Sonntagmorgen, es ist 12 Uhr und ich bin am überlegen, wie ich meinen Tag verbringe. Lust auf große Action hab ich nicht, jedoch sollte ich mein Kulturbrain mal wieder auffrischen. Längere Zeit war schon ein Ausflug nach Venlo geplant, da es quasi um die Ecke ist. Also ab in die Dusche, Sachen drüber gezogen und auf zum Zug.

Nach einer Stunde Fahrt erreichte ich den Bahnhof Venlo. Von dort aus ging ich zu Fuß, bei einer Bevölkerung von etwas mehr als 100.000 ist das Städtchen ziemlich überschaubar. Nach ein paar Schritten erreichte ich auch schon die erste Station: Sounds. Als ich in den Record Store ging, war ich erstmal von der enormen Größe des Ladens geflasht. Auf 900 Quadratmeter findet man hier nahezu jedes Genre auf CD oder Vinyl. 50.000 verschiedene Titel auf Platte und ganze 100.000 auf CD. Zurecht zählt das Sounds in Venlo zu den größten Musikgeschäften Europas. Und wie siehts Mukkemäßig aus? In der oberen Etage gelangt man zum Abteil der elektronischen Musik. Von den 80s bis heute ist eigentlich alles dabei. Bei Downtempo angefangen, gelangt man recht schnell zum Technofach. Und das Beste: Sounds verkauft Second Hand! Die gebrauchten Teile gibts für ca. 2,5 Euro.

Nach ein paar Stündchen Musik und einigen Euros weniger, gings weiter Richtung Zentrum. Der Hauptgrund für meinen Ausflug war nämlich nicht der Plattenladen, sondern Nobody’s Place. Auf die Venloidee kam ich eigentlich nur aus einem ganz einfachen Grund. In meinem WG- Zimmer hängt ein kleines Post-it mit einer 5-stelligen Zahlenfolge an der Wand. Beim Einzug wurde mir erklärt, dass das die Mitgliedsnummer für einen Coffeeshop in Venlo sei. Naja, da der Zettel mich seitdem immer so frech angegrinst hat, wurde es mal Zeit, zu sehen, was sich dahinter verbirgt.

Das Nobody’s Place bietet seit 36 Jahren einen Gemeinschaftsort für Kiffer. Freunde können sich hier ganz entspannt einen durchziehen. Anders als zuhause, kann man hier, wenn der Stoff dem Ende zugeht, einfach neuen kaufen. Als ich die Tür öffnete und eintrat, fiel mir vor allem eines entgegen: eine dicke Rauchwolke. Ehrlich, das war so viel Rauch, ich hab in den ersten Sekunden kaum noch was gesehen. Man gewöhnt sich jedoch schnell dran. Da stand ich nun, umgeben von Weedwölkchen und jeder Menge Kundschaft. Nach dem Eintreten muss man sich auch nicht lange umschauen, denn die Schlange beginnt bereits kurz danach. Ich machte mal den Mitläufer und stellte mich an. Kurz darauf kam auch schon der Ladendude zu mir und fragte nach meiner Mitgliedsnummer. Ehrlich gesagt, war das pures Glück, dass ich hier an den richtigen Coffeeshop geraten bin. Ich hatte keine Ahnung, zu welchem die Nummer gehörte. Karma liebt mich einfach. Naja, ich meinte ich hätte eine Nummer und er lies mich vor zu den Verkäufern. Da musste ich den Code eintippen und der Verkäufer schaute mich verwirrt an. Die Mitgliedsnummer war von meiner Vormieterin, anscheinend gab es Fotos. Ich konnte mich jedoch mit dem richtigen Namen ganz gut rausreden. Für die Mitgliedschaft fällt ansonsten eine einmalige Gebühr von 5 Euro an. Einziges Aber: Man muss 18 Jahre alt sein. Und ja, das wird kontrolliert. Vorne am „Ausschank“ gab es eine Karte mit verschiedenen Sorten. Ich entschied mich für was softes – Blueberry Haze. Da ich keine große Kifferin bin und nahezu jedes Mal einschlafe, sobald ich zweimal dran gezogen habe, ist die indica/sativa-Sorte genau das Richtige für mich. Es gab zwei Räume mit Sitzmöglichkeiten. Auf jedem Tisch waren Aschenbecher aufgestellt und die Leute waren schon fleißig am Rollen und Paffen. Lieblicher Reggae umgab uns und sorgte für eine gechilllllllte Atmosphäre. Ich hatte nicht so Bock, mich zu anderen zu gesellen – normalerweise werde ich immer etwas unsozial, sobald ich high bin – daher saß ich anfangs alleine am Tisch und fing an, mein Buch Kaputt in Hollywood – Charles Bukowski aufzuschlagen. Nach einer halben Stunde fiel mir dann auf, wie nice die Grassorte ist. Ich war hellwach und voll konzentriert. Ist mir in der Tat noch nie passiert. Auf Weed, wohl bemerkt. Kurze Zeit später kamen die ersten Leute an meinen Tisch es fühlte sich an, wie in einem ganz normalen Café.

Nobody’s Place ist ein Ort, wo man mit Freunden zusammen kommen kann. Ob nun bei einem Joint oder einer Runde Kicker. Mit Buch oder Gesellschaft. Mit nettem Personal und friedlichen Gästen. Faire Preise und einer großen Auswahl. Doch überzeug dich am besten selbst bei einem ungeplanten Ausflug nach Venlo.

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Fotos: Sofia & www.facebook.com/Soundsvenlo