Ritter Butzke

Darum kommen die Gäste rein oder eben nicht – Ritter Butzke – Bild von Ben de Biel

Liebe FAZE-Leser,

neulich wurde hier im Online Auftritt des FAZE Magazines ein Artikel (Hier ist der Link) zur Türpolitik geposted, zu dem ich, mich gerne äußern möchte. Kurz zu mir: Mein Name ist Susan, ich arbeite seit 5 Jahren im Berliner Nachtleben für diverse Clubs, Veranstalter und Künstler. Ich finde, dass einige Ansätze des Artikels einer Richtigstellung bedürfen und denke ein paar Einblicke zu den wahren Beweggründen einer Abweisung an der Schlange zum Club eurer Wahl geben zu können.
Wie bereits erwähnt arbeite ich selbst an der Tür von mehreren Clubs in Berlin und kenne die Problematik der Selektion daher zur Genüge. Es ist ziemlich schwer in wenigen Minuten zu entscheiden, ob eine Person in den Club passt oder nicht. Hierbei geht es ganz und gar nicht nur um’s Aussehen, sondern eher um das Auftreten. Wir als Selekteure, haben die Pflicht im Interesse des Clubs zu handeln – und dazu werden wir auch angehalten. Wir achten darauf keine Leute reinzulassen, deren Benehmen sich als problematisch darstellen könnte, unangenehm auftreten, zu betrunken sind oder andere illegale Substanzen zu sich genommen haben.
Wir repräsentieren den Stil des Clubs für den wir arbeiten und nicht unseren eigenen.
Und da gibt es einige Faktoren die zu beachten sind:

1) Unter Anderem natürlich das Schuhwerk. Es ist ganz klar, dass man einen Gast mit Flip Flops nicht hinein lässt, weil es schlicht und ergreifend zu gefährlich ist. Die Versicherungen der Clubs übernehmen in Fällen von zerbrochenen Gläsern und Flaschen keine Haftung für eventuell auftretende Verletzungen, welche man sich mit offenem Schuhwerk schnell zuziehen kann.

2) Wenn Jemand zu betrunken ist, und deshalb nicht in den Club kommt, dann ist das schlicht und einfach die eigene Schuld der jeweiligen Person. Die Selektion oder Tür ist in den meisten Fällen nüchtern und hat im Laufe ihrer ‚Clubkarriere‘ schon die ein oder andere Schnapsleiche gesehen. Folglich kann sie die Situation also auf jeden Fall besser einschätzen, als ein betrunkener Gast – Diskussionen sind zwecklos, stören den Einlass, nerven die Türsteher und führen nur dazu, dass man beim nächsten Mal vielleicht auch nicht reinkommt.

3) Bei einer Fremdveranstaltung ist es tatsächlich so, dass die Veranstalter ein Mitspracherecht haben was die Türpolitik angeht. Abweisungen an solchen Abenden sind also nicht frei erfunden.

4) Warum man nicht immer eine ausformulierte Begründung für eine Abfuhr mitgeteilt bekommt, wenn man nicht reingelassen wird, ist ebenfalls ziemlich simpel: wir dürfen es nicht! Es gibt genügend Beschwerden von Leuten bei denen es heißt, man drücke sich diskriminierend aus und es folgt eine Anzeige. Darum muss man sich beim Thema Absagen sehr bedacht ausdrücken. Eine Reihe von Phrasen und Floskeln sind an der Tür nicht erwünscht und gestattet, weshalb man sich bemüht eine Formulierung zu finden, die das Ganze etwas verschönert. Das muss nicht heißen, dass wir Lügen. Aber dies dient grundsätzlich zum eigenen Schutz UND weil man seinem Gegenüber selbstverständlich mit seinen Worten nicht verletzten möchte.

5) Natürlich herrscht ein sehr großes Interesse Berliner Clubs zu besuchen. Nicht nur von uns Locals, sondern auch von Leuten aus anderen Teilen Deutschlands und Touristen der ganzen Welt. Bei solch einem Andrang, hat ein gut besuchter Club natürlich die Qual der Wahl und kann sich sein Publikum und seinen Stil aussuchen (siehe Berghain oder Watergate). Was nicht heißen soll, dass ich als Selekteurin diese Türpolitik voll und ganz unterstütze.

Ich kann nur für mich selbst sprechen und nicht für andere. Und meine Intention ist es, dass die Leute es auch mal aus der Sicht der Tür betrachten. Natürlich gibt es noch immer Türsteher die Ihre Postion und ihre damit verbundenen Möglichkeiten ausnutzen, das möchte ich gar nicht leugnen. Aber es gibt ebenfalls genügend Türsteher und Selekteure, die ihren Job ganz großartig machen und jedem Gast die gleiche Chance geben.

Was ich als Anregung oder Tipp an euch mitgeben möchte, um vielleicht besser reinzukommen:
Kennt die Musik und das Line-up der Veranstaltung, grüßt freundlich aber nicht zu überschwänglich, verabschiedet euch um für’s nächste Mal einen guten Eindruck zu hinterlassen, grölt nicht schon in der Schlange, die Tür hat bei langen Schlangen und Einlasstops oft lang genug Zeit um jeden einzelnen zu checken.
Letzten Endes möchten wir ja alle das Gleiche: Eine Tolle Party, in einem tollen Club, mit Gästen die Ihren Spaß haben. Und dafür versuchen wir zu sorgen.

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Dear FAZE-readers,

I would like to response to an online article of FAZE Magazine, which is about the tough door policies at Berlin’s club doors (you can find the link below, but unfortunately only in German). I would like to introduce myself shortly: My name is Susan, I work in the Berlin nightlife for various clubs, promoters and artists since five years now. I think that some approaches of the article need a rectification, that I might deliver a second explanation for:

10 Argumente, warum der Türsteher dich nicht in den Club lässt

I work at the door for different clubs in Berlin and I’m aware of the problematic topic of selecting people well enough. It is very hard to decide in only a few minutes, whether a person fits into a club or not.
We are not talking about the look or style of each person here, it’s more about the appearance.
We have a duty, since we’re responsible for the club’s selection. It’s our job to act in the club’s interest. We have to pay big attention to not letting get drunk and high people in, or people who might act problematically. We represent the style of the club that we are working for and not our personal one.And therefore we have several factors which have to be regarded:

1) the footwear: It is obvious, that we can’t let a guest into a club wearing flip flops, because it is simply too dangerous. The club does not assume any liability for possible damages. And because of the broken bottles and glasses you could be easily injured.

2) If you are too drunk to get into the club, it is mainly your own fault. The people who are taking this decision (the selection or the bouncer) are experienced in treating drunk people on a daily basis plus they are better placed to evaluate the situation.

3) Yes, if we have an external organised event from another promoter which is not the club itself, the promoter has the right to determine the policies at the door. So these arguments are not freely invented.

4) Why you can’t get a better formulated rejection, when you weren’t let in, is simple as well: because we are not allowed to! There are so many complaints of guests, who are saying that we are discriminating. And what follows is a judicial claim. This is a huge reason why we need to formulate our turndown very carefully. It serves basically to protect ourselves AND because we don’t want to hurt people with our words.

5) Of course there is a big interest in visiting clubs in Berlin. Not only by us locals, but also by people from other parts of Germany and tourists from all over the world. At some point, a well-attended club is spoilt for choice and can pick out the people and the style it wants (like Berghain or Watergate). Which does not mean that I completely support the policies of these clubs.

I can only speak for myself. And my intention is, that people should try a different point of view, namely of the door. Of course there are still some doormen, which take advantage of their position – that cannot be denied. But there are also doormen and selections, which are doing a great job.

I would like give you some helpful suggestions along your way, with which you maybe have an easier entrance:
Know the music and the line-up of the event, be friendly but not effusively, say goodbye to make a good impression for the next time, do not blare in the line – when there is a stop of the admission, we have enough time to check every person in the line.

In conclusion we all do want the same: a great party, in a great club, with guests who are having fun. And that is what we try to ensure.

 

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