Kult-Rapper DMX stirbt an Überdosis


Die Musikwelt trauert über den Verlust von US-Rap-Legende DMX, der an den Folgen einer Überdosis umgeben von seiner Familie am 9. April verstorben ist. Sieben Tage zuvor wurde die Rap-Ikone im White-Plains-Hospital (New York) eingeliefert. Aufgrund eines 30-minütigen-Sauerstoffentzugs stellte sich die Gehirnfunktion nicht mehr her.  Am 8. April begannen seine Organe zu versagen, während man ihn künstlich am Leben erhielt. Einen Tag darauf erreichte uns dann die ernüchternde Botschaft, dass jener Hip-Hop-Künstler, der den US-amerikanischen Rap gegen Ende der Neunziger mit seinem unverwechselbar derben Organ bereicherte und darüber hinaus sich weiterhin nach der Jahrtausendwende in den Charts bemerkbar machte, von uns gegangen ist. DMX machte nicht nur mit seiner Musik und seinen Darbietungen als Schauspieler auf sich aufmerksam. Immer wieder war er mit  negativen Schlagzeilen in den Nachrichten. Doch wir wollen hier nicht DMX, der bürgerlich Earl Simmons heißt, auf sein renitentes Verhalten gegenüber den gesetzlichen Normen reduzieren, jedoch vielmehr seinen Werdegang beleuchten, der seine Musik und sein Handeln maßgeblich beeinflusste.

Simmons wurde am 18. Dezember 1970 in Mount Vernon, New York, geboren. Sein Vater verschwand wenig später weitestgehend aus seinem Leben. DMX wuchs in der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas auf, doch verlor seinen Glauben, weil seine Mutter eine Abfindung von 10 000 Dollar nicht annahm, nachdem sie von einem alkoholisiertem LKW-Fahrer erfasst wurde. DMX durchlebte eine schwierige Kindheit, die geprägt von Gewalt war. Seine Mutter und ihre verschiedenen männlichen Freunde schlugen ihm Zähne aus und setzten ihm schwer zu, woraus zahlreiche Prellungen und Schnittwunden bei ihm im Gesicht hervorgingen. Aufgrund der ärmlichen Verhältnisse, in denen DMX aufwuchs, schlief er auf dem Boden, während nachts Mäuse und Kakerlaken über ihn krabbelten. In der Schule warf Simmons Stühle auf Lehrer und rammte einem Mitschüler einen Bleistift in das Gesicht. Im Alter von sieben Jahren steckte man ihn ins Gefängnis, weil er auf einem Markt Kuchen gestohlen hatte. Als er zehn Jahre war, wurde Simmons von der Schule verwiesen und für 18 Monate in ein Kinderheim geschickt. Nach seiner Zeit im Heim übernachtete er in Kleidercontainern, da er von Zuhause geflohen war. Obdachlos und einsam schloß er Freundschaften mit Hunden, die nachts durch die Straßen streunten – ein wohl maßgeblich prägendes Erlebnis, das sich auch in seiner Musik in Form seines unverkennbaren Bellens wiederfindet. Hunde waren neben Musik und Drogen ein konstanter Wegbegleiter für DMX. 

Seine musikalische Karriere begann, als er für Ready Ron beatboxte, der ihn im Alter von 14 Jahren an Rap und Crack brachte. Nach einem Gefängnisaufenthalt, der die Konsequenz eines Hunde-Diebstahls war, fing DMX an, Texte zu schreiben und performte erstmals für Jugendliche. Simmons wählte den Namen DMX in Anlehnung an die Oberheim-DMX-Drum-Machine. Später stand sein Alias für „Dark Man X”. Die Presse wurde auf ihn aufmerksam und lobte Simmons in einer Kolumne. Daraufhin wurde er schließlich von Columbia Records auf dem Sublabel Ruffhouse unter Vertrag genommen, wo seine Debüt-Single „Born Loser“ erschien. In der Zeitspanne von 1996 bis 1998 nahm DMX Songs für sein Albumdebüt auf. 1998 lieferte er mit „Get At Me Dog“ seinen ersten großen Hit. Sein erstes Album „It’s Dark And Hell Is Hot“, das den Track „Ruff Ryder’s Anthem“ enthält – ebenfalls eine von seinen bekannten Singles, wurde wenig darauf veröffentlicht. Hier ein Auszug aus den Lyrics, der wohl bezeichnend für DMX’ Persona ist: „(..) All i know is pain, all I feel is rain, how can I maintain, with madness on my brain, I resort to violence (..)“

It’s Dark And Hell Is Hot“ platzierte sich an erster Stelle der Billboard 200 Charts in den USA und verkaufte sich über fünf Millionen Mal. Im Dezember 1998 veröffentlichte DMX sein zweites Album, das den Titel „Flesh Of My Flesh, Blood Of My Blood“ trägt. Es debütierte auf Platz eins der Billboard 200 und wurde mehrfach mit Platin ausgezeichnet. Sein drittes und am häufigsten verkauftes Werk „And Then There Was X“ erschien nur ein Jahr später. „Party Up (Up In Here)“, ein Partystarter der Extraklasse, wurde sein erster Top-Ten-Hit und erhielt eine Nominierung für die beste Solo-Rap-Performance auf den Grammys im Jahr 2001.

Insgesamt erlangte der mittlerweile zum Star avancierte Rapper mit „And Then There Was X“ sechs mal Platin sowie eine weitere Grammy-Nominierung für das beste Rap-Album. „The Great Depression“, „Grand Champ“, „Year Of The Dog… Again“ und „Undisputed“ wurden bis 2012 Teil von Simmons Musikkatalog. DMX zementierte seinen rauen Sound in der Hall of Fame des Hip-Hops. Während seiner gesamten Karriere landete der Rapper immer mal wieder im Zusammenhang mit Drogen, Waffenbesitz oder Tiermisshandlung in den Medien. Etliche Male musste DMX Gefängnisstrafen absitzen oder hohe Geldstrafen bezahlen. Er kämpfte lange mit seinem Drogenmissbrauch und hatte den letzten Reha-Aufenthalt im Jahr 2019, was den Anschein erweckte, dass er auf dem Weg war, seinem Leben etwas mehr Stabilität zu verleihen. Im Juli 2020 verfolgten über 500 000 Zuschauer*innen auf Instagram-Live, wie DMX sich Snoop Dogg in einem Battle stellte. Die zwei Legenden gaben ihre jeweils ikonischsten Tracks zum Besten. „X Gon’ Give It To Ya“ riss Snoop vom Hocker – eine typische DMX-Hood-Hymne, die uns in Erinnerungen an die 00er-Jahre schwelgen lässt.

 

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DMX hat es uns allen gegeben – seinen Frust, seine Wut und seinen Unmut – Gefühle, die ihn Jahre lang in die Kriminalität und den Drogenmissbrauch getrieben haben und sich in seinen aggressiven Rap-Performances manifestierten, die sich unter anderem auf „Ruff Ryder’s Anthem“, „Where Da Hood At“, „Party Up (Up In Here)“ und „X Gon’ Give It To Ya“ finden – Stücke, die jede Party-Crowd in einen absoluten Eskalationsmodus versetzen.

DMX – der stetig bellende Hund, der von nun an verstummt, hinterlässt 15 Kinder und wurde 50 Jahre alt. R.I.P.

 

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