser alter Bass-Gitarre-Schlagzeug-Synthi-Alles-Lehrer aus Hamburg sprach immer von seiner Vision, dass während eines Konzerts im hinteren Teil des Raums einfach noch ein ganz anderes Musikstück von einem CD-Player in AB-Funktion abgespielt wird, das passt und gleichzeitig nicht passt.
Henrik: Genauso ist doch unser Bolero entstanden! Visionquest Night im Fabric, unten die Jungs in Room 1, oben Seth mit diesem anderen Ami in Room 3, ich auf der Treppe zwischen beiden Floors, es passte und passte gleichzeitig nicht.
Florian: Und dann?
Henrik: Dann habe ich gedacht: So ein Stück müssen wir machen! Das so klingt, als ob im Nebenraum „zufällig“ etwas anderes läuft, das genau da reinpasst. Danke, Jungs, dass wir das so adäquat zusammen umsetzen konnten. Hammer!
Jakob: Na ja, das Original passt einfach schon verdammt gut zu unserer Musik.
Florian: Es ist hypnotisch, ekstatisch …
Henrik: … sehr lang und dabei immer loop-basiert.
Jakob: Den meditativen Aspekt finde ich auch nicht ganz unlustig.
Florian: Und den erotischen!
Jakob: Kurzum, es ist eines der wenigen Stücke der europäischen „klassischen“ Musik, das wirklich tanzbare elektronische Musik antizipiert.
Florian: Und das liegt mal ganz klar an der spanischen Komponente darin!
Henrik: Trinke auch gerade spanischen Rotwein. Aber stimmt, mit wirklich sexy Grooves kamen Bach und Hildegard von Bingen nun wirklich nicht daher. Sonst sucht man wohl nicht ohne Grund die Wurzeln unserer lieben Clubmusik-Styles eher in Afrika. Hm, darauf könnte man jetzt geradezu musikwissenschaftlich abflashen.
Jakob: Aber glücklicherweise sind wir ja keine so verkopften Jazz- oder sonstigen Musikstudenten, außer vielleicht so zwei Drittel der Band.
Florian: Haha!
Henrik: Haha!
Jakob: Spaß beiseite, Hauptsache der Groove stimmt!
Henrik: Die Leude … Bass … Ja, recht hat er.
Florian: Okay, denn auf unserem neuen Album kommen wirklich sehr unterschiedliche musikalische Aspekte zum Tragen. Das geht nun echt von Jazz bis Psychedelic-Disco – und das in allen möglichen Färbungen.
Jakob: Und trotzdem ist es kein „Und nun machen wir mal ein Album“-Album geworden. Zum Glück!
Florian: Peace!
Henrik: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein!


Am 18. März ist Wareikas neues Album „The Magic Number“ erschienen. 

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Aus dem FAZEmag 049/03.2016