DJ Sammy, der mit bürgerlichem Namen Samuel Bouriah heißt, feierte mit über 20 Millionen verkauften Tonträgern und unzähligen Auszeichnungen bereits große Erfolge. Der 50-Jährige hatte seinen weltweiten Durchbruch 2001 mit einer Coverversion von Bryan Adams’ „Heaven“. Der Track durchbrach die Marke von zwei Millionen verkauften Platten in Europa und Australien und landete in den USA auf Platz 2 der „US Billboards HOT 100“, bevor er 2002 in Großbritannien auf Platz 1 schoss. In den letzten Jahren war es jedoch eher still um den Mallorquiner – den Grund dafür gab er erst jetzt bekannt: Sein Vater war schwer krank und Sammy hat sich die letzten Jahre um ihn gekümmert und ihn gepflegt. Anfang dieses Jahres ist sein Vater verstorben. Nachdem ihn dieser Schicksalsschlag sehr mitgenommen hatte, konnte er durch seine Musik wieder neue Kraft schöpfen. Er verbrachte viel Zeit im Studio und zahlreiche neue Songs entstanden. Mit diesen möchte er nicht nur seinen schweren Verlust verarbeiten, sondern vor allem auch seinem Vater für all die schönen Jahre danken, die sie gemeinsam verbringen durften. Jetzt erscheint mit „This Is Who We Are“ der neue Song von DJ Sammy, ein Lied über Zusammengehörigkeit und über Stärke – wichtige Werte, die ihm auch sein Vater mitgegeben hat. Für diesen Track holte sich Sammy die Australierin Chloe Marin ins Studio, die ihm mit ihrer Stimme eine besondere, emotionale Note verleiht. Wie die Musik Sammy in dieser schweren Zeit geholfen hat, welche Sachen er in Zukunft angeht und was es mit seinem neuen Label auf sich hat, erzählt er uns im Interview.

 

Hallo, Sammy! Danke, dass du dir die Zeit nimmst, mit uns zu sprechen. Wir freuen uns sehr! Zuallererst sprechen wir dir unser Beileid für deinen schweren Verlust aus. Wie geht es dir inzwischen? Familiäre Verluste sind immer schwer zu verarbeiten …

Ja, da hast du Recht. Verluste in der Familie sind sehr schwer zu verkraften, und mein Vater und ich hatten eine sehr enge Beziehung. Ich habe aufgehört, Musik zu machen, um mich um ihn zu kümmern. Aber genau das hat uns noch enger zusammengebracht und mir die größte Lektion meines Lebens erteilt. Ihn zu duschen, ihm die Haare zu schneiden und ihm sein Essen zu geben, ihn zu waschen, ihm Liebe zu zeigen, mit ihm spazieren zu gehen – all das gab mir das beste Gefühl, das ich in meinem Leben je hatte. Wenn ich jetzt gerade über ihn spreche, habe ich Tränen in den Augen. Dieser Verlust ist der tiefste Schmerz, den ich bisher gefühlt habe. Aber auf positive Weise fühle ich mich auch sehr glücklich; ich habe diese Reise mit meinem Vater zusammen unternommen. Trotzdem gehe ich jeden Tag zu seinem Grab hier in Palma, um die Blumen dort zu gießen, sodass ich irgendwie noch immer mit ihm verbunden bin. Meine Eltern sind meine Augen und werden es immer sein.

Du sagtest, die Musik konnte dir nach diesem Schicksalsschlag neue Kraft geben. Auch wir finden, dass Musik eine besonders heilende Wirkung hat. Wieso war Musik in dieser schweren Zeit so wichtig für dich?

Durch Musik kann ich mich ausdrücken und meine Schmerzen auf eine sehr positive Art und Weise lindern. Musik hat seit meiner Kindheit einen sehr großen Einfluss auf mein Leben. Musik ist der Schlüssel zur Befreiung meiner Seele. Macht euch also bereit, ich bin zu mehr als 100 Prozent motiviert, meine Kreativität wieder mit der Welt zu teilen. Ich bin wieder da, wo ich hingehöre, und im Himmel habe ich einen Engel, der über meine Schritte wacht und sehr stolz auf mich ist. Es geht los, Sammy ist wieder da. (lacht)

„Himmel” bzw. „Heaven“ ist ein gutes Stichwort. Das war schließlich dein erfolgreichster Track in deiner Karriere. Hast du irgendeine lustige Geschichte über diesen Song parat, an die du dich immer erinnern wirst?

Ja, es gibt eine. Das war in den Vereinigten Staaten, als „Heaven“ alle Charts anführte. Die Leute liebten den Song so sehr, dass sie die DJs wahrscheinlich baten, ihn nonstop zu spielen. Manche DJs werden irritiert gewesen sein. Ich erinnere mich, dass einer von ihnen Armin van Buuren war. Er kritisierte mich und sagte, DJ Sammy würde kitschige Musik machen und die Platte sei definitiv kein Trance. Er hat Recht, es ist kein Trance. Aber was er macht, ist auch kein echter Trance. (lacht) Doch Herr van Buuren wusste nicht, dass er mein anderes Alias namens Parker and Hanson in großem Stil gespielt und unterstützt hat. Er liebte es und spielte die Songs auf fast all seinen Festivals, wie mir mein Agent aus Großbritannien erzählte. Ich habe nur gelacht und bis heute nie darüber gesprochen. Auch nicht in der Musikindustrie. Parker und Hanson war ich – also, Armin, jetzt weißt du es! (lacht) 

Die neue Single „This Is Who We Are“ haben wir ja bereits angekündigt. Der Song scheint eine sehr persönliche Message zu haben. Was macht diesen neuen Track aus? Was bedeutet er für dich?

Natürlich ist dieser Song ein Spiegelbild der aktuellen Situation in der Welt. Es ist ein Lied über Zusammengehörigkeit, Liebe und über Stärke – wichtige Werte, die alle Menschen auf der Erde miteinander teilen sollten. Ich liebe dieses Lied und die Stimme von Chloe Marin wirklich sehr. Was für eine Künstlerin und was für eine Stimme! Chloe Marin ist ein Gottesgeschenk mit einer großen Zukunft – „This Is Who We Are“ wird fantastisch.

Ja, mit Chloe Marin hattest du in der Tat eine wunderbare Künstlerin an deiner Seite. Was können wir außerdem in Zukunft Neues von dir erwarten? Wir haben gehört, dass es noch eine zweite Single geben soll. Gibt es wieder eine Kooperation mit einer Sängerin?

Wir haben noch viel vor uns und große Überraschungen werden dabei sein. Wir werden ein Soloprojekt mit Chloe Marin machen, wir haben gerade alle Mixe von „Sunlight 2020“ fertiggestellt – es ist einfach Wahnsinn, was für erstaunliche Mixe wir für MyClubroom haben. DJs, Radios und hoffentlich auch Clubs sollen sich bereit machen. Aber auch die neue Single von mir wird eine große Überraschung sein, sie heißt „Fly With You“. Als Sängerin ist eine sehr erfolgreiche Künstlerin dabei. Also, lehnt euch zurück und wartet ab. Ich garantiere euch, dass ihr ihr Talent sehr schätzen werdet.

Auch ein neues Label hast du gegründet – du hast es gerade erwähnt. Worauf können wir uns hier freuen? Habt ihr schon einen genauen Plan, welche Künstler*innen ihr signen wollt? Gibt es da schon etwas, was du uns verraten kannst?

Ja, ich habe MyClubroom Recordings zusammen mit meinem Freund und Geschäftspartner Oliver Franke von Berlinieros PR gegründet. Wir arbeiten nun seit 25 Jahren zusammen und er war der Erste, der mich für seine Loveparade-Veranstaltung „Lovestern Galaktika“ nach Deutschland gebracht hat. Ich liebe ihn, aber einen Fehler hat er: Er ist Bayern-München-Fan und ich bin Real-Madrid-Mitglied. (lacht) Doch in puncto Musik verstehen wir uns sehr gut. MyClubroom Recordings ist ein globaler Schmelztiegel für rein hedonistische Clubmusik, beeinflusst von einem Gefühl für originale balearische Vibes und der musikalisch-industriellen Energie Berlins. Das MyClubroom-Konzept wurde 2008 ins Leben gerufen und von der spanischen Ausgabe des äußerst einflussreichen DJ Mag schnell als „Beste Club-Radioshow“ ausgezeichnet. Neue Sounds und frische Talente zu entdecken, darauf liegt der Schwerpunkt bei MyClubroom. Ebenfalls soll es eine prominente Plattform für etablierte DJs, Künstler*innen und Produzent*innen sein.

Kommen wir noch auf das allgegenwärtige Coronavirus zu sprechen. Es scheint keine gute Zeit zu sein, um eine DJ-Karriere wieder aufleben zu lassen. Allerdings hören die Leute momentan so viel Musik wie nie. Wie wird es deiner Meinung nach weitergehen? Planst du, auch wieder DJ-Gigs zu spielen, sobald es möglich ist?

Ich habe eine Residency im BCM Planet Dance, einem der besten Clubs der Welt, und eine Menge Festivals im Vereinigten Königreich und auf der ganzen Welt standen auf der Liste – aber alles ist abgesagt. In letzter Zeit habe ich zwei Livestreams gemacht, um den Menschen etwas Glück ins Haus zu bringen, einmal auf meinem Dach in Palma City und auch in Son Marroig, mit einem wunderschönen Blick auf das Meer und den Sonnenuntergang. Ich empfehle euch, die Livestreams anzuschauen, denn sie sind wahnsinnig toll geworden. Ihr findet sie auf meinem YouTube-Kanal @djsammyofficial. Aber zurück zu den Absagen der Auftritte: Ich muss sagen, dass ich mich damit arrangieren kann. Das ist eine sehr schwierige und verwirrende Zeit und natürlich tut es weh! Künstler*innen, Eventagenturen und eine Menge Geschäfte kämpfen gegen die Insolvenz. Aber der einzige Weg, um die Situation zu überstehen, ist, positiv zu bleiben und zusammenzuhalten. Das sind schlechte Zeiten für die Welt und wir sollten Lösungen finden, die den Menschen nicht schaden. Ganz einfach weil das Virus kein Witz ist. Ich habe meine Nachbarn sehr, sehr krank gesehen. Ich kann also nicht an meine Auftritte denken, wenn Menschen sterben. Die Gesundheit steht an erster Stelle, der Rest wird danach kommen. Das alles geht nur, wenn wir als Gesellschaft zusammenhalten und diese Pandemie gemeinsam überwinden!

Wie ist die Situation auf Mallorca? Du bist Mallorquiner, nun gibt es erneut eine Reisewarnung für die Balearischen Inseln. Wie wirkt sich das auf den Tourismus aus? Oder ist es schön, als Einheimischer auch mal seine Ruhe zu haben?

Um ehrlich zu sein: Die Situation auf Mallorca war nicht so schlimm, wie man behauptet hat. Viel schlimmer war die Situation in Madrid, Barcelona und auf dem spanischen Festland. Wie ich allerdings bereits sagte, hatte ich zwei Nachbarn, die im März sehr krank wurden und leider verstarben. Von Mitte März bis Ende Mai bzw. Anfang Juni hatten wir einen massiven Lockdown für etwa 65 Tage, aber das war auch notwendig, um Menschen mit Gesundheitsproblemen zu schützen. Ich bin sicher, dass Mallorca das Coronavirus-Problem im Moment im Griff hat. Stellt euch mich als Musiker vor: Hier auf Mallorca haben alle Clubs und Indoor-Venues geschlossen, weil das die Empfehlung der Regierung war. Ich bin mir auch bewusst, dass viele Menschen nicht mit den Einschränkungen einverstanden sind, es ist halt auch sehr schwierig, alle zufriedenzustellen – doch es geht nicht um mich oder um sie, es geht um uns alle! Aber ich bin mir sicher, dass wir alle in sehr naher Zukunft zu unserem normalen Leben zurückkehren können, wenn wir uns benehmen und aufhören, egoistisch zu sein.

 

 

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